St. Tiburtius (Münster)
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Tiburtius, die ehemalige Stiftskirche des Chorherrenstifts Pfaffenmünster, steht in Münster, einem Gemeindeteil von Steinach im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen. Sie ist in der Bayerischen Denkmalliste unter der Nummer D-2-78-190-9 eingetragen. Die Kirche gehört zur Pfarreiengemeinschaft Kirchroth – Kößnach – Pfaffmünster im Dekanat Straubing-Bogen des Bistums Regensburg.
Beschreibung
Geschichte und Architektur
Die spätromanische Basilika wurde in den Jahren 1736 bis 1738 barock umgestaltet. Sie besteht aus dem Langhaus mit einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen, dem quadratischen Chor mit halbrunder Apsis im Osten und dem Kirchturm auf quadratischem Grundriss vor der Westwand des Mittelschiffs, der 1738 aufgestockt und 1865 mit einem spitzen Helm bedeckt wurde. In dem Turm hängen vier Glocken mit den Schlagtönen f′, g′, b′ und c″. Das Mittelschiff der Kirche ist mit einer Flachdecke überspannt; in der Vierung vor dem Chor ist es ein Klostergewölbe. Jeweils fünf Arkaden trennen das Mittelschiff von den Seitenschiffen. In Gemälden über den Arkaden sind die zwölf Apostel dargestellt.
Decken- und Wandgemälde
Die Fresken stammen von Johann Adam Schöpf. In zwei Decken- und zwei Wandgemälden zeigen sie Szenen aus dem Leben des heiligen Tiburtius, des Kirchenpatrons, der am 11. August 286 in Rom den Märtyrertod starb. Das erste Bild zeigt den heiligen Sebastian, der Tiburtius zum christlichen Glauben bekehrt hatte, am Krankenbett von Tiburtius’ Vater. Im zweiten Gemälde wird Tiburtius zusammen mit der später ebenfalls heiligen Susanna und anderen Personen getauft. Bild drei zeigt, wie Tiburtius im Palast seines Vaters arme Christen speist, während im Hintergrund klein zu sehen ist, wie er einen vom Gerüst stürzenden Handwerker rettet. Im vierten Gemälde entschließt sich Tiburtius trotz der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian in Rom zu bleiben und riskiert dafür zu sterben.[1]
Altäre
Der um 1740 aufgestellte Hochaltar wird von den Skulpturen der Heiligen Rochus von Montpellier und Wendelin flankiert. Auf dem ebenfalls von Johann Adam Schöpf gemalten, 1,50 Meter breiten und im Scheitel 2,25 Meter hohen Altarblatt ist der erste Teil des Martyriums des heiligen Tiburtius dargestellt. Nach der Legende stand Tiburtius vor der Wahl, heidnischen Göttern Weinrauch zu opfern oder die dazu aufgeschüttete glühende Kohle mit nackten Füßen zu überqueren. Tiburtius ging durch die Glut, ohne Schaden zu nehmen, und verspottete seine Peiniger, woraufhin befohlen wurde, ihm den Kopf abzuschlagen. Der Maler hat sein Gemälde in ungewöhnlicher Weise signiert und den Namen J.A.Schöpf auf das Halsband eines links unten im Bild dargestellten Hundes geschrieben.[1]
Im Altarauszug des Hochaltars ist in einem Dreieck im Strahlenkranz und von Engeln umgeben das Auge Gottes dargestellt.
Die Seitenaltäre am Chorbogen entstanden wahrscheinlich wie der Hochaltar um 1740. In dem nördlichen Altar steht eine Schnitzfigur der Muttergottes aus dem späten 15. Jahrhundert, im rechten Altar eine Statue des heiligen Sebastian.
Die Altäre in den Seitenschiffen aus der Zeit um 1765 sind Werke von Mathias Obermayr. Der rechte Altar enthält einen älteren Kruzifixus, eine trauernde Maria und einen Johannes (Tonfiguren aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts) unter einer weit gespannten Stuckdraperie vor einem vertieften Hintergrund mit einem Baldachin. Zwei Putten, die jeweils in einem Kelch das Blut unter den Wunden der Hände Jesu auffangen, halten den Vorhang an den Seiten. Auf dem Altar im linken beziehungsweise nördlichen Seitenschiff steht auf einem reich verzierten Sockel eine von Mathias Obermayr aus einem einzigen Stück Lindenholz gefertigte Pietà. Mit dem toten Sohn im Schoß weist die Mutter Jesu mit dem linken Arm nach oben und schaut offenbar klagend und fragend zum Himmel.[2]
Es wird angenommen, dass auch die Madonna mit Kind und „Christus in der Rast“ in den vorderen Arkaden links und rechts Werke Mathias Obermayrs sind. Die Madonna steht in einem im Stil des Rokoko gestalteten Gehäuse; sie trägt eine Krone, darunter einen kurzen silberfarbenen Schleier und auf dem rechten Arm hält sie den Jesusknaben. Der Landshuter Kunsthistoriker Dr. Otto Schmidt hält es für möglich, dass Obermayr die Statue nach dem Vorbild einer Wallfahrtsmadonna aus der Umgebung schnitzte, ohne sie jedoch nennen zu können. Auf einer Konsole in der rechten Arkade ist Jesus auf einem Stein sitzend dargestellt, erschöpft, mit Dornenkrone, den Kopf in die rechte Hand gestützt und zum Spott mit einem Purpurmantel bekleidet, wie es im Evangelium (Mk 15,16–18 ) beschrieben ist. In der Kunst wird diese Darstellung auch als „Christus im Elend“ bezeichnet.[2]
Orgel
Die Orgel mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 1999 von Christoph Kaps als restaurierender Neubau im Gehäuse aus dem 18. Jahrhundert geschaffen. Das Werk löste ein Instrument von Ludwig Edenhofer aus dem Jahr 1908 ab.[3]
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II. Niederbayern. Deutscher Kunstverlag, München 2008, S. 398–399 (dehio.org).
Weblinks
- Homepage der Pfarreiengemeinschaft Kirchroth – Kößnach – Pfaffmünster
- Hans Agsteiner: Die ehemalige Chorherren-Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Tiburtius. In: Heimatgeschichte Steinach
- Hans Agsteiner: Größter Tiburtius-Gemäldezyklus der Welt in Münster. In: Heimatgeschichte Steinach
Einzelnachweise
- ↑ a b Hans Agsteiner: Größter Tiburtius-Gemäldezyklus der Welt in Münster. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ a b Hans Agsteiner: Die ehemalige Chorherren-Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Tiburtius. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
- ↑ Orgeldatenbank Bayern online. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
Koordinaten: 48° 57′ 14,2″ N, 12° 34′ 20,2″ O