St. Theresia (Mülheim-Selbeck)

Die Selbecker Kirche St. Theresia von Avila ist eine römisch-katholische Kirche in Mülheim-Selbeck. Sie wurde zwischen 1890 und 1892 nach Entwürfen von Franz Schmitz errichtet.

Geschichte

Bau

Vor 1892, zwischen 1889 und Dezember 1891, wurden bereits Gottesdienste im damaligen Wirtshaus Plönes, der heutigen „Kastanie“, abgehalten. In dieser Zeit rief das erste Glöckchen zur Hl. Messe, das in einem Turm über dem Saal der Wirtschaft hing.[1]

Der starke industrielle Umschwung durch die Selbecker Erzbergwerke und der damit verbundene Zuzug von Bergleuten sorgte für die Planung einer katholischen Kirche. Graf Hubertus Spee zu Linnep schenkte das erforderliche Grundstück und der „Selbecker Bergwerksverein“ finanzierte den geplanten Kirchenbau.[2] Im Wandel der Zeiten wurden auch die Grenzen der Gemeinden oft verändert (s. Zwischen den Grenzen von Kirche und Staat). Am 27. Juni 1890 begannen die Bauarbeiten nach den Plänen des Straßburger Baumeisters Franz Schmitz. Am 8. September 1892 konsekrierte Kardinal Philipp Krementz die Selbecker Kirche.[1]

Neubau des Kirchturms

Am 5. Juni 1896 schenkte der Bergwerksdirektor Karl Forst der Gemeinde das Pastorat und die Küsterwohnung.[3] Im Spätsommer 1926 wurde die baufällige schlanke Kirchturmspitze durch die heutige ersetzt. Der Turm ist insgesamt 31 Meter hoch. Im gleichen Jahr erhielt das Dörfchen einen ersten Börsenschluss nach Mülheim und Düsseldorf.[1]

Kirchenrenovierung

Zu Weihnachten 1963 wurden Kirche und Pfarrhaus mit einer Ölheizung ausgerüstet, die jedoch in den Folgejahren zu einer starken Verschmutzung der Kirche führte. Das II. Vatikanische Konzil brachte nach 1965 auch für die Selbecker Kirche einige Veränderungen: Die Kommunionbank und die schöne Kanzel wurden entfernt.[1]

Das Schützenhaus wurde 1973 um das angrenzende Pfarrheim ergänzt, das auch größeren Veranstaltungen Platz bietet. 1977 entstand die neue Sakristei. Nach ihrer Fertigstellung wurde die Kirche von April bis Dezember 1978 komplett renoviert. Die Chorfenster (von 1981) konnten wieder eingebaut werden.[1] Bei dieser Gelegenheit konnte auch eine neue Heizungsanlage mit den dazugehörigen Lüftungsschächten eingebaut und dann der Keramikboden erneut verlegt werden. Während der Arbeiten wurde die Messe im Pfarrheim gelesen. Im Gewölbebereich fand man alte Ausmalungen, die von Georg Maul aus Köln restauriert und nach einem Wasserschaden 1988 von Hans Jungbecker aus Breitscheid nachgebessert wurden. Die klanglich und technisch defekte Pfeifenorgel mit 12 Registern wurde im Rahmen der Renovierung durch eine kleinere mit 6 Registern und Schleiflade von Romanus Seifert aus Kevelaer ersetzt.[1]

Mit der Konsekrierung des neuen Altares am 24. Oktober 1981 durch Weihbischof Wolfgang Große fanden die Restaurierungsarbeiten einen Abschluss.

Bauliche Veränderungen seit 1982

Die Installation einer Lautsprecheranlage (1982) sowie die Umgestaltung des Beichtstuhles in ein Beichtzimmer in der linken Nische des Kirchenschiffes (1983) ergänzten die baulichen Veränderungen im Schiff der Kirche, die seit September 1989 unter Denkmalschutz steht. Im Dezember 2009 finanzierte der Förderverein St. Theresia die Restaurierung des Hochaltars. Im Juni 2014 konnte eine neue Treppe zum Eingangsportal mit einem behindertengerechten Zugang von der Seite eingeweiht werden.

Architektur

Die hohe und schmale Saalkirche wurde aus braunen Backsteinen neogotischen Stil gebaut. Das Maßwerk der Fenster ist aus Tuffstein gefertigt.[4]

Ausstattung

Altar

Der Altar als Opfertisch für die Darbringung der Hl. Eucharistie und der Ambo als Ort der Verkündigung des Wortes Gottes sind Mitte der Kirche und aller Gottesdienste und haben eine besondere Bedeutung. Der Zelebrationsaltar ist ein Werk des Malers und Bildhauers Klaus Balke.[1] Die Mensaplatte besteht aus Blaustein. Auf dem Unterbau zeigt eine bemalte Leinwand die Darstellung der vier Wesen, wie sie im Buch Ezechiel und der Offenbarung des Johannes beschrieben werden (Ez. 1,5-10; Offb. 4,6-8). Ezechiel unterscheidet bei einer Gotteserscheinung vier Lebewesen, deren Gesichter Gottes Wesen kennzeichnen: Der Mensch als Bild der Vernunft bezeichnet die Weisheit Gottes, der Löwe seine Hoheit, der Stier seine Kraft, der Adler versinnbildlicht die schützende Macht Gottes. Bei der Darstellung des viergesichtigen Lebewesens war Ezechiel wohl von den Gestalten der babylonischen Götterwelt beeinflusst. Auch nach der Offenbarung des Johannes umstehen vier geheimnisvolle Lebewesen mit dem Aussehen eines Löwen, eines jungen Stieres, eines Menschen und eines Adlers den Thron Gottes. Ein Evangeliar aus dem 14. Jahrhundert gibt uns folgende Deutung, die sich in ähnlicher Form auch auf einem alten lydischen Marmorblock findet: „Die vier Wesen versinnbilden Christus den Herrn: Mensch ist er in der Geburt, Stier im Opfertod, Löwe im Auferstehen und Adler durch seine Himmelfahrt.“ Im Laufe der christlichen Geschichte werden dann die vier Wesen als Symbole für die Vier Evangelisten genommen: Mensch (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes).

Fenster

Chorfenster

Die fünf bunten Chorfenster stammen aus dem Jahr 1891.[1] Das mittlere Fenster stellt die heilige Familie bei der Arbeit dar, der jugendliche Jesus fertigt ein Kreuz – ein Idealbild an Familiensinn und Fleiß. Das Fenster wurde von Graf Hubertus von Spee gestiftet, dessen Familienwappen es trägt. Daneben steht das Wappen der Familie seiner Frau (von Papen). Im Fenster links davon sind die beiden Pfarrpatroninnen zu sehen: die Hl. Theresia als junge Karmelitin mit den Attributen Buch und flammendes Herz; die Hl. Barbara mit Kelch und Turm. Barbara zu Füßen ist das Wappen Karl Forsts zu sehen, der das Fenster stiftete, daneben das Wappen der Familie seiner Mutter (Sandt).[2] Das rechte Chorfenster enthält ein Kuriosum. Es zeigt das Rosenwunder der Hl. Elisabeth und den heiligen König Eduard mit dem Ring. Unter dem Hl. Eduard steht jedoch die (falsche) Inschrift „Sante Bernhard“. Dies ist jedoch nicht der einzige Fehler dieses Fensters. Das Wappen unter der Hl. Elisabeth ist das des Stifters Eduard Dahmen, jedoch müsste der Turm nicht Gold auf Silber, sondern richtigerweise Silber auf Schwarz sein. Daneben steht das Wappen Kölns, der Heimatstadt des Stifters.[2]

Fenster im Kirchenschiff

Die 1979 von dem Künstler Nikolaus Bette, Essen, entworfenen und von der Firma Herbert Koll, Bottrop, ausgeführten Fenster im Kirchenschiff zeigen eine apokalyptischen Vision des Hl. Johannes vom Gläsernen Meer, den vier Wesen und den sieben Plagen.

Im Gegensatz zu den Fenstern im Chorraum und der Ausmalung der Kirche hat der Künstler mit glasmalerischen Mitteln und Formen sparsam und zurückhaltend gearbeitet. Die vertikalen und horizontalen Linien, verbunden mit dem Weiß der Fenster, sollen die Assoziation von Wasser, Wolken und Himmel schaffen. Zweimal sah Johannes in der Apokalypse das Gläserne Meer. Die Fenster auf der linken Seite im Kirchenschiff stellen die erste Version der Herrlichkeit Gottes und der vier Wesen dar. „Vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen vorn und hinten. Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das Vierte glich einem fliegenden Adler. Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen.“ „Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes.“ (Offb. 4,6-8 und 4,5). Die sieben Feuerschalen, Symbol für die sieben Geister Gottes und der vier Wesen, sind in dem großen Fenster im Bereich des Sternengewölbes auf der linken Seite zu sehen.

Im weiteren Verlauf der linken Fenster sind die 24 Ältesten mit den Symbolen der 24 Harfen dargestellt. Diese Darstellung entspricht den Bibelstellen Offb. 4,9-10 und 5,8. Auf der rechten Seite ist die zweite Stelle aus der Apokalypse, nämlich die der Schalenvision, dargestellt (Vgl. Offb. 15,1-2 und 5-8). Ein kurzes Zitat mag den Symbolgehalt verdeutlichen: „Und eines der vier Lebewesen reichte den sieben Engeln sieben goldene Schalen; sie waren gefüllt mit dem Zorn des Gottes, der in alle Ewigkeit lebt. Und der Tempel füllte sich mit dem Rauch der Herrlichkeit und Macht Gottes. Niemand konnte den Tempel betreten, bis die sieben Plagen aus der Hand der sieben Engel zu ihrem Ende gekommen waren.“ Im Hauptfenster im Bereich des Sterngewölbes auf der rechten Seite ist der erste Engel dargestellt, der seine Plage über die Menschheit gießt; links und rechts befinden sich die Engel mit der zweiten und dritten Plage. Im weiteren Verlauf der Fenster sind die übrigen vier Engel mit ihren Zornesschalen symbolisiert.[1]

Glocken

Im Jahre 1892 bestellte Pfarrer Eitel von Mintard zwei Bronzeglocken für die St.-Theresia-Kirche in Selbeck bei der Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen.[5][6][7] Im Sommer 1892 erhielt die neue Kirche zwei neue Glocken. Die größere Glocke – gestiftet vom Bergwerksdirektor Karl Forst – klingt im Ton „gis“ und trägt auf der einen Seite das Bildnis der Hl. Theresia, deren Namen sie auch trägt, auf der anderen Seite ist das Wappen Karl Forsts zu sehen.

Die kleinere Glocke war nach der zweiten Pfarrpatronin, St. Barbara, benannt, deren Bildnis sie trug. Daneben war das Symbol der Bergleute – Schlegel und Eisen – zu sehen. Die Glocke klang im Ton „h“. 1918 wurde jedoch die Barbaraglocke beschlagnahmt und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Als Ersatz wurde 1925 eine neue Glocke beschafft und nach dem Hl. Jakobus benannt. Sie klingt im Ton „c“. Die Inschrift lautet: „Für Barbara im Krieg verloren, ward St. Jakobus auserkoren, zu künden für der Freud' und Leid dass all' sie ruf zur Seligkeit!“[1]

Im Jahr 1942 schienen auch die Schläge der Theresienglocke gezählt zu sein.[1] Die alte Glocke wurde abtransportiert, obwohl Pfarrer Schäfer mit der Begründung, die Glocke diene auch zur Sturm- und Feuerwarnung, zunächst bei den Behörden einen Aufschub der Beschlagnahme erwirkt hatte. Glücklicherweise blieb die Glocke jedoch erhalten. Sie wurde nach dem Krieg auf dem „Hamburger Glockenfriedhof“ wiedergefunden und zum Patronatsfest am 16. Oktober 1949 nach Selbeck zurückgeführt. Seitdem befindet sie sich an ihrem alten Platz im Kirchturm.

Orgel

Vier Jahre nach der Konsekrierung wurde im Jahr 1896 die damalige mechanische Pfeifenorgel von der Firma Fabritius, Kaiserswerth, geliefert, die erst 1938 durch einen Umbau elektrisch betrieben werden konnte und über zwölf Register verfügte.[1] Diese Fabritius-Orgel, die auf den oberen Gehäusefeldern mit filigranen Schnitzereien verziert war, hat bis zu ihrer Reparaturfälligkeit die Gemeinde zu allen Gottesdiensten im Kirchenjahr begleitet. Bei der Renovierung der Kirche stellte sich jedoch heraus, dass sich eine Reparatur der angegriffenen Orgel nicht mehr gelohnt hätte. Sie wurde abgebaut. Im Pfarrheim (dem heutigen Bürgersaal) erinnern noch einige Pfeifen und Verzierungen an die Zeit dieses Instrumentes. 1979 übernahm die Gemeinde eine kleinere Orgel mit nur sechs Registern und Schleiflade. Die neue Orgel stammt von der Firma Romanus Seifert in Kevelaer.[1] Bis auf den heutigen Tag scheiterte die Anschaffung eines größeren, leistungsfähigeren Instrumentes an der Finanzsituation der kleinen Gemeinde.

Geschichte der Kirchengemeinde

Die Gemeinde St. Theresia, so wie sie sich heute darstellt, bestand in dieser Form nicht von Anfang an. Bis 1927 gehörte die Gemeinde St. Theresia Selbeck-Breitscheid zu Mintard und wurde von einem Pfarr-Rektor geleitet. Bereits 1920 bemühten sich die Selbecker um eine Auspfarrung.[1] Die Gemeinde wurde jedoch erst 1927 selbständig. Die Grenzen der neuen Pfarre entsprachen denen der damaligen politischen Gemeinde Selbeck-Breitscheid, mit Ausnahme von Schloss Linnep, das auf Wunsch der Grafen von Spee bei der Gemeinde St. Laurentius, Mintard, verblieb. Am 1. August 1929 wurde Selbeck von der Stadt Mülheim an der Ruhr eingemeindet. Die Pfarre St. Theresia bestand nun aus Mülheim-Ruhr-Selbeck und dem weiterhin beim Angerland verbleibenden Breitscheid und gehörte zum Dekanat Ratingen im Erzbistum Köln.[8] Als am 1. Januar 1958 das Bistum Essen errichtet wurde, hatte dies für die Gemeinde schwerwiegende Folgen. Als Ortsteil Mülheims kam Selbeck zum neuen Bistum Essen, Breitscheid blieb beim Erzbistum Köln. Die kleine Pfarre wurde geteilt. Die Restgemeinde befand sich nun in einem Zustand, der kaum als lebensfähig bezeichnet werden konnte. Daher besann man sich auf einen Gedanken, den Pfarrer Schmalen schon 1920 geäußert hatte. Im April 1969 wurde – zunächst gegen Proteste der betroffenen Einwohner – ein Gebietsteil der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt, Saarn, in die Gemeinde umgepfarrt.[1]

Zum 1. Dezember 2006 wurde die Umstrukturierung der Pfarren im Bistum Essen aufgrund der finanziellen Engpässe im Bistum umgesetzt und es wurden in Mülheim drei Pfarreien benannt (St. Barbara, St. Maria Geburt und St. Mariä Himmelfahrt), an die die nahe gelegenen Kirchen angegliedert wurden. St. Theresia gehörte nun als Filialkirche zur Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt, die nun 22000 Katholiken umfasste.

Commons: St. Theresia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o unbekannt: Festschrift der Kirchengemeinde: „100 Jahre Kirche St. Theresia, Mülheim-Selbeck“. Hrsg.: unbekannt. Mülheim Selbeck.
  2. a b c Carl Forst: Beschreibung der Wohlfahrtseinrichtungen des Selbecker Bergwerksvereins. Köln 1889.
  3. unbekannt: Festschrift: 100 Jahre „Schule an der Karl-Forst-Straße“. Hrsg.: unbekannt. Mülheim Selbeck 1993.
  4. Bekenntnis zu Gott in der Welt aus Tuff und Backstein, WDR, 12. Mai 2016, abgerufen am 20. November 2025
  5. F. Otto: Abrechnungs- und Kassenbuch. Hemelingen 1892.
  6. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbesondere S. 506.
  7. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbesondere S. 473, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  8. Manfred Buer: Die Quecke. In: Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Nr. 79. Breitscheid 2009.

Koordinaten: 51° 22′ 3,8″ N, 6° 51′ 39,8″ O