St. Stephan (Gallenbach)
Die katholische Pfarrkirche[1] St. Stephan in Gallenbach, einem Stadtteil von Aichach im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts als barocker Saalbau an die Stelle einer mittelalterlichen Chorturmkirche gesetzt. 1910/11 folgte eine Verlängerung nach Westen und eine Umgestaltung im neubarocken Stil, die reiche Ausstattung stammt vermutlich aus Säkularisationsgut und gelangte erst im frühen 19. Jahrhundert nach Gallenbach. Schutzpatron ist der heilige Stephanus, der das Martyrium der Steinigung erlitt und als erster Märtyrer verehrt wird. Das Gotteshaus gehört zu den geschützten Baudenkmälern in Bayern.[2]
Geschichte
Eine erste Kirche wurde in Gallenbach vermutlich bereits Ende des 8. oder in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet. In dieser Zeit entstanden auch die dem heiligen Stephanus geweihten Kirchen in Kissing und Obergriesbach. Die Pfarrei Gallenbach wurde 1333 erstmals schriftlich erwähnt. Über das Aussehen der Vorgängerbauten der heutigen Kirche ist nichts bekannt.
1704, während des Spanischen Erbfolgekrieges, wurde die Gallenbacher Kirche niedergebrannt. Bereits ein Jahr später ließen die damaligen Patronatsherren, der Komtur der Deutschordenskommende Blumenthal und der Prälat des Klosters Indersdorf, das Gebäude wieder aufbauen. 1720 musste der einsturzgefährdete Turm erneuert werden.
Architektur
Ein geschwungenes Pyramidendach krönt den über quadratischem Grundriss errichteten Glockenturm an der Ostseite der Kirche. Der Chor ist leicht eingezogen und außen rechteckig, innen dreiseitig geschlossen. Das Kirchenschiff wird von einem steilen Satteldach bedeckt. Das Langhaus ist in fünf Achsen mit hochovalen Fenstern gegliedert, und die sich im Westen anschließende Empore wird von kleineren, querovalen Fenstern beleuchtet. Das Vorzeichen an der Westfassade führt in den flach gedeckten Innenraum.
Stuck
Anlässlich der Verlängerung des Langhauses wurde der Innenraum mit neubarockem Stuckdekor ausgestattet. Medaillons mit blumenkranzverzieren Stuckrahmen enthalten die Namen Joseph und Maria, ein anderes Medaillon zeigt die Dornenkrone und das Herz Jesu im Strahlenkranz, und auch das Stuckmedaillon im Chor wird von einem Strahlenkranz umgeben. Die Stuckkartusche am Scheitel des Chorbogens mit der Inschrift „Deus Caritas est“ (Gott ist die Liebe) und der Jahreszahl „MMVI“ erinnert an die Renovierung der Kirche 2006. Die geschweifte Brüstung der Orgelempore, gleichfalls mit einer Stuckkartusche verziert, trägt folgende Inschrift: „Wie lieblich sind deine Wohnungen o Herr der Heerscharen“. Auch die Fensterlaibungen wurden mit Rosetten und pflanzlichen Motiven stuckiert.
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Empore
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Stuckmedaillon Maria
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Stuckmedaillon mit Herz-Jesu-Darstellung
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Stuckmedaillon Joseph
Ausstattung
Um 1760/70 wurden Hochaltar und die beiden Seitenaltäre im Stil des späten Rokoko geschaffen. Das Hochaltarblatt stellt den Schutzpatron der Kirche dar, den heiligen Stephanus, flankiert von Figuren des heiligen Leonhard und des heiligen Ulrich. Die beiden Schnitzfiguren auf dem Altartisch zeigen den heiligen Stephanus, der ein Buch in der Hand hält, auf dem die Steine seines Martyriums liegen, und den heiligen Laurentius mit seinem Attribut, dem Feuerrost. Das Altarblatt des nördlichen Seitenaltars mit der Darstellung der Maria Immaculata wird – wie das Altarblatt des südlichen Seitenaltars, das sich den Vierzehn Nothelfern gewidmet – in die Zeit um 1730/40 datiert.
Das große Kruzifix mit der Schmerzensmutter stammt aus dem Spätbarock um 1740/50. Spätbarock sind auch die beiden sich im Langhaus gegenüberstehenden Skulpturen des heiligen Georg und des Apostels Petrus. Eine Prozessionsstange aus derselben Zeit ist mit einer Madonna im Strahlenkranz versehen. Die fünf Medaillons im Rosenkranz erinnern an die Wundmale Christi.
Die geschnitzten Heiligenfiguren stellen Josef von Nazaret, Wendelin und Johannes Nepomuk sowie Sebastian und Ottilie dar und datieren aus dem späten Rokoko um 1760/70. Die in Öl auf Holztafeln gemalten Brustbilder der zwölf Apostel in Chor und Langhaus wurden um 1770/80 gestaltet. Die Kanzel und das aus Holz geschnitzte Taufbecken sind neubarocke Schöpfungen aus der Zeit der Kirchenerweiterung von 1910/11. Die Wangen der Kirchenbänke aus dem 18. Jahrhundert wurden bei Neuanfertigung des Kirchengestühls 1977 zum großen Teil wiederverwendet.
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Madonna im Strahlenkranz
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Heiliger Wendelin
Literatur
- Georg Dehio (neubearbeitet von Bruno Bushart und Georg Paula): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Kunstdenkmäler Bayern III: Schwaben. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1989, ISBN 3-422-03008-5, S. 604–605.
- Ursula Schädler-Saub: Katholische Pfarrkirche St. Stephan in Gallenbach. Gallenbach 2013.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Kirchenrundgang Sankt Stephan Gallenbach Kath. Pfarramt Mariä Himmelfahrt
- ↑ Denkmalliste für Aichach (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-7-71-113-64
Koordinaten: 48° 26′ 3,1″ N, 11° 9′ 0,4″ O