St. Peter und Paul (Berßel)

Die Kirche St. Peter und Paul ist ein evangelisches Kirchengebäude im Ortsteil Berßel der Stadt Osterwieck im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Es gehört zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und ist Teil des Kirchenkreises Halberstadt.

Lage

Die Kirche befindet sich im historischen Ortskern von Berßel an der Langen Straße (Hausnummer 10). Sie liegt auf einer kleinen Anhöhe und ist von einem Kirchhof umgeben, auf dem sich einige ältere Grabsteine befinden. Die Gemeinde gehört zum Evangelischen Kirchengemeindeverbund Berßel/Schauen im Kirchenkreis Halberstadt.[1]

Geschichte

Die Kirche wurde erstmals im Jahr 1119 in einer Urkunde des Benediktinerklosters Ilsenburg erwähnt.[2] Damit gehört sie zu den ältesten urkundlich belegten Gotteshäusern im nördlichen Harzvorland.

Der Westturm dieses romanischen Bauwerks ist erhalten. Der Chorbau stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und trug ursprünglich die Jahreszahl 1488 am Portal.[3] Um das Jahr 1688 wurde das verfallene Gebäude auf Kosten der Adelsfamilie von Rössing neu aufgebaut, wobei es als bemerkenswert gilt, dass man sich dennoch für den gotischen Stil entschied. Die Kirche erhielt dabei Altar, Kanzel, Orgel und Taufstein.[4][2] In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrfach instand gesetzt und angepasst, wobei der historische Kern erhalten blieb.

Architektur und Ausstattung

Der älteste Teil der Kirche ist der romanische Westturm über quadratischem Grundriss, der sich zum Kirchenschiff mit einem großen Rundbogen im Untergeschoss öffnet, an dem sich bis ins 19. Jahrhundert Kämpfer befanden. Sein schiefergedeckter Spitzhelm ist in barocker Zeit hinzugekommen. Der aus Bruchsteinmauerwerk errichtete, fünfseitig geschlossene, gotische Chor wurde vermutlich 1688 mit umgebaut, da eine Inschrifttafel an der Südostseite des Chors von dem Wiederaufbau der Kirche berichtet und die Jahreszahl am Portal in 1688 abgeändert wurde. Das östliche Chorportal wurde gotisch mit Stabwerk und einem Vorhangbogen verziert. Die spitzbogigen Fenster der Kirche sind zweigeteilt.[5][3]

Das Schiff wurde beim Umbau innen in schlichter barocker Form gestaltet. Die hölzerne Flachtonne zeigt Gottvater und Christus sowie Engel mit Leidenswerkzeugen. Der Altaraufsatz stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Sein großer zweigeschossiger Säulenaufbau trägt Gemälde des Abendmahl Jesu, der Kreuzigung und der Grablegung. Auf dem Gebälk finden sich Engel mit den Symbolen der Dreieinigkeit. Die Kanzel ist reich geschnitzt und zeigt Mose als Trägerfigur sowie am Kanzelkorb Christus, Maria und die vier Evangelisten. Auf der Westempore findet sich eine Orgel von Ernst Röver, die die Breite des Schiffs ausfüllt und einen reichgestalteten Prospekt aufweist. Verziert ist sie mit Ornamenten (Akanthus), bekrönt wird die Orgel von musizierenden Engeln und zudem finden sich an ihren Türmen die Wappen derer von Rössing und von Kniestedt. In der Kirche stehen auch zwei Epitaphe derer von Rössing aus den Jahren 1642 bzw. 1707, auf denen sich Wappen und kriegerische Embleme finden.[5] Der in der Sakristei in die Wand eingelassene Grabstein mit der Darstellung einer Frauengestalt wird von den Wappen der Familien von Rössing und von Behr flankiert. Er erinnert an Catarina geb. von Behr, die Ehefrau des 1616 verstorbenen Julius Heinrich von Rössing († 1616).[2]

Die Kirche steht unter Denkmalschutz und ist als Baudenkmal mit der Erfassungsnummer 094 02702 im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt registriert.[6]

Literatur

Commons: St. Peter und Paul (Berßel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Evangelischer Kirchgemeindeverbund Berßel/Schauen – Kirchenkreis Halberstadt
  2. a b c Heimatstube Berßel: Berßeler Geschichte(n): Die Kirche St. Peter und Paul. Geschichte(n) eines Gotteshauses. In: IlseZeitung. Amtliches Mitteilungsblatt der Stadt Osterwieck Nr. 116 (Juli 2017) (PDF; 7,2 MB).
  3. a b Doering: Die Kreise Halberstadt Land und Stadt, S. 22.
  4. Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt II, S. 98: „ein interessantes Beispiel nachlebender Gotik“.
  5. a b Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt II, S. 99.
  6. Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung. (PDF) 19. März 2015, abgerufen am 31. Oktober 2025 (9,9 MB; Anfrage der Abgeordneten Olaf Meister und Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) – Kleine Anfrage 6/8670; Drucksache 6/3905 – Antwort durch das Kultusministerium – betrifft: Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt – siehe PDF-Seite 2010).

Koordinaten: 51° 57′ 19,5″ N, 10° 45′ 17,4″ O