St. Pankratius (Fuhrbach)
St. Pankratius ist die römisch-katholische Kirche in Fuhrbach, einem Ortsteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen im Südosten von Niedersachsen. Die nach dem Heiligen Pankratius benannte Kirche gehört als Filialkirche zur Pfarrei ist St. Sebastian mit Sitz in Rhumspringe im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim. Die Kirche hat als Baudenkmal die ID-Nr. 35199366.[1]
Geschichte
Um 1300 war Fuhrbach Sitz einer Pfarrei und verfügte über eine Kapelle. Um 1379 wurde in Fuhrbach die erste Kirche erbaut. 1565 wurde die Kirche umgebaut oder durch einen Neubau ersetzt. Darauf verweist ein Stein, der mit der Jahreszahl 1565 versehen ist und beim 1873 erfolgten Abriss der vorherigen Kirche gefunden wurde. Das 1722 erbaute Kirchenschiff dieser 1873 zugunsten des heutigen Gotteshauses abgerissenen Kirche war aus Feldsteinen erbaut und im oberen Bereich in Fachwerk ausgeführt. Ihr massiv gemauerter Chor dürfte älter als das Kirchenschiff gewesen sein, da er in einer 1861 erstellten Beschreibung der Kirche als „alte Bausubstanz“ bezeichnet wurde. Der Zugang zu dieser Kirche erfolgte von der Südseite. Die Kirche wurde durch je zwei Rundbogenfenster an der Südseite des Kirchenschiffes und im Chor belichtet. Das Kirchenschiff wurde von einer flachen Holzdecke abgeschlossen, der Chor von einem gemauerten Gewölbe. Das Altarbild zeigte die Kreuzigung Christi, eingerahmt von Bildern der Apostel Petrus und Paulus.
Von 1811 bis 1877 hatte sich die Einwohnerzahl von Fuhrbach verdoppelt. 1837 begannen die Bemühungen für den Bau einer neuen Kirche, die 1868 intensiviert wurden. 1872 erstellte der Architekt Anton Algermissen erste Pläne dafür, im Mai 1873 bekam er den Auftrag für den Bau. Die Grundsteinlegung fand am 13. Juli 1873 statt, und am 13. September 1874 folgte die Benediktion der Kirche durch Anton Paasch (1816–1898), den bischöflichen Kommissarius des Untereichsfeldes. Die bischöfliche Kirchweihe nahm am 22. Juni 1876 Bischof Daniel Wilhelm Sommerwerck vor.
1899 wurde der Chor durch den Kirchenmaler Arthur Krumpipen aus Duderstadt malerisch gestaltet. Zwischen 1928 und 1930 nahm der Kunstmaler Walter Klocke aus Gelsenkirchen eine malerische Neugestaltung des ganzen Kircheninnenraumes vor, die ähnlich der Beuroner Kunstschule ausgeführt wurde und im Rahmen der Innenraumrenovierungen in den Jahren 1958/59 und 1974/75 wieder vollständig entfernt wurde. 1989 erhielt der Innenraum der Kirche seine heutige farbliche Gestaltung, die sich an der ursprünglichen Malerei orientiert, ohne diese jedoch zu rekonstruieren.
1956 wurde am Standort eines hölzernen Glockenstuhls, in dem eine Glocke hin, der heutige Kirchturm errichtet. Gemäß der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgte 1975 durch Hanns Joachim Klug eine Umgestaltung des Altarraumes, vor den historischen Hochaltar wurde ein Volksaltar gestellt.
Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Pfarrei Duderstadt-Fuhrbach, St. Pankratius zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[2] Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Sebastian mit Sitz in Rhumspringe, die Pfarrei St. Pankratius, Duderstadt-Fuhrbach wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.[3]
Der 2008 gegründete Förderverein St. Pankratius unterstützt den Erhalt der Kirche und das katholische Leben in Fuhrbach.
Lage, Architektur und Ausstattung
Die geostete Kirche steht in der Ortsmitte von Fuhrbach auf einer Anhöhe auf dem Grundstück Am Turm 2.
Die dreischiffige Kirche entstand nach den Plänen des Architekten Anton Algermissen aus Hildesheim als neuromanische Basilika. An den aus bräunlichen Buntsandstein-Quadern errichteten Außenwänden, die auf einem Sockel aus Bruchsteinen stehen, findet man, ähnlich anderen neuromanischen Kirchen des Untereichsfelds, unterhalb der Traufe einen Blendbogenfries.
Der vom ortsansässigen Baumeister Wilhelm Reimann an der Südseite der Kirche zugefügte, verputzte Turm im schlichten Stil der Nachkriegszeit steht auf einem quadratischen Grundriss und ist mit einem Zeltdach abgeschlossen, das von einem Kreuz bekrönt wird.
Die Buntglasfenster wurden 1909 von der Glasmalereiwerkstatt Henning & Andres aus Hannover angefertigt. Sie bilden im Bereich des Chors Szenen aus dem Leben Jesu ab. An den Fenstern des Langhauses dagegen tragen sie lediglich farbige Ornamentrahmen.
Der Innenraum wird von einer flachen Holzdecke abgeschlossen. Die dekorative Wandgestaltung ist das prägende Element des Innenraumes. An den Innenflächen der Arkadenbögen, den Fenstergewänden und am Chorgesims sind Blüten- und Blattrankenfriese und geometrisch angeordnete Bänder in den Farben Ocker, Gelb und Hellblau zu sehen. Die Seitenschiffe sind vom Mittelschiff durch Arkaden auf dorischen Säulen mit Würfelkapitellen abgetrennt. Unter den Arkaden sind Statuen von Maria mit ihrem Unbefleckten Herzen und Jesus mit seinem Heiligsten Herzen platziert.
Bis heute haben sich viele Exponate der ursprünglichen Innenausstattung erhalten. Das Kirchengestühl, der Taufstein, der Hochaltar und ein Nebenaltar stammen noch aus der Anfangszeit der Kirche. Die aufwendig gestaltete Kanzel, die mit Darstellungen der Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus versehen war, ist nicht mehr erhalten. Der Hochaltar von 1874 im neuromanischen Stil ist ein Werk des Bildschnitzers Carl Oppermann (1839–1919) aus Duderstadt, der 1874 auch den Nebenaltar (Marienaltar) schuf. Die Reliefdarstellungen am Hochaltar links und rechts vom Kruzifix zeigen Szenen aus dem Alten Testament: Das Opfer Melchisedeks und das Opfer Abrahams. Der Josephsaltar wurde 1930 zugefügt, sein Altarbild ist ein Werk des Kunstmalers Walter Klocke. Die Statue des heiligen Pankratius, des Schutzpatrons der Kirche, stammt vom nördlichen Seitenaltar. Weitere Statuen in der Kirche sind Darstellungen der Heiligen Antonius von Padua und Judas Thaddäus sowie eine Fátima-Madonna.
Die Orgel ist ein Werk des Orgelbauers Louis Krell aus Duderstadt von 1895/96.[4]
Siehe auch
- Liste der Baudenkmale in Fuhrbach
- Liste der Kirchen im Eichsfeld
- Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim
- Pankratiuskirche
Literatur
- Maria Kapp: St. Pankratius in Fuhrbach. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 301–314.
- Rolf-Günter Lucke u. a.: Die Kirchen im Eichsfeld. Kirchen- und Kunstführer. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2011, S. 108 f.
- Ulrich Harteisen et al. (Hrsg.): Das Eichsfeld. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar 2018, ISBN 978-3-412-22539-1, S. 222 f.
- Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Verlag CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 192–193.
- Tassilo Bitzan: Die Kirche in Fuhrbach. In: Eichsfelder Heimatstimmen. Nr. 31, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1987, S. 60–65.
- Tassilo Bitzan: St. Pancratius Fuhrbach: 875 Jahre, Fuhrbach 1124–1999. Duderstadt 1999.
- Tassilo Bitzan: Die Glocken der Kirche zu Fuhrbach. In: Eichsfeld. Monatszeitschrift des Eichsfeldes. Nr. 37, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1993, S. 71–75.
- Tassilo Bitzan: St. Pankratius Fuhrbach. Geschichte der Ausmalungen. Die Kirche zu Fuhrbach nach der Neugestaltung des Innenraumes 1989. In: Eichsfelder Heimatstimmen. Nr. 34, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1990, S. 161 ff., 207–210.
Weblinks
- Kirche auf Internetpräsenz der Pfarrgemeinde
- Ansichtskarte mit Bild des Glockenstuhls aus der Zeit um 1900 Eichsfelder-Postkarten.online
- Ansichtskarte der Kirche in ursprünglicher Ausstattung aus der Zeit um 1925 Eichsfelder-Postkarten.online
Einzelnachweise
- ↑ Kath. St. Pankratiuskirche. Denkmalatlas Niedersachsen, abgerufen am 9. Januar 2026.
- ↑ Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36.
- ↑ Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Andreas, Rüdershausen, St. Johannes Bapt., Duderstadt-Hilkerode, St. Pankratius, Duderstadt-Fuhrbach, St. Laurentius, Duderstadt-Langenhagen, St. Georg, Duderstadt-Brochthausen und über die Zuweisung des Gebietes zur katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian, Rhumspringe. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 240–242.
- ↑ Kirchenorgeln im Eichsfeld. Freunde der Kirchenmusik im Eichsfeld e.V., abgerufen am 9. Januar 2026.
Koordinaten: 51° 31′ 50,3″ N, 10° 20′ 21″ O