St. Pankratius (Augsburg-Lechhausen)

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Pankratius steht in Lechhausen, einem Stadtteil von Augsburg. Das Bauwerk ist in der Liste der Baudenkmäler in Augsburg-Lechhausen als Baudenkmal unter der Nr. D-7-61-000-183 eingetragen. Kirchenpatron ist der hl. Märtyrer Pankratius, das Patronatsfest ist der 12. Mai.

Geschichte

Der heutigen Kirche gehen drei Vorgängerbauten voraus. Die Pfarrei wurde 1143 erstmals in einer Schenkungsurkunde des Augsburger Bischofs Walter I. erwähnt, der das Kirchenpatronat und den Kirchensatz von Lechhausen dem Augsburger Domkapitel inkorporierte. Als Stammpfarrei war der Pfarrsprengel früher bedeutend größer und umfasste ursprünglich die gesamte Ortschaft und umliegende Weiler. Da die Kapazitäten nicht mehr ausreichten, erfolgte von 1618 bis 1620 ein Neubau der zu klein gewordenen Kirche, die im Dreißigjährigen Krieg 1635 durch schwedische Truppen zerstört wurde. Darauf entstanden 1645 das Langhaus neu und bis 1699 ein im Unterbau quadratischer Turm mit oktogonalen Aufbau und einer Zwiebelhaube.[1] Als Vorbild diente der vom Baumeister Elias Holl errichtete Turm der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Oberhausen. Für die Finanzierung soll der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel die umliegenden Rentämter zur Beitragszahlung herangezogen haben.[2] Im Zuge der Säkularisation wurde das Domkapitel 1803 aufgehoben. In Folge fiel das Patronatsrecht an den bayerischen König.[3] Die heutige Basilika errichtete 1867 der Kreisbaubeamte Karl Friedrich Andreas Klumpp der Jüngere[4] im spätklassizistischen Baustil, angelehnt an die Schule des Architekten Friedrich von Gärtners,[5] dafür musste die Vorgängerkirche mit Ausnahme des Turms weichen.

Die Pfründestatistik der Diözese Augsburg beschrieb 1893 die Kirche zum hl. Märtyrer Pankratius in Lechhausen als dreischiffige Basilika mit fünf Altären, einem Pfarrhof, einem konfessionellen Gottesacker und zwei Schulen. Patronatsherr war damals der bayerische König. Die Seelenanzahl betrug 8851 Katholiken. 1500 Protestanten waren zur evangelischen Stadtpfarrkirche St. Jakob in Augsburg gepfarrt.[6] Prinzregent Luitpold von Bayern genehmigte am 14. Mai 1893 bei der katholischen Pfarrkirche von Lechhausen ein Benefizium der Privatiers-Eheleute Anton und Maria Behringer. Aus dem Stiftungskapital von 29.000 Mark, erhielt der Benefiziat ein Einkommen von jährlich 1302 Mark. Das Wohnverhältnis des Benefiziaten regelte dabei die Stiftungsurkunde vom 16. Februar 1893. Bei dem Benefizium trat das Kollationsrecht des Augsburger Bischofs in Kraft.[7] Der Chorflankenturm wurde, nachdem er sich zu neigen begann, ab 1910 abgebrochen und 1929 nach einem Entwurf von Albert Kirchmayer neu aufgebaut.

Nach der schweren Zerstörung bei den Luftangriffen auf Augsburg in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944[8] erfolgte von 1946 bis 1947 der Wiederaufbau in vereinfachter Form unter der Leitung des Architekten Alois Freilinger.[9] Von dem Vorgängerbau blieben nur die Langhaus-Außenmauern und der Turm mit intakter Zwiebelhaube stehen. Die ursprüngliche Ausstattung des 19. Jahrhunderts wurde durch den Brand vollständig zerstört, darunter der Choraltar, die hölzerne Kanzel, die Orgel und Fresken. Aktuell bilden St. Pankratius und Unsere Liebe Frau eine Pfarreiengemeinschaft.

Beschreibung

Ihr Langhaus besteht aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen. Im Osten des Mittelschiffs befindet sich der eingezogene, halbrund geschlossene Chor. An seiner Nordwand ist der Chorflankenturm, an seiner Südwand die Sakristei angebaut. Er erhielt achteckige Obergeschosse und wurde mit einer Zwiebelhaube bedeckt.

Literatur

  • Maria Gerstmeir: Augsburg-Lechhausen, Pfarrei St. Pankratius: Patrozinium : 12. Mai, Bistum Augsburg. Kunstverlag Peda Gregor e.K, 2018.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern III, Schwaben. Deutscher Kunstverlag, München 2008, S. 147.
  • 850 Jahre St. Pankratius Augsburg-Lechhausen: 1143 bis 1993. Kath. Stadtpfarramt St. Pankratius, 1993.
  • Pfarrei St Pankratius Augsburg-Lechhausen: St. Pankratius Augsburg-Lechhausen. Stadtpfarrei, 1983.
Commons: St. Pankratius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bayern Bd. 3: Schwaben. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 1. Januar 2024, S. 148.
  2. Helmut Rößle: Gotteshäuser im Bombenkrieg: die Zerstörung Augsburger Kirchen im Zweiten Weltkrieg. Regio-Akademica-Verlag, 2004, S. 40.
  3. Gerhard Hetzer: St. Pankratius. In: Stadtlexikon Augsburg. Wißner-Verlag, abgerufen am 28. Dezember 2025.
  4. Information zu Karl Friedrich Andreas Klumpp dem Jüngeren in Deutsche Biographie
  5. Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bayern Bd. 3: Schwaben. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 1. Januar 2024, S. 148.
  6. Jakob Hopp: Pfründestatistik der Diözese Augsburg. Dr. M. Huttler, 1893, S. 38.
  7. Ministerialblatt für Kirchen- und Schulangelegenheiten im Königreich Bayern. Kastner & Callwey, 1893, S. 116.
  8. Helmut Rößle: Gotteshäuser im Bombenkrieg: die Zerstörung Augsburger Kirchen im Zweiten Weltkrieg. Regio-Akademica-Verlag, 2004, S. 40.
  9. Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bayern Bd. 3: Schwaben. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 1. Januar 2024, S. 148.

Koordinaten: 48° 22′ 50,9″ N, 10° 55′ 9,8″ O