St. Michaelis (Lissa)
Die evangelische Kirche St. Michaelis ist eine im Kern romanische, gotisch vollendete Saalkirche im Ortsteil Lissa von Wiedemar im Landkreis Nordsachsen in Sachsen. Sie gehört zum Pfarrbereich Schenkenberg im Kirchenkreis Torgau-Delitzsch der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Geschichte und Architektur
Die Saalkirche mit wehrhaft wirkendem Querwestturm wurde in der Zeit um 1158 erbaut; der Chor stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Erneuerungen erfolgten im Jahr 1894, wobei die Portalvorhalle erbaut und die Ausstattung erneuert wurden; Restaurierungen fanden in den Jahren 1988–1990 im Innern und 1995 am Turm statt. Das Bauwerk ist ein verputzter Feldsteinbau mit Strebepfeilern, der dreiseitig geschlossene Chor ist mit kleinen Spitzbogenfenstern versehen. Die Sakristei ist an der Nordseite des Chores angebaut. Der Turm ist mit einer dünn überputzten Eckquaderung und rundbogigen Schallöffnungen versehen; in nicht ganz halber Höhe befand sich an der Ostseite ein Zugang; in dieser Höhe gab es innen ursprünglich einen Geschossboden. An der westlichen Südseite befindet sich eine kleine Spitzbogenpforte.
Das spätgotische, rippengewölbte Turmuntergeschoss ist durch einen Spitzbogen zum Saal geöffnet; der Saal ist mit einer kassettierten Holzdecke und mit eingeschossigen Holzemporen an drei Seiten versehen; die Brüstungsfelder zeigen geschnitztes Rankenwerk aus der Zeit von 1520. Am Triumphbogen zum Chor sind noch romanische Kämpfer mit Schachbrettmuster erhalten.
Der zweijochige Chor ist mit kräftigem, netzartigem Rippengewölbe geschlossen; die Rippen ruhen teils auf knolligen Blattkonsolen und einer kleinen Kopfkonsole; die Schnittpunkte sind mit Wappen verziert. Über dem Altar befindet sich ein Schlussstein als Dreipass mit dem Relief des Heiligen Michael als Drachentöter. Im Chor ist eine fialengerahmte Sakramentsnische mit rosettenverzierter Gittertür und einem Relief des Erzengels Michael in Sandstein aus der Zeit um 1450 erhalten. In der tonnengewölbten Sakristei finden sich eine Piscina sowie eine Sakramentsnische mit Vorhangbogen und einer Tür mit eisernem Bandgeflecht aus der Zeit um 1500.
Ausstattung
Die Ausstattung im Stil der Neugotik stammt einheitlich aus dem Jahr 1894. Eine romanische Sandsteintaufe des 13. Jahrhunderts ist in der Portalvorhalle erhalten. Dort befindet sich auch ein farbig gefasstes Sandsteinepitaph für Catherina Magdalena Sittig († 1670) mit einer großflächigen Draperie, darüber ein Hochrelief mit der Auferstehung Christi, ferner Engel mit Inschriftkartuschen.
Die Orgel ist ein Werk von Wilhelm Rühlmann aus dem Jahr 1894 mit zehn Registern auf zwei Manualen und Pedal[1], das nach einer Wiederherstellung im Jahr 2018 wieder eingeweiht wurde.[2]
Umgebung
In der Nähe (Stille Gasse 2) liegt das Pfarrhaus der Kirche mit der Jahreszahl 1729 (im Jahr 1887 verändert), ein zweigeschossiger Putzbau mit einem Sockel aus verputzten Bruch- und Feldsteinen; das Obergeschoss ist als verputzter Lehmbau mit Krüppelwalmdach ausgeführt.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 650–651 (dehio.org).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Werkverzeichnis der Firma Rühlmann
- ↑ Informationen zur Orgel in der LVZ vom 12. Oktober 2018. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
Koordinaten: 51° 29′ 51,6″ N, 12° 16′ 26,1″ O