St. Michael (Sprendlingen)

Die römisch-katholische Filialkirche St. Michael ist ein neugotisches Kirchengebäude in Sprendlingen, einer Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Die denkmalgeschützte[1] Kirche steht unter dem Patrozinium des Erzengels Michael und prägt zusammen mit der evangelischen Michaeliskirche das Ortsbild von Sprendlingen. Die Kirchengemeinde gehört zur Pfarrei Hl. Hildegard von Bingen, Rhein und Nahe in der Region Rheinhessen im Bistum Mainz.

Geschichte

Bereits vor dem Bau der heutigen Kirche existierte im Ort eine katholische Pfarrkirche, die unter dem Patrozinium des Erzengels Michael stand. Mit Einführung der Reformation in Sprendlingen im Jahr 1556 wurde die bestehende Kirche evangelisch, bevor sie ab 1698 als Simultankirche auch wieder von den katholischen Gläubigen im Ort genutzt wurde.[2] Auch ihr Nachfolgebau, die noch heute bestehende evangelische Michaeliskirche, wurde bis 1897[3] (bzw. 1887?)[4] als Simultaneum von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt.[3][4]

Die heutige katholische Kirche St. Michael wurde von 1899 bis 1900 im neugotischen Stil nach Plänen des Kölner Diözesanbaumeisters Heinrich Renard erbaut.[3][4] In den 1950er-Jahren wurde der Innenraum der Kirche im Stil der Nachkriegsmoderne umgestaltet, wovon noch heute seine schlichte Erscheinung zeugt.[4] Eine weitere umfassende Renovierung fand 1967 statt.[3]

Baubeschreibung

Die Kirche St. Michael ist eine im Stil der Neugotik errichtete, dreischiffige Staffelhalle mit seitlich angebautem Glockenturm, die von Osten (Turmfassade) nach Westen (Chor) ausgerichtet ist.[3] Die Turmfassade wird dominiert vom Glockenturm der Kirche im Nordosten, der das Langhaus deutlich überragt. Im Südosten schließt ein deutlich kleinerer Treppenturm die Ostfassade ab, dessen Höhe etwa der des Langhauses entspricht. Das Mittelschiff des Langhauses wird von einer Flachdecke überspannt, während Rippengewölbe die beiden Seitenschiffe im Norden und Süden sowie den Chor mit Fünfachtelschluss im Westen überziehen.

Ausstattung

Der Chorraum im Osten wird dominiert von drei modernen Buntglasfenstern, die zusammen das „Himmlische Gastmahl“ darstellen. Unterhalb der drei Fenster befindet sich ein ebenfalls modernes, friesartiges Wandgemälde, das den Kirchenpatron Michael zeigt, der die Seelen der Verstorbenen ins Himmelreich führt.[4]

Der moderne Kreuzweg von St. Michael wurde von der Benediktinerin E. Trost gestaltet.[4]

Orgel

Die heutige Orgel der Kirche wurde 1976 in Überlingen von Mönch Orgelbau für die katholische Kirche St. Elisabeth in Freiburg im Breisgau gefertigt. Nach Profanierung der Kirche im Jahr 2006 wurde das Instrument 2008 nach Sprendlingen überführt und in St. Michael wiederaufgebaut. Die Orgel verfügt über 20 Register mit insgesamt 1404 Pfeifen, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.[5]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal 8′
2. Rohrflöte 8′
3. Oktave 4′
4. Waldflöte 2′
5. Sesquialter II 223
6. Mixtur IV 113
7. Trompete 8′
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
8. Holzgedackt 8′
9. Harfpfeife 8′
10. Prinzipal 4′
11. Koppelflöte 4′
12. Superoktave 2′
13. Larigot 113
14. Scharff III 23
15. Dulzian 8′
Tremulant
Pedalwerk C–f1
16. Subbaß 16′
17. Praestant 08′
18. Gedackt 08′
19. Choralmixtur IV 04′
20. Fagott 16′
Commons: St. Michael – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Mainz-Bingen. In: gdke.rlp.de. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, 3. Dezember 2023, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  2. Sprendlingen/Rhh: Orts- und Kirchengeschichte. In: ev-michaelisgemeinde-sprendlingen.ekhn.de. Evangelische Michaelisgemeinde Sprendlingen, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  3. a b c d e Dominik Kasper: Katholische Pfarrkirche St. Michael in Sprendlingen. In: regionalgeschichte.net. Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz e.V., 22. August 2017, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  4. a b c d e f Sprendlingen. In: bistummainz.de. Katholische Kirchengemeinde Heilige Hildegard von Bingen, Rhein und Nahe, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  5. Freiburg, Kath. Pfarrkirche St. Elisabeth. In: moench-orgelbau.de. Mönch Orgelbau, abgerufen am 3. Dezember 2025.

Koordinaten: 49° 51′ 37,5″ N, 7° 59′ 2,9″ O