St. Maximilian (Augsburg)
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Maximilian, auch St. Max, vormals Franziskanerklosterkirche zum Heiligen Grab, ist eine Kirche im Dekanat Augsburg-Mitte, die zusammen mit St. Georg und St. Simpert eine Pfarrgemeinschaft bildet. Sie zählt zu den ersten Kirchen in Süddeutschland, die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurden. Die Kirche ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[1] Kirchenpatron ist der hl. Maximilian von Celeia. Das Patronatsfest ist der 12. Oktober.
Geschichte
Vorgängerbau
Bereits in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts existierte am sogenannten Weinmarkt (heute Maximilianstraße) in Augsburg eine Kapelle, die dem Heiligen Grab gewidmet war. Nach einem Tauschgeschäft zwischen dem Augsburger Domkapitel und der Stadt 1608 wurde das baufällige Kirchlein abgetragen. Reste des alten Gemäuers wurden in das von dem Stadtbaumeister Elias Holl 1611 errichtete reichsstädtische Kaufhaus (heute Ecke Maximilianstraße/Heilig-Grab-Gasse) mit einbezogen. Das kirchliche Baurecht sowie Patrozinium vom Heiligen Grab übertrug man auf den heutigen Standort der Kirche in der Jakobervorstadt. Als Ersatz erhielt die Franziskanerklosterkirche eine eigene Heilig-Grab-Kapelle (die im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde) auf der man das Benefizium der Heilig-Grab-Kapelle übertrug.[2] Das Grundstück war ein Geschenk der Fugger an den Franziskanerorden, der dort 1611 eine neue Kirche neben ihrem soeben gegründeten Franziskanerkloster Zum heiligen Grab errichten ließen. Die Pläne stammten wohl von Esaias Holl, einem Bruder von Elias Holl. Für die Baukosten kamen größtenteils die Söhne von Jakob III. Fugger auf, nämlich Georg Fugger, Johann Fugger der Ältere, Hieronymus und Maximilian Fugger. Die Weihe wurde am 26. Oktober 1613 vom Augsburger Bischof Heinrich von Knöringen vorgenommen, an der auch Prinzessin Maximiliana von Bayern teilnahm.[3]
Der neuen Kirche schenkte Prinzessin Maximiliana von Bayern eine kostbare Reliquie. Die gestiftete Monstranz soll ursprünglich aus dem Katharinenkloster Nürnberg stammen und nach dem es in der Reformationszeit aufgelöst wurde, mit den drei letzten Klosterschwestern, die Priorin Magdalena Holzschue, Cordula Knörr und Margaretha Binder nach München gekommen sein, wo sie kurz darauf der Prinzessin Maximiliana überlassen wurde. Die Renaissance-Monstranz von St. Max ist in Gold ausgeführt, besetzt mit 63 Edelsteinen und 30 großen Perlen und reich mit Opal- und Transparentemaille verziert.[4] Der Fuß wurde um 1895 ergänzt. Das Gefäß befindet sich heute als Leihgabe im Diözesanmuseum St. Afra.
Das noch erhaltene Hochaltarblatt Allerheilgen und die Krönung Mariens darstellend, schuf 1614 der Augsburger Künstler Johann Rottenhammer der Ältere. Eine Barockisierung von Kirche und Kloster erfolgte 1674. Um 1722 und Anfang des 19. Jahrhunderts fanden weitere Umgestaltungsmaßnahmen statt.[5] Von 1784 bis 1786 war Eulogius Schneider im Augsburger Franziskanerkonvent als Lektor tätig,[6] darauf wurde er 1786 unter Herzog Carl Eugen Hofprediger am württembergischen Hof.[7]
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1805 aufgehoben und bis 1808 vollständig geräumt. Die Kirche diente dann zeitweise als Salzlager und das Kloster als Kaserne. Am 19. Februar 1809 erhob König Maximilian I. Joseph die ehemalige Klosterkirche zur Pfarrkirche des Sprengels Jakobervorstadt. Vorher gehörte das Gebiet zur Dompfarrei.[8] Der Sprengel bildete sich teilweise aus der damals eingehenden Parochie von St. Stephan. Wohl auf Initiative seines Ministers Maximilian Graf von Montgelas wurde die Kirche 1810 unter das neue Patrozinium des Bischofs Maximilian von Celeia gestellt. Eine Figur des hl. Maximilian stiftete der König der Kirche persönlich.[9] Am 17. März 1883 genehmigte König Ludwig II. ein neues Benefizium bei der katholischen Stadtpfarrkirche St. Maximilian. Die Pfründe führte den Namen „Georg Nerlingerísches Benefizium“. Der gestiftete Betrag von 29.000 Mark und ein Baufonds in Höhe von 1.000 Mark waren zum Unterhalt des Benefizatenhauses bestimmt. Als Wohnung diente dem Benefiziaten ein Haus in der Blatterhausgasse.[10]
Zerstörung und Wiederaufbau
Bei den Luftangriffen auf Augsburg in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 wurden sowohl die Kirche als auch das ehemalige Klostergebäude nahezu vollständig zerstört. Die einst reiche Innenausstattung fiel den Flammen zum Opfer.[11] Lediglich wenige Kunstgegenstände – darunter mehrere Heiligenfiguren – konnten rechtzeitig ausgelagert und so gerettet werden. Während der Trümmerräumung stürzte am 11. Mai 1946 eine weitere Mauer ein.[11] Bei dem Vorfall kam laut Gedenktafel der damalige Stadtkaplan Wilhelm Kramer ums Leben, sowie als zweites Todesopfer der Baupolier Georg Fendt.
Für den Wiederaufbau blieben lediglich die westliche Giebelscheibe der Kirche sowie ein kleiner Teil des ehemaligen Klostergebäudes erhalten, der heute als Pfarrheim genutzt wird. Der Wiederaufbau erfolgte nach Plänen des Architekten Dominikus Böhm in vereinfachter Form – ohne die ursprünglich vorhandene Heilig-Grab-Kapelle. Teile der Bauarbeiten wurden von Mitgliedern der Pfarrgemeinde in Eigenleistung übernommen. Als Baumaterial dienten ausschließlich Mauersteine der zerstörten Kirche, wodurch die Baukosten auf 240.000 Mark begrenzt werden konnten. Im Oktober 1949 wurde das Richtfest gefeiert, und am 15. April 1951 konnte die neue Kirche feierlich geweiht werden.[11] Die Ausmalung der Kirchendecke und der Altäre übernahm anschließend der Kunstakademiedirektor Franz Nagel, während die Bildhauerarbeiten von Stephan Geiger stammen.
Zum Anlass des 400-jährigen Bestehens der Pfarrkirche feierte der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa am 27. Oktober 2013 in der Kirche einen Jubiläumsgottesdienst mit anschließenden Empfang.[12]
Architektur
Die westliche Giebelfassade der Kirche besitzt drei Fensterachsen. Auf einer Konsole erhebt sich ein oktogonaler Giebelturm von etwa 1650. Rechts vom Eingang ist ein kleiner Rundbau angebracht. Das Langhaus besitzt ein Tonnengewölbe.
Ausstattung
- Leinwandbild Allerheiligen mit der Krönung Mariens von 1614, ein Spätwerk des Malers Hans Rottenhammer des Älteren, diente zeitweise der Vorgängerkirche als Hochaltarblatt.[13]
- Schutzengelgruppe aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
- Muttergottesfigur der Skapulierbruderschaft aus versilberten und vergoldeten Kupfer
- Ecce-homo-Gruppe, um 1600
- Figur des hl. Sebastians, um 1630, wird Georg Petel oder Ferdinand Murmann zugeschrieben
- Kruzifix aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
- Figuren des hl. Ulrich und des hl. Nikolaus, stammen ursprünglich aus der Salvatorkirche[14]
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ehem. Altarbild Allerheiligen mit der Krönung Mariens
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Büste des hl. Antonius von Padua
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Ecce-homo-Gruppe
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Figur des hl. Sebastians
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Kruzifix
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Figur des hl. Ulrich
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Figur des hl. Nikolaus
Orgeln
Die dreimanualige Hauptorgel mit 47 Register ersetzte die im Krieg untergegangene Bohl-Orgel. Die aktuelle Hindelang-Orgel von 1952 ist derzeit nicht spielbar und bereits teilweise abgebaut. 1986 baute Max Offner eine einmanualige Chororgel mit acht Registern. Dieses Instrument dient heute zur musikalischen Ausgestaltung der Gottesdienste.
Literatur
- Melanie Thierbach: Barfuß vor St. Max von der Klosterkirche der Franziskaner zur Pfarrkirche St. Maximilian; Katalog zur Sonderausstellung im Diözesenmuseum St. Afra, 18. Oktober 2013 – 12. Januar 2014, Wißner-Verlag; 1. Edition, 2013
- Helmut Rößle: Kath. Pfarrkirche "St. Maximilian" In: Gotteshäuser im Bombenkrieg – Die Zerstörung Augsburger Kirchen im Zweiten Weltkrieg. Regio Akademica Verlag, Druck: Kessler Verlagsdruckerei Bobingen, Augsburg 2004, S. 36–37
- Karlheinz Hemmeter: Bayerische Baudenkmäler im Zweiten Weltkrieg. Verluste - Schäden - Wiederaufbau, München 1995, S. 27.
- Hugo Schnell: St. Maximilian Augsburg, Verlag Schnell & Steiner, 1960
Weblinks
- Internetauftritt der katholischen Pfarrei St. Maximilian in Augsburg
- Weiterführende Informationen zur Kirche
Einzelnachweise
- ↑ Denkmalliste für Augsburg (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-7-61-000-236
- ↑ Sion. Eine Stimme in der Kirche unsere Zeit. Katholische Kirchenzeitschrift. Kollmann, Augsburg 1872, S. 822.
- ↑ Alfred Schröder: Die Renaissance-Monstranz von St. Max in Augsburg. In: Archive für christliche Kunst. Nr. 8. Deutsches Volksblatt, 1895.
- ↑ Alfred Schröder: Die Renaissance-Monstranz von St. Max in Augsburg. In: Archive für christliche Kunst. Nr. 8. Deutsches Volksblatt, 1895.
- ↑ Kath. Kirche St. Max (ehem. Franziskanerklosterkirche) (Augsburg // Kirchen und Klöster). In: Haus der Bayerischen Geschichte, Wiederaufbauatlas. Bayerisches Staatsministerium für Kunst und Wissenschaft, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Pfarrkirche St. Marx. In: Augsburger Postzeitung: 1897. Huttler, 1897, S. 792–793.
- ↑ Gerhard Hetzer: Eulogius Schneider. In: Stadtlexikon Augsburg. Wißner-Verlag, abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Augsburg St. Maximilian | Augsburg, rk. Bistum | Deutschland | Matricula Online. Abgerufen am 31. Dezember 2025.
- ↑ Augsburg & seine Umgebung. Volkhart, Augsburg 1838, S. 28 (google.de).
- ↑ Ministerialblatt für Kirchen- und Schulangelegenheiten im Königreich Bayern. Kastner & Callwey, 1883, S. 88.
- ↑ a b c Franz Häußler: Augsburg – Alte Stadt mit Kriegsnarben. Presse-Druck- und Verlags-GmbH, Augsburg, 1984, S. 72.
- ↑ Barfuß vor St. Max. In: kolpingwerk-augsburg.de. Abgerufen am 29. Januar 2024.
- ↑ International Council of Museums: Augsburger Barock: Ausstellung unter dem Patronat von ICOM. Augsburg, Rathaus und Holbeinhaus, 15 Juni bis 13. Oktober 1968. Kunstsammlungen, 1968, S. 133.
- ↑ Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Bayern Bd. 3: Schwaben. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 1. Januar 2024, S. 84.
Koordinaten: 48° 22′ 23,9″ N, 10° 54′ 15,5″ O