St. Mauritius (Kirchheim am Neckar)
Die im 12. Jahrhundert gegründete evangelische Pfarrkirche St. Mauritius steht in Kirchheim am Neckar, einer Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Besigheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Namensgeber der Kirche ist der Hl. Mauritius.
Geschichte
Der romanische Vorgängerbau der Ortskirche stammte aus dem 12. Jahrhundert. Dem im Jahre 1490 errichteten spätgotischen Kirchenschiff blieb der Chorturm erhalten, der im 17. Jahrhundert mit einem Geschoss aus Holzfachwerk, das die Turmuhr und den Glockenstuhl für vier Kirchenglocken beherbergt, aufgestockt und mit einem achtseitigen, schiefergedeckten Knickhelm bedeckt wurde. Im Jahre 1594 wurde das Schiff nach Süden zu einer quadratischen Querkirche erweitert.[1] In neuerer Zeit wurde die Kirche 1967 innen und 2009–2012 außen und innen renoviert (einschließlich Dachstuhlsanierung).
Architektur
Das seit der Erweiterung 1594 quadratische Kirchenschiff enthält bis heute eine dreiseitige Empore mit Renaissance-Säulen, deren eine die Datumssignatur trägt. Die Kanzel ruht auf hölzernen Wandkonsolen auf der Wandmitte zwischen dem Turmchorbogen und einem Ostfenster, mit Treppen- und Wandzugang aus dem Chor. Vier mächtige Holzsäulen mit Längsunterzügen tragen das Dachwerk. Historische Balkenkonsolen und Zier-Kapitelle waren 1967 entfernt worden zugunsten von Stahlträgern, die zunächst unter einer Deckenlattung, jetzt unter Akustikplatten verborgen sind. Das erste Dachgeschoss ist als Aufbewahrungsort für Notzeiten in Räume unterteilt. Der Turm wurde auf der Höhe der Glockenstube um 1930 mit je einem Nord- und Südbalkon für das Turmblasen versehen.
Ausstattung
Der Stuttgarter Glaskünstler Rudolf Yelin d. Ä. schuf 1915 das heutige Westfenster mit dem Guten Hirten, das bis 1967 das Turmchorfenster war. Auch das südliche Rundfenster (Lamm) bei der Emporentreppe stammt von ihm. Walter Kohler entwarf 1929 das expressionistische Chorfenster mit den Aposteln Paulus und Johannes; gefertigt wurde es in der Werkstatt Gaiser. Der Künstler Peter Jakob Schober war 1967 mit der Neugestaltung des Altarbereichs beauftragt. Er schuf den Altar, den Taufstein und das neue Altarfenster mit dem Thema Pfingsten.
Eine Chororgel von Johann Michael Schmahl/Steinheim wurde 1687 - akustisch ungünstig - im engen Turmchor aufgestellt und 1746 durch ein Instrument von Johann Adam Schmahl aus Heilbronn ersetzt. Erstmals wurde 1907 eine Emporenorgel durch Gebr. Link/Giengen-Brenz aufgestellt. Die heutige Emporenorgel wurde 1967 von Richard Rensch gebaut. Ein mobiles Orgelpositiv von Horst Kenter aus Bad Liebenzell (1985) steht normalerweise im Turmchor.
Literatur
- Kirchheim am Neckar einst und jetzt; Sonderdruck aus den Vierteljahresheften des Zabergäu-Vereins 1915, Herausgeber August Holder, Buchdruckerei von Gg. Kohl, Brackenheim
- Gottlob Grünenwald: So war es... - Heimatbuch für Kirchheim/N.; Hrsg. Geschichtsverein Kirchheim/N. e.V., bearbeitet von Dr. Jürgen Klooz, 2. Auflage, Kirchheim/Neckar 1993
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 421.
- Klaus Meeuw: 1000 Jahre Kirchheim a.N. - Ortchronik 1003 bis 2003; Hg. Gemeinde Kirchheim am Neckar 2003
- Die Mauritiuskirche Kirchheim am Neckar; Hg. Ev Kirchengemeinde Kirchheim/N., Kirchheim am Neckar 2003
- Heinz Rall, Ulrich Gräf: Historische Kirchen im Zabergäu und Umgebung; hg. Zabergäuverein und Verein für Kirche und Kunst, Besigheim 2003, S. 44 f
- Martin Luscher (Hrsg.): Kirchen im Evangelischen Kirchenbezirk Besigheim; Besigheim 2007, S. 38
- Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 222, 243, 292 - ISBN 978-3-95505-592-9.
Weblinks
- Website der Kirchengemeinde, abgerufen am 23. Februar 2024
- Mehr Bilder und Informationen zur Mauritiuskirche auf kirchen-online.com
Einzelnachweise
- ↑ Eduard Paulus: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg - Neckarkreis, Inventar; Stuttgart 1889, S. 79 - sowie: Erwin Rall: Die Kirchenbauten der Protestanten in Schwaben und Südfranken im 16. und 17. Jahrhundert; Maschinenschriftliche Dissertation. TH Stuttgart, 1922, S. 19 f - Die in beiden Publikationen genannte Jahreszahl 1789 für die Erweiterung ist unrichtig.
Koordinaten: 49° 2′ 38,1″ N, 9° 8′ 46,9″ O