St. Mauritius (Desingerode)

Die römisch-katholische denkmalgeschützte Kirche St. Mauritius steht in Desingerode, einem Ortsteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die St.-Mauritius-Kirche gehört, nachdem ihre Pfarrei aufgelöst wurde, als Filialkirche zur Pfarrei St. Georg in Nesselröden im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim.

Geschichte

Im Jahr 953 schenkte Otto I. dem Mauritiuskloster in Magdeburg unter anderem den Ort Desingerode. Das Mauritiuspatrozinium der Desingeröder Kirche könnte darauf zurückzuführen sein.

Mindestens seit dem Jahr 1207 ist Desingerode Pfarrei mit Filialkirchen in Esplingerode und zeitweise auch Werxhausen. 1230 wird ein erster Pfarrer und eine Kirche des Ortes genannt. Seitdem sind 41 Priester des Ortes namentlich bekannt. Eine Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Kirche wurde Ende des 16. Jahrhunderts durch einen Neubau ersetzt.

Nachdem Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel im Dreißigjährigen Krieg in das Untereichsfeld eingefallen war, lag Desingerode 1626 in Schutt und Asche. Das Pfarrhaus war abgebrannt, der Zustand der Kirche ist nicht mehr bekannt. Von 1674 bis 1693 kam es zu einem Neubau der Kirche.

Um 1740 gab es Bemühungen zum Bau einer neuen Kirche, nachdem Pfarrer Johann Christian Krebs (* 15. August 1707 in Seulingen, † 28. September 1782 in Desingerode) 1737 seinen Dienst in Desingerode angetreten hatte. Um 1752 wurden die bisherige Kirche samt ihrem Turm sowie ein auf dem Kirchhof stehendes Haus abgerissen. 1755 war der Neubau so weit fortgeschritten, dass das Dach gedeckt wurde. Baumeister waren der Ratszimmermeister Henricus Petersen und der Italiener Henrico Gelli (auch Gehly genannt). Die noch nicht ganz fertiggestellte Kirche wurde am 14. Juli 1756 durch den Mainzer Weihbischof in Erfurt, Johann Friedrich von Lasser, geweiht. Erst im Oktober 1756 wurde das Turmdach eingedeckt, 1757 folgte der Einbau der Fenster. Bis 1760 wurde der Innenraum der Kirche ausgemalt. Der Taufstein, der Beichtstuhl, Teile des Hochaltars und die Orgel wurden aus der Vorgängerkirche übernommen. 1791 wurde eine neuerbaute Orgel abgenommen, die früh reparaturbedürftig wurde und 1867 durch das heutige Instrument ersetzt wurde.

Durch die Päpstliche Bulle Impensa Romanorum Pontificum wurde 1824 die Grenze des Bistums Hildesheim neu gezogen, wodurch Desingerode seitdem zum Bistum Hildesheim gehört.

Von 1884 bis 1910 war der in Duderstadt geborene Priester und Glockenexperte Carl Otto Pfarrer von St. Mauritius. Carl Otto hatte mit seinem Bruder Franz 1873/74 in Hemelingen bei Bremen die Glockengießerei Otto gegründet, die in den Jahren 1895, 1897 und 1962/63 Bronzeglocken für die Mauritius-Kirche gegossen hat.[1][2]

Am 1. März 1980 weihte Bischof Heinrich Maria Janssen den Zelebrationsaltar, zugleich wurde auch ein neuer Ambo aufgestellt.

Seit 1983 gehörte Desingerode mit Esplingerode und Seulingen zu einer Seelsorgeeinheit. Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Pfarrei St. Mauritius, Duderstadt-Desingerode mit ihrer Filialkirche St. Georg in Esplingerode[3] zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[4] Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Georg mit Sitz in Nesselröden, die Pfarrei St. Mauritius, Duderstadt-Desingerode wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.[5]

Lage, Architektur und Ausstattung

Die geostete St.-Mauritius-Kirche steht auf dem höchsten Punkt des Dorfes auf dem Grundstück Mauritiusstraße 11.

Die Saalkirche steht auf einem hohen Sockel und besteht aus Natursteinmauerwerk. Das Langhaus aus vier Jochen ist mit Pilastern gegliedert und mit einem Satteldach gedeckt. Der eingezogene, zwei Stufen erhöhte Chor hat einen dreiseitigen Abschluss. Der eingezogene, quadratische, mit Ecksteinen versehene mächtige Kirchturm im Westen ist von einer glockenförmigen Haube bedeckt, auf der eine Laterne sitzt, die mit einer Turmkugel bekrönt ist. Hinter den Klangarkaden im obersten Geschoss des Turms befindet sich der Glockenstuhl. Ihn diesem hängen drei Kirchenglocken, die in der Glockengießerei Otto gegossen wurden. Im Übergang vom Kirchenschiff zum Chor erhebt sich ein Dachreiter, in dem die Evangelienglocke hängt. Er ist als achteckige Laterne ausgeführt und wird, wie der Kirchturm, von einer glockenförmigen Haube bedeckt. Bekrönt wird der Dachreiter von einem Turmknauf mit aufgesetzter Wetterfahne. Die Sakristei befindet sich auf der Südseite des Chors, ihr Zugang erfolgt durch den Chor. Die Portale sind an der Nordseite des Langhauses und an der Westseite des Turms, das Südportal, das die Jahresangabe 1870 trägt, wurde vermauert. Die ursprünglichen Gewölbe wurden entfernt und durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt.

Der Innenraum wird durch Rundbogenfenster belichtet und durch marmorierte Pilaster gegliedert. Die Buntglasfenster schuf von 1887 bis mindestens 1901 die Glasmalereiwerkstatt Henning & Andres aus Hannover. Die Rundbogenfenster im Chor zeigen die heiligen Elisabeth von Thüringen, Martin von Tours und Mauritius, den Schutzpatron der Kirche. Der Kunstmaler Heinrich Weber schuf die figürlichen Darstellungen der Fenster. Die Deckenmalerei ist nicht mehr vorhanden. Die Kircheninnenraum ist reich barock ausgestattet. Die bedeutendsten Gegenstände der Kirchenausstattung sind der Marienaltar von 1762 und der Josefsaltar von 1764, Werke des Bildhauers Johann Jakob Schwedhelm. Der Marienaltar stellt die Unbefleckte Empfängnis dar und wird vom Trigramm Marias (MRA) bekrönt. Maria wird von Statuen der heiligen Heinrich II. und Mauritius flankiert. Der Josefsaltar zeigt Josef von Nazaret mit dem Jesuskind auf der Weltkugel stehend, flankiert von den heiligen Margareta und Katharina von Alexandrien, und wird vom Trigramm Josephs (IPH) bekrönt. Der Hochaltar wurde aus verschiedenen Einzelstücken zusammengesetzt, die teilweise aus dem Vorgängerbau stammten. In ihn ist der Tabernakel integriert, der 1757 aus der Duderstädter St.-Servatius-Kirche gekauft und 1910 mit neuen Türen versehen wurde. Auf der Altarkuppel ist als Symbol für die Eucharistie ein Pelikan, der sich die Brust aufreißt, um seine Jungen mit Blut zu füttern, dargestellt. Das den Altar überragende Kruzifix ist von 1682. Die Statuen seitlich am Altar stammen aus der Zeit vor 1693 und zeigen die Apostel Petrus und Andreas. Um das Olvalfenster hinter dem Altar herum ist die Dreifaltigkeit dargestellt: Jesus Christus mit dem Kreuz, der Heilige Geist in Gestalt einer Taube und Gott der Vater mit dem Zepter in seiner Hand. Die Figurengruppe wurde 1757 von Johann Ernst Martin aus Duderstadt angefertigt.

Der Taufstein wird in die Zeit um 1600 datiert, sein Deckel in die Mitte des 18. Jahrhunderts. An seiner Kuppa ist unter anderem das Christus-Trigramm (IHS) dargestellt. Die Kanzel, 1761 von Johann Jakob Schwedhelm angefertigt, ist von der Sakristei aus zugänglich. Das Gemälde über der Sakristeitür stellt die Kreuztragung Christi dar, das Gemälde über dem Seiteneingang die Sieben Schmerzen Mariae. Die Kreuzwegstationen hängen an den Seitenwänden des Kirchenschiffs und unter der Empore. Dort haben auch eine Mondsichelmadonna und der auf 1703 datierte Beichtstuhl ihren Platz. Am Aufgang zur Empore hängt ein Gemälde der heiligen Helena. Die Brüstungen der Empore wurden 1764 von Jakob Gleitze aus Duderstadt gestaltet. Der Volksaltar und der Ambo kamen 1980 in die Kirche.

Die Orgel auf der Empore im Westen wurde 1867 von Heinrich Schaper gebaut. Das Instrument hat 22 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. In den beiden Weltkriegen wurde 1917 und 1944 Orgelmetall beschlagnahmt, das später wieder ersetzt wurde.

Siehe auch

Literatur

  • Erika Dittrich: Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius zu Duderstadt-Desingerode. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 68. Jahrgang, Hildesheim 2000, 3-39366-518-8, S. 265–322.
  • Reinhard Schulzig: Zum Bau und zur Weihe der Desingeröder Kirche. In: Eichsfeld. Monatszeitschrift des Eichsfeldes. 37. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1993, S. 240.
  • Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 384.
  • Reinhard Schulzig: Der Glockenpfarrer und die Glocken der Desingeröder Kirche. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift. 50. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2006, S. 201–204.
  • Reinhard Schulzig: Die Chronogramme in der St.-Mauritius-Kirche zu Desingerode. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift. 50. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2006, S. 120 ff.
  • Reinhard Schulzig: Zwei Epitaphien in der Desingeröder Kirche. In: Eichsfeld. Monatszeitschrift des Eichsfeldes. 39. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1995, S. 34 f.
  • Reinhard Schulzig: Geistliche und Ordensleute aus Desingerode. In: Eichsfeld. Monatszeitschrift des Eichsfeldes. 38. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1994, S. 63 f.
Commons: St. Mauritius (Desingerode) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbesondere S. 20, 29, 33, 53, 75, 122, 123, 250, 258, 405, 507, 572.
  2. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbes. S. 48, 50, 56, 92, 93, 136, 137, 232, 239, 240, 376, 474, 475, 513, 526, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  3. St.-Godehards-Werk (Hrsg.): Der Dom 1991. Hildesheim 1990, S. 108.
  4. Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36.
  5. Urkunde über die Aufhebung der katholischen Pfarrgemeinden St. Georg, Duderstadt-Nesselröden, St. Mauritius, Duderstadt-Desingerode, St. Johannes Baptist, Duderstadt-Immingerode, St. Urban, Duderstadt-Werxhausen und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde St. Georg, Nesselröden. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 244–246.

Koordinaten: 51° 31′ 30,1″ N, 10° 10′ 54,4″ O