St. Martin (Fell)

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin in Fell, Rheinland-Pfalz, ist eine neugotische Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Sie ist dem heiligen Martin sowie der heiligen Barbara geweiht, letztere als Schutzpatronin der örtlichen Bergleute.[1]

Geschichte

Mittelalter

Die Geschichte der Kirche St. Martin ist eng mit der Abtei St. Maximin in Trier verbunden. Bereits im 12. Jahrhundert wird eine Kirche in Fell urkundlich erwähnt, als Papst Innozenz II. dem Kloster St. Maximin seinen Besitz bestätigte. Um 1200 war die Kirche von der Abtei an die Herren von Esch an der Salm als Lehen vergeben, die sowohl einen Teil des Zehnten als auch das Patronatsrecht zur Präsentation des Pfarrers innehatten. 1276 gingen diese Rechte an Nikolaus und Johann aus dem Geschlecht der Vögte von Hunolstein über und gelangten später an die Grafen von Sayn-Wittgenstein und weitere Adelsfamilien. Im 16. Jahrhundert zog die Abtei St. Maximin die verliehenen Rechte wieder an sich.

1431 erfolgte ein Teilneubau der Kirche: Johannes de Sole und seine Ehefrau Bela ließen den Chor von Grund auf erneuern, wie ein in den heutigen Kirchturm eingelassener Stifterstein bezeugt. Die mittelalterliche Kirche stand auf dem heutigen Friedhofsgelände rechtwinklig zur heutigen Kirche. Visitationsberichte aus dem 16. und 17. Jahrhundert dokumentieren einen renovierungsbedürftigen Zustand des Kirchenschiffs, fehlende Nebenräume und eine Ausstattung mit mehreren Altären, Kelchen und einer Monstranz.

Frühe Neuzeit

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die Kirche baufällig. 1631 schloss die Abtei St. Maximin einen Vertrag mit dem Maurer Wendelin Reichardt ab, nach dem Teile des Kirchenschiffs abgerissen und neue Seitenmauern sowie ein Hauptgiebel errichtet wurden. 1679 wurde ein Sandsteinrelief des Heiligen Michael gestiftet, das heute im Turmeingang erhalten ist. 1687 erhielt die Kirche eine weitere Glocke, geweiht zu Ehren Jesu, Mariens und Josefs.

Neubau im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts war die alte Pfarrkirche erneut baufällig. Unter Pfarrer Josef Müller (Pfarrer von 1852 bis 1876) wurde ein Neubau beschlossen. Der luxemburgische Architekt Carl Arendt entwarf die Kirche, die von 1865 bis 1868 errichtet wurde. Sie wurde rechtwinklig neben der alten Kirche gebaut, sodass Gottesdienste während der Bauzeit weiter stattfinden konnten.

Die Kirche ist einschiffig und als Wandpfeilerbau mit sechs Jochen und Fensterachsen konzipiert. Das Sternengewölbe im Schiff und Chor orientiert sich an spätgotischen Vorbildern der Mittelmosel. Der kurze, polygonale Chor ist durch einen Triumphbogen vom Schiff abgetrennt, der Turm ist in das Schiff integriert und besitzt ein spitzbogiges Hauptportal mit Maßwerktympanon.

20. Jahrhundert und Renovierungen

1875 stiftete der Feller Bürger Johann Münch die Kreuzwegbilder, 1895 erfolgte die Ausmalung des Chors, 1905 wurden Glasfenster von der Trierer Glaserwerkstatt Gebr. Fries eingesetzt. 1928 folgte eine weitere Ausmalung des Chorbogens.

Um 1970/71 wurde die Kirche im Sinne des II. Vatikanischen Konzils umfassend renoviert: Die Malereien wurden größtenteils durch neutrale Farben ersetzt, alte Fenster teilweise durch dunkle Buntglasfenster ersetzt, und die Inneneinrichtung teilweise umgestellt. Neue Elemente wie ein Taufbrunnen und Apostelleuchter des Künstlers Helmut Rams wurden installiert. Zwischen 1993 und 1998 erfolgte eine weitere Renovierung, die Dach, Fenster und Innenraum umfasste.[1]

Architektur

Außenbau

Die denkmalgeschützte Kirche ist ein neugotischer Wandpfeilerbau. Turm, Chor und Schiff sind proportional aufeinander abgestimmt. Die spitzbogigen Maßwerkfenster und das Sternengewölbe des Chors orientieren sich an spätgotischen Vorbildern der Mittelmosel. Das Hauptportal ist spitzbogig mit geometrischem Maßwerktypus versehen.

Innenraum

Die Inneneinrichtung stammt überwiegend aus der Bauzeit und wurde von Arendt entworfen, darunter Sakramentsaltar, Marien- und Josefaltar, Kanzel, Beichtstuhl und Gestühl. Die Ausstattung wurde im 20. Jahrhundert teilweise modernisiert, etwa Taufbrunnen, neue Altarplatte und Apostelleuchter.

Glocken

Die Kirche verfügt über mehrere Glocken:

Martinusglocke von 1579 mit der Inschrift: „Sub regimine R.D. Matthia Abbatis impe Monasterii St. Maximini prope Treverim. Martinus heis ich, zu dem Deinst Gottesz ruf ich, Hagel, Donner, Ungewitter mit der Hulf Gottes vertreif ich, seit der Oberkeit Gehorsam gebeit ich. Petter van Aichen macht mich. Die Gemein zu Fell und Fasterau bezaldt mich in dem Jar 1579. Johannes Ruhe Pastor bedeint mich.“

Sebastianus-Barbara-Glocke von 1953, mit einem Gewicht von 11 Zentner, die dem heiligen Sebastianus und der heiligen Barbara geweiht ist, mit der Inschrift: „Sankte Sebastiane, ora pro nobis! Dem Christen steht nichts besser an als Held sein wie Sebastian! Sankta Barbara, ora pro nobis! Sankta Barbara, du edle Braut, mein Leib und Seel sei dir vertraut!“

Die Große Glocke „Regina Pacis“, mit einem gewicht von 21 Zentner, welche der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Dorfbewohner geweiht ist, diese trägt die Umschrift „Kriegergedächtnisglocke der Gemeinde Fell“.[1]

Orgel

Die ursprüngliche Orgel von St. Martin in Fell stammte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und war ein Werk der Werkstatt Stockhausen aus Linz am Rhein. Der Spieltisch war direkt in die Emporenbrüstung integriert, sodass der Organist den Altarbereich stets im Blick hatte. Die Orgel verfügte über pneumatische Kegelladen, eine Balganlage und ein Registerwerk, das sich klanglich dem neugotischen Stil der Kirche anpasste. Bis in die 1980er-Jahre wurde sie regelmäßig im Gottesdienst und bei festlichen Anlässen genutzt, wobei sich über die Jahrzehnte erste technische Mängel bemerkbar machten.

1985 erfolgte eine umfassende Umbaumaßnahme, bei der das Orgelgehäuse stark reduziert wurde. Die pneumatischen Kegelladen und die ursprüngliche Balganlage wurden entfernt oder umgebaut, und auch die Disposition des Werkes wurde angepasst: Klanglich wurde das Instrument in Richtung eines „neobarocken“ Charakters verändert, unter anderem durch die Ersetzung der 2 2/3’-Mixtur durch eine 1 1/3’-Mixtur sowie die Abschwächung der Trompete 8′. Gleichzeitig wurde der Spieltisch so neu positioniert, dass er den Blick auf Altarraum und Kirchenschiff optimierte.[1]

Pfarrgemeinde

Die Pfarrkirche gehört zur Pfarreiengemeinschaft Schweich, welche zum Bistum Trier gehört. Die Pfarrgemeinde umfasst außerdem die umliegenden Gemeinden Bekond, Fell/Fastrau, Föhren/Naurath, Kenn, Longuich/Kirsch, Riol und Schweich. Die Seelsorg erfolgt (Stand 2025) durch die Pfarrer Ralph Hildesheim und Axel Huber. Die Gemeinschaft organisiert regelmäßige Gottesdienste, Veranstaltungen und soziale Projekte, darunter die katholische Kindertagesstätte „St. Martin“ in Fell.[2][3]

Quellen / Literatur

  • Katholische Kirche St. Martin Fell – Historische Aufzeichnungen und Visitationsberichte (12.–20. Jahrhundert).
  • Germania Sacra, Band 3.F.11: Resmini Maximin.
  • Visitationsberichte 1569, 1609, 1715.
  • Archivalien der Abtei St. Maximin, Trier.
Commons: St. Martin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Pfarreiengemeinschaft Schweich: Sankt Martin, Fell. In: Pfarreiengemeinschaft Schweich. Pfarreiengemeinschaft Schweich, abgerufen am 25. November 2025 (deutsch).
  2. Pfarreiengemeinschaft Schweich: Pfarreiengemeinschaft Schweich. In: Pfarreiengemeinschaft Schweich. Pfarreiengemeinschaft Schweich, abgerufen am 25. November 2025 (deutsch).
  3. Bistum Trier: Pastorale Mitarbeitende auf der Ebene des Pastoralen Raums. In: Pastoraler Raum Schweich. Pastoraler Raum Schweich, abgerufen am 25. November 2025 (deutsch).

Koordinaten: 49° 46′ 40″ N, 6° 46′ 39,3″ O