St. Maria ad Ortum

Maria ad Ortum (lateinisch für ‚Maria beim Garten‘, nämlich dem (h)ortus sanctae Mariae ‚Garten der heiligen Maria‘) war die dreischiffige spätromanische Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters „zo sent Marie garden“ (Mariengarten) in Köln. Das Kloster wurde 1802 infolge der Säkularisation aufgehoben, Kirche und Kloster wurden nach 1805 niedergelegt. An sie erinnern heute noch ein Straßenname und eine ihren alten lateinischen Namen tragende Kapelle.

Lage

Kirche und Klostergebäude standen auf dem innerhalb der römischen Stadtmauer liegenden Areal unweit eines Wehrturmes der Nordmauer, welcher „Lysolphturm“ genannt wurde. Der von Baumgärten umstandene Konvent der Zisterzienserinnen lag zwischen den auch heute noch stillen Straßen „Margardengassen“, der heutigen Mariengartengasse in der Kölner Innenstadt, und der im 12. Jahrhundert „urbis murus“ später „up der burchmure“ genannten heutigen Burgmauer.[1]

Die Klosterimmunität umfasste das Areal, das von den Straßen Röhrergasse und Kupfergasse im Süden, Langgasse im Westen, An der Burgmauer im Norden und Mariengartengasse im Osten eingegrenzt wurde. Mit dem im Nordwesten am damaligen Rand der Stadt gelegenen Gebiet fanden die Nonnen, der Tradition des Ordens folgend, einen Ort der Stille. Dennoch gelangte man bei Bedarf schnell in das sich entwickelnde Zentrum der Stadt Köln entlang der Hohe Straße und zu den zentralen Märkten Alter Markt oder Heumarkt. Auch die Kathedrale, der Kölner Dom, war nicht weit entfernt.

Klostergründung

Der Name des Klosters erscheint 1220 erstmals als „conventus de Rile“ (Riehl?); gleichzeitig ist in den Schreinsbüchern von Sanctimoniales de ortus Mariae ‚Nonnen vom Mariengarten‘ zu lesen. Durch den Kölner Erzbischof Engelbert I, einem ersten „Gönner“ des Klosters, wurde den Nonnen – möglicherweise nur einem Teil des Konvents – eine Um- und Ansiedlung auf erzbischöflichem Grund und Boden im Kirchspiel St. Kolumba in Köln ermöglicht, so dass für eine Übergangszeit zwei Niederlassungen bestanden.[2] Um das Jahr 1233 konstituierte sich am „Mariengarten“ ein Kloster der Zisterzienserinnen, genannt „Conventus in Orto sancte Marie in Colonia“, ‚Konvent im Garten der heiligen Maria in Köln‘; um 1246 wird dieses Kloster in einem Schreinseintrag „Orto sancte Mariae qui conventus in antea vocabatur et fuit de Rile“ ‚Konvent im Garten der heiligen Maria, der vorher von Riehl genannt wurde und sich dort befand‘.[3]

Der Orden orientierte sich mit seinen Regeln und seiner Lebensweise nach dem Ursprungskloster in Cîteaux (Cistercium). Das Kölner Kloster wurde 1233 in den Orden inkorporiert, indem Erzbischof Heinrich von Müllenark es dem Generalabt von Citeaux als Vaterabt unterstellte; es genoss die gleichen Privilegien wie ein Männerkloster. Die geistliche Aufsicht wurde von den Vateräbten benachbarter Abteien übernommen. Dabei wechselten sich zunächst die Äbte von Altenberg, Marienfeld (Harsewinkel), Heisterbach Kamp im heutigen Kamp-Lintfort ab, seit dem 16. Jahrhundert stellte Kamp durchgehend den Vaterabt. Dieser hatte den Kölner Konvent jährlich zu visitieren und die Anzahl der Mitglieder festzulegen. Er hatte eine eventuell neugewählte Äbtissin zu bestätigen und bestimmte den Beichtvater des Klosters.[3]

Wie bei vielen zu dieser Zeit entstehenden Frauenklöstern entstammte auch im Kloster „Mariengarten“ ein hoher Anteil der Ordensfrauen aus den Häusern des örtlichen Adels, der Bürgermeister- und Patrizierfamilien und stellte auch die Äbtissinnen. Dies hatte zur Folge, dass aufgrund des eingebrachten „vorgezogenen Erbes“ oder Schenkungen der Familien der Nonnen der Konvent rasch zu Wohlstand und umfangreichem Besitztum gelangte. Der Andrang ins klösterliche Leben war so groß, dass schon im Jahr 1236 einunddreißig Jungfrauen aus dem Kölner Kloster Mariengarten in die in der Nähe liegende Neugründung der Zisterzienserinnen, das Kloster Marienborn in Burbach (heute Stadtteil von Hürth), übersiedelten.[4][5] Möglicherweise war aber auch das Kölner Kloster in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, so dass die Einkünfte nicht ausreichten, viele Nonnen zu unterhalten. 1244 stellte Papst Innozenz IV. das Kloster unter seinen besonderen Schutz. Erzbischof Konrad von Hochstaden gewährte einen besonderen Ablass, dessen Erlös den Zisterzienserinnen zugutekam und es ihnen ermöglichte, die Klosterkirche fertigzustellen.[3]

1323/24 predigte wahrscheinlich Meister Eckhardt bei den Kölner Zisterzienserinnen. Im Jahr 1452 wurde das Kloster unter Äbtissin Elisabeth Titz reformiert und unter anderem die Klausur wieder konsequent eingeführt.[3]

Zahl der Konventsmitglieder[6]
Jahr Nonnen Konversinnen Novizinnen
um 1233 etwa 60
1452 23 02
1574 16 10 04
1600 22 10
1738/40 25 10
1798 13
1802 09 02

Spätromanische Kirche

Maria ad Ortum war eine dreischiffige spätromanische Kirche mit halbrundem Chor und typischem Dachreiter. Sie wurde zwischen den Jahren 1244 und 1260 anstelle einer kleinen Klosterkapelle erbaut.

Mäzene der Kirche

Förderer des Kirchenbaues waren die Grafen von Neuenahr. Ihr Hofgut, der „Neuenahrer Hof“, stand an der Ecke Lang- und Schwalbengasse. Die Zuwendungen der Grafen von Neuenahr waren die bedeutendsten von zahlreichen Stiftungen, die das Kloster im 15. Jahrhundert erhielt.[3] Die Grafen wählten die Kirche auch als Begräbnisstätte ihrer Familie. Ein Mitglied derselben, Hermann von Neuenahr, wurde später Dompropst (1524) und war damit zugleich Kanzler der alten Kölner Universität. In dieser Position unterstanden ihm die offizielle Verleihung der akademischen Grade sowie die kirchliche Lehraufsicht.[7]

Grablege der Grafen von Neuenahr

In der Familiengruft der Grafen von Neuenahr im linken (nördlichem) Chorraum von St. Maria ad Ortum wurden unter anderem bestattet:[8]

  • Gumprecht II. von Neuenahr (* um 1400; † 1484) und seine Frau
  • Margarethe Gräfin von Limburg († um 1459), Herrin zu Bedburg und Hackenbroich; ihre Grabinschrift ist bei Aegidius Gelenius[9] und in der Sammlung Alfter[10][11] überliefert,
  • Johann VII. von Salm-Reifferscheidt-Dyck (* um 1440; † 1479)[9] und seine Frau
  • Philippina von Neuenahr (* um 1445; † 1494), Herrin von Hackenbroich,[9][12]
  • Wilhelm I. von Neuenahr (* um 1447; † 1497); sein Sohn Hermann von Neuenahr der Ältere verfasste seine Grabinschrift,[9] und seine Frau
  • Walburga von Manderscheid (* 1468; † 1530/35)
  • Hermann von Neuenahr der Ältere (1492–1530); Georg II. von Helfenstein (1518–1573), der sich 1562 in Köln aufhielt, ließ ihm einen Grabstein setzen.[13]

Um 1505/08 ließen Walburga von Manderscheid und ihre Söhne die neuenahrsche Grablege zu einem Dynastengrab umgestalten. Auf einem Glasfenster war nach einer Beschreibung des Johann Gottfried von Redinghoven (1628–1704) das Elternpaar mit seinen drei Kindern kniend dargestellt. Das Kunstwerk wurde vermutlich 1805 zerstört.

Aufhebung von Kloster und Kirche

Kirche und Kloster wurden in Folge der Säkularisation 1802 aufgelöst. Den Gebäudekomplex erwarb im Jahr 1805 Eberhard Henner für 25.000 Franc. Nach einer zwischenzeitlichen Vermietung an den Brandweinmeister Laurentius Ossendorf ließ Henner die Gebäude einschließlich der Kirche um 1805 abbrechen.[14]

Nach der Aufhebung der Kirche gelangten wertvolle Ausstattungsstücke in die Alte Pinakothek in München und in das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Die Memorientafel der Stifterfamilie, der Grafen von Neuenahr, verblieb in Köln und gelangte in das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. Dort befindet sich auch der nach 1484 entstandene Familienaltar Maria auf der Mondsichel (Inventar-Nr. WRM 0853) mit Darstellungen von Heiligen und der Familie des Grafen Gumprecht II. von Neuenahr vom Meister der Heiligen Sippe dem Jüngeren (* um 1450; † um 1516), der aus der Kirche St. Maria ad Ortum stammt.[15]

Kapelle Maria ad Ortum

Auf dem Gelände des ehemaligen Klosters stehen heute Gebäude des Westdeutschen Rundfunks. Die verbliebenen Grundstücke zwischen der Rundfunkanstalt (Straße „An der Rechtschule“) bis zur Straße „Burgmauer“ sind noch heute mit Gärten durchsetzt. Wie in alter Zeit werden auch jetzt noch einige in kirchlichem Besitz befindliche Häuser von geistlichen Würdenträgern bewohnt. In Anlehnung an die roten oder violetten Kragen (Kollar) der in diesem „Viertel“ häufig zu sehenden Geistlichen spricht der Volksmund auch vom „Rotkehlchenviertel“.

Die heutige Kapelle Maria ad Ortum wurde zum Gedenken an Kloster und Kirche errichtet. Sie dient in heutiger Zeit als Aufbahrungsstätte verstorbener Mitglieder des Domkapitels vor deren Bestattung. Sie befindet sich an der Ecke der an dieser Stelle erhöht verlaufenden Straßen Burgmauer und Mariengartengasse im Zentrum der Innenstadt oberhalb des Restes eines Wehrturmes der römischen Stadtmauer an der Komödienstraße und damit in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Standort. Die Kapelle liegt im Stadtteil Altstadt-Nord und gehört zum Stadtbezirk Innenstadt von Köln. Sie ist, obwohl sie im Zentrum der Stadt liegt, auch heute noch ein Ort der Ruhe.

Literatur und Quellen

  • Hermann Dickmann: Kloster Mariengarten 1220–1802 (St. Maria ad Ortum oder ortus sanctae Mariae, Colonia). In: Cistercienser Chronik 127. Jg. (2020), S. 210–225.
  • Eduard Hegel: St. Kolumba in Köln, eine mittelalterliche Großstadtpfarrei in ihrem Werden und Vergehen. Verlag Franz Schmitt, Siegburg 1996, ISBN 3-87710-177-1.
  • Hermann-Josef Hüsgen: Zisterzienserinnen in Köln. Die Klöster Mariengarten, Seyen und St. Mechtern, St. Apern. Köln/Wien 1993.
  • Waldemar Koenighaus: Köln – St. Mariengarten. In: Manfred Groten, Georg Mölich, Gisela Muschiol, Joachim Oepen (Hrsg.): Nordrheinisches Klosterbuch. Lexikon der Stifte und Klöster bis 1815. Teil 3: Köln. Franz Schmitt, Siegburg 2022, S. 524–534.
  • Angela Kulenkampff: Zur Ausstattung der Grablege der Grafen von Neuenahr im ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Mariengarten in Köln zwischen 1459 und 1530 – zugleich ein Beitrag zum Werk des Meisters der Heiligen Sippe. In: Ulrich Schneider (Hrsg.): Festschrift für Gerhard Bott. Anthes, Darmstadt 1987, S. 29–52.
  • Erich Meuthen: Die alte Universität Köln. Köln/Wien 1988.
  • Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl. J. P. Bachem Verlag, Köln 1887 (aus dem Hauptbuch des Klosters Burbach von 1753, Archiv Stadt Hürth, eigene Exzerpte).
  • Carsten Schmalstieg: St. Maria ad Ortum. Kirche des Zisterzienserinnenklosters Mariengarten (= Colonia Romanica. Bd. XX: Kölner Kirchen und ihre Ausstattung in Renaissance und Barock. Bd. 3). Köln 2005.
  • Adam Wrede: Neuer Kölnischer Sprachschatz. 3 Bände A–Z, 9. Auflage. Greven Verlag, Köln 1984, ISBN 3-7743-0155-7.
Commons: St. Maria ad Ortum (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Adam Wrede, Band II, S. 179, Band I, S. 116.
  2. Carsten Schmalstieg, St. Maria ad Ortum.
  3. a b c d e Waldemar Koenighaus: Köln – St. Mariengarten. In: Nordrheinisches Klosterbuch. Teil 3: Köln. Siegburg 2022, S. 525 ff.
  4. Herman Josef Hüsgen: Zisterzienserinnen in Köln.
  5. Rosellen: Aus dem Hauptbuch des Klosters Burbach von 1753.
  6. Waldemar Koenighaus: Köln – St. Mariengarten. In: Nordrheinisches Klosterbuch. Teil 3: Köln. Siegburg 2022, S. 528.
  7. Meuthen, Universität, S. 352.
  8. Vgl. Regest einer Urkunde der Äbtissin Agnes Dasse vom 8. August 1484; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 122, S. 44 (PDF, 6,19 MB, des Landschaftsverbandes Rheinland).
  9. a b c d Vgl. Aegidius Gelenius: De admiranda Sacra et civili magnitudine Coloniae Claudiae. Jodocus Calcovius (Kalkofen), Köln 1645, S. 544f (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).
  10. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1001 Sammlung Alfter).
  11. Vgl. Adolf von Hüpsch: Epigrammatographie oder Sammlung von Inschriften … der niederdeutschen Provinzen, Bd. II. Hans, Köln 1801, Nr. 71, S. 29–31 (Google Books).
  12. Nach älterer Literatur befand sich ihr Grab in der Pfarrkirche St. Matthias in Reifferscheid (Hellenthal). Die dortige Gruft wurde jedoch erst 1629 angelegt; vgl. Kirche Sankt Matthias in Reifferscheid. Eintrag in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland. Abgerufen am 25. Juni 2024.
  13. Der Text des Epitaphs ist auszugsweise wiedergegeben bei Joseph Hartzheim: Bibliotheca coloniensis. Thomas Odendall, Köln 1747, S. 137 (Google Books), und Arnoldus Buchelius bei Hermann Keussen: Die drei Reisen des Utrechters Arnoldus Buchelius nach Deutschland, insbesondere sein Kölner Aufenthalt I. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere das Alte Erzbistum Köln 84 (1907), S. 1–102, bes. S. 73f, und in der Sammlung Alfter, vgl. Adolf von Hüpsch: Epigrammatographie oder Sammlung von Inschriften … der niederdeutschen Provinzen, Bd. II. Hans, Köln 1801, Nr. 82, S. 36 f.
  14. Waldemar Koenighaus: Köln – St. Mariengarten. In: Nordrheinisches Klosterbuch. Teil 3: Köln. Siegburg 2022, S. 525.
  15. Abbildung der Maria auf der Mondsichel mit Heiligen und der Familie des Grafen Gumprecht // Maria auf der Mondsichel mit der Familie des Grafen von Neuenahr im Bildarchiv Foto Marburg.

Koordinaten: 50° 56′ 27,9″ N, 6° 57′ 13″ O