St. Mariä Geburt (Gerblingerode)
St. Mariä Geburt, teilweise auch als St. Maria Geburt bezeichnet, ist die römisch-katholische Kirche in Gerblingerode, einem Stadtteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die Kirche trägt das Patrozinium des Geburtsfestes der Gottesmutter Maria (Mariä Geburt) und gehört als Filialkirche zur Pfarrei St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim. Die Gruppe „Katholische Kirche, mit Kirchturm und Pfarrhaus“ hat als Baudenkmal die ID-Nr. 45320846.
Geschichte
Im 13./14. Jahrhundert wurde in Gerblingerode eine Kapelle errichtet. Ihre Pfarrei gehörte zum nahegelegenen Kloster Teistungenburg, Pfarrer in Gerblingerode war der Propst des Klosters. Nach der 1809 erfolgten Auflösung des Klosters wurde Gerblingerode von Geistlichen aus Duderstadt betreut.
1895 wurde die Kapelle durch eine neue Kirche ersetzt. Paschalis Gratze OFM entwarf einen zweischiffigen, neugotischen Backsteinbau mit einem schlanken Turm. Bischof Daniel Wilhelm Sommerwerck nahm am 27. Oktober 1895 die Kirchweihe vor. Die Bleiglasfenster wurden von der Glasmalerwerkstatt Hertel und Lersch aus Düsseldorf geschaffen. Altäre, die Kanzel, der Beichtstuhl, das Kirchengestühl und weitere Ausstattungsstücke stammt aus der Werkstatt Oppermann in Duderstadt. Anton Mormann schuf für den Hochaltar der Kirche 1895 zwei Reliefs, die zeigen die Geburt Jesu und die Heiligen Drei Könige. Mormann fertigte auch zwei Heiligenstatuen, die die heiligen Apostel Petrus und Paulus darstellen, die Schutzpatrone der Teistungenburger Klosterkirche, sowie zwei Tabernakelengel an. Die Orgel war ein Werk von Louis Krell aus Duderstadt von 1897. 1906 bekam die Kirche ihren Kreuzweg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Katholikenzahl in Gerblingerode stark angewachsen, so dass die Kirche in den 1960er Jahren für die Gemeinde zu klein geworden war und 1970 gesprengt und abgerissen wurde. Die Ausstattungsstücke der Kirche gingen dabei teilweise verloren oder kamen in das Städtische Museum Göttingen. Auf dem durch Zukäufe erweiterten Grundstück der alten Kirche an der Duderstädter Straße, der heutigen Gerblingeröder Straße, begannen im Sommer 1970 die Arbeiten für den Neubau. Die Bauleitung übernahm der Architekt Wilhelm Bringmann aus Bilshausen. Am 8. November 1970 erfolgte die Grundsteinlegung durch den Duderstädter Propst Franz Ernst, das Richtfest folgte am 25. Juni 1971. Die Kirchweihe vollzog Bischof Heinrich Maria Janssen am 6. Februar 1972. 1973 folgte der Bau des Glockenturmes, 1975 wurde die Pfarrgemeinde Gerblingerode errichtet. Von 1977 bis 1979 wurde auf dem gleichen Grundstück, nordöstlich der Kirche, das Pfarrhaus erbaut.[1]
Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Pfarrei Duderstadt-Gerblingerode zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[2] Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt, die Pfarrgemeinde St. Mariä Geburt, Duderstadt-Gerblingerode, wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.[3]
Lage, Architektur und Ausstattung
Die nach Westen ausgerichtete Kirche steht an der Bundesstraße 247 auf dem Grundstück Gerblingeröder Straße 46, an der Ecke zur Brückenstraße.
Der gelbe, schiefergedeckte Klinkerbau stellt die noch relative junge katholische Kirche St. Mariä Geburt dar. Sie besitzt einen freistehenden, 32 Meter hohen Glockenturm aus drei übereck angeordneten Betonpfeilern und wird durch ein dreiansichtiges Kreuz mit einer Höhe von 2,50 Meter gekrönt. Der Braunschweiger Architekt Wolfgang Tschirschwitz (1923–2022) strebte bei dem Entwurf der neuen Kirche eine bauliche Einheit des Sakralraums sowie der angegliederten Nebenräume an. Sie sollten als Pfarrzentrum dienen.
Der Kirchenraum selbst stellt sich als ein langgezogenes Sechseck dar und wird durch eine holzgetäfelte Pyramidendecke überspannt. Der Künstler Claus Kilian gestaltete das Kircheninnere. Im Zentrum des weiträumigen und durch drei Stufen erhöhten Altarraums im westlichen Bereich der Kirche befindet sich der Tabernakel. Er wurde aus farbigem Email und Kupfer hergestellt und trägt eine geometrische Ornamentik. Blockhaft und aus weißem Stein präsentiert sich dagegen der Altar, über welchem ein Barockkruzifix hängt. Hinterfangen wird es durch eine ornamentierte Metallplatte in einer abgewandelten Kreuzform. Der einstmalige Mittelpunkt der bereits 1439 erwähnten Marienwallfahrt, eine gotische Mondsichelmadonna, fand seitlich des Altars vor einem weißen Steinblock mit flammenartiger Mandorla einen neuen Platz. Die Orgel von 1971 ist ein Werk der Gebr. Krell aus Duderstadt.[4] Die Decke wird durch Oberlichter durchbrochen, daneben befinden sich an der Nordwand vier farbige Glasfenster mit Passionsdarstellungen, die von Claus Kilian entworfen wurden.
Eine weitere katholische Einrichtung im Einzugsgebiet der Kirche ist die Kindertagesstätte St. Mariä Geburt, die von der Pfarrgemeinde St. Cyriakus Duderstadt getragen wird.[5]
Siehe auch
- Baudenkmal-Gruppe: Katholische Kirche, mit Kirchturm und Pfarrhaus
- Liste der Kirchen im Eichsfeld
- Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim
- Mariä-Geburt-Kirche
Literatur
- Maria Kapp: St. Maria Geburt in Gerblingerode. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 261–270.
- Wolfgang Müller: St. Maria Geburt – Gerblingerode. In: Die Propsteikirche St. Cyriakus in Duderstadt und die Filialkirchen. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2012, ISBN 978-3-86944-058-3, S. 53–57.
Weblinks
- Kirche auf Internetpräsenz der Pfarrgemeinde
- Kath. Kirchenanlage St. Mariä-Geburt Duderstadt-Gerblingerode t+p architekten lohmann rumke PartGmbB
- Fotogalerien mit Bildern der Vorgängerkirche
Einzelnachweise
- ↑ Pfarrhaus. Denkmalatlas Niedersachsen, abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36.
- ↑ Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Mariä Verkündigung, Duderstadt-Breitenberg, St. Mariä Geburt, Duderstadt-Gerblingerode, St. Andreas, Duderstadt-Mingerode, St. Nikolaus, Duderstadt-Tiftlingerode, St. Johannes Baptist, Duderstadt-Westerode und über die Zuweisung des Gebietes zur katholischen Pfarrgemeinde St. Cyriakus, Duderstadt. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 236–238.
- ↑ Kirchenorgeln im Eichsfeld. Freunde der Kirchenmusik im Eichsfeld e.V., abgerufen am 4. Januar 2026.
- ↑ Kath. Kindertagesstätte St. Mariä Geburt, Gerblingerode. Deutscher Caritasverband e. V., abgerufen am 4. Januar 2026.
Koordinaten: 51° 29′ 40″ N, 10° 15′ 40,3″ O