St. Mariä Empfängnis (Lürrip)
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis steht im Stadtteil Lürrip im Stadtbezirk Ost von Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen), Neusser Straße 224–228.
Das Gebäude wurde 1856–1859 nach Plänen von Vincenz Statz erbaut und 1907–1909 nach Plänen von Franz Statz erweitert. Es wurde unter Nr. N 011 am 19. März 1992 in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach eingetragen.[1]
Die Kirche ist Pfarrkirche der Pfarre Maria von Magdala/Mönchengladbach im Pastoralen Raum Mönchengladbach Mitte-Nordost.
Lage
Die Kirche liegt an der Neusser Straße im Ortsteil Lürrip.
Geschichte
Lürrip gehörte ursprünglich zur Pfarre St. Mariä Himmelfahrt, Mönchengladbach und hatte keine eigene Kirche oder Kapelle. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung derart zu, dass der Bau einer Kirche in Lürrip erforderlich wurde. Ortsansässige Bürger gründeten ein Baukomitee, dass den Kölner Architekten Vincenz Statz mit der Planung einer Kirche beauftragte, mit deren Bau 1856 begonnen wurde. Nach dreijähriger Bauzeit war die neue Kirche vollendet und konnte im Herbst 1859 benediziert werden. Die feierliche Kirchweihe nahm am 24. Juni 1860 der Kölner Weihbischof Johann Anton Friedrich Baudri vor. Am 20. November 1860 schenkte das Baukomitee die Kirche der Pfarre St. Mariä Himmelfahrt. 1868 erfolgte die Erhebung zur eigenständigen Pfarrei.[2]
Bereits 1889 war die Kirche aufgrund der stark angewachsenen Zahl der Gottesdienstbesucher zu klein geworden, sodass der damalige Pfarrer Jakob Eduard Franz Hubert Ibels Sammlungen zugunsten einer Erweiterung abhalten ließ. Nachdem genügend finanzielle Mittel bereitstanden, wurde Diözesanbaumeister Franz Statz aus Köln mit der Planung des Erweiterungsbaus beauftragt, der das heutige Erscheinungsbild der Kirche prägt. Er plante den Abriss des alten Chores und daran anschließend den deutlich größeren und höheren Erweiterungsbau anschließend an das alte Kirchenschiff. Zu den Planungen gehörte auch ein neuer Glockenturm, der jedoch nie realisiert wurde. In der ersten Jahreshälfte 1907 wurde mit dem Bau begonnen, die feierliche Grundsteinlegung nahm am 29. September 1907 Erzbischof Antonius Kardinal Fischer vor. Zu diesem Zeitpunkt waren die Mauern des Erweiterungsbaus schon bis auf Fensterhöhe aufgemauert.[3] Bereits Ende 1908 war die Kirche soweit fertiggestellt, dass Domkapitular Arnold Steffens am 1. Januar 1909 die erste Heilige Messe halten und den Erweiterungsbau benedizierten konnte.[4] Am 6. Juni 1909 weihte schließlich Erzbischof Antonius Kardinal Fischer die erweiterte Kirche sowie den Hochaltar.[5]
Die Pfarre St. Mariä Empfängnis/Lürrip wurde zum 1. Januar 2026 aufgehoben und mit weiteren aufgehobenen Pfarreien zur Großpfarre Maria von Magdala/Mönchengladbach fusioniert. Seitdem ist St. Mariä Empfängnis die Pfarrkirche der neuen Pfarrei, zu der als Nebenpfarrkirchen auch St. Bonifatius (Mönchengladbach) und St. Josef (Mönchengladbach) gehören.[6]
Architektur
Bei dem Objekt handelt es sich um eine zweischiffige Backsteinkirche mit Kreuzrippengewölben zu vier Jochen unter einem Satteldach. Erweiterungsbau 1907/09 nach Plänen von Franz Statz in Form einer dreischiffigen Basilika mit Querhaus aus Backstein.
Orgel
Firma Müller aus Reifferscheidt in der Eifel erbaute 1888 die erste Orgel. Nach der Gebäude-Erweiterung von 1909 wurde diese zu klein. Daher erhielt Orgelbau Klais den Auftrag zu einem Neubau, der 1912 als Opus 438 fertiggestellt wurde.[7] Mit 30 Registern handelt es sich hierbei um die größte erhaltene Klais-Orgel im Stadtgebiet von Mönchengladbach.[8] Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch Querschläger und Granateinschläge beschädigt, wurde die Orgel 1947 von der Aachener Werkstatt Stahlhuth notdürftig wiederhergestellt und die Disposition in neobarockem Sinne umgestaltet. Im zweiten Manual wurden über die Hälfte der Stimmen verändert, indem Register aufgerückt wurden (z. B. Lieblich Gedackt 16' zu 8') oder gar Grundstimmen zu kleineren Registern und Aliquoten (z. B. Quinte 1 1⁄3′) abgeschnitten wurden. In Hauptwerk und Pedal wurde jeweils nur ein Register ausgetauscht (HW: Bleigedackt 4' statt Gamba 8', PD: Choralbaß 4' statt Violoncello 8').[9] Die pneumatischen Trakturen wurden belassen und nicht elektrifiziert. Da die Orgel gegen Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend defekt und statisch instabil wurde,[10] plante die Gemeinde seit 2007 mit Orgelbau Klais eine gründliche Restaurierung und Wiederherstellung. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2012 wurde die in den Originalzustand zurückgeführte Orgel in einem Festgottesdienst am 8. Dezember 2012 wieder in Betrieb genommen.[11] Zum besonderen, gleichsam kathedralesken Hörerlebnis trägt bei, dass sich das Instrument auf einer sehr hoch gelegenen Empore befindet und von dort seinen Klang in einen Kirchenraum mit sieben Sekunden Nachhall entlässt. Die Disposition lautet seit der Restaurierung 2012:[12][13]
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- Koppeln: II/I, sub II/I, super II/I (ausgebaut bis g4), I/P, II/P, super II/P
- Spielhilfen: 1 freie Kombination, 4 feste Kombinationen (p, mf, f, tutti), Registerschweller
- Traktur: pneumatische Kegelladen
Pfarrer
Folgende Priester wirkten bislang als Rektoren bzw. seit 1860 als Pfarrer an St. Mariä Empfängnis:[14]
- 1861–1863: Theodor Breyen
- 1868–1888: Johann Wilhelm Arenz
- 1889–1901: Jakob Eduard Franz Hubert Ibels
- 1901–1917: Heinrich Hubert Ochs
- 1920–1946: Adolf Brochhaus
- 1946–1972: Johannes Impekoven
- 1972–2002: Hubert Franz Schruff
- 2002–2017: Karl Heinz Graff
- 2017–2019: Norbert Kaniewski
- 2019–2024: Vakant
- Seit 2024: Thomas Porwol
Siehe auch
Literatur
- Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Städte und Kreise Gladbach und Krefeld (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Dritter Band, Nr. IV). Schwann, Düsseldorf 1893 (Digitalisat [abgerufen am 2. Juni 2012]).
Weblinks
- Käthe Limburg, Bernd Limburg: Denkmale in der Stadt Mönchengladbach. In: unterwegs & daheim – Homepage von Käthe und Bernd Limburg. 18. Juli 2011, abgerufen am 14. April 2023.
Einzelnachweise
- ↑ Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach. (PDF) Stadt Mönchengladbach, 8. Juni 2021, abgerufen am 14. April 2023.
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 1068.
- ↑ Westdeutsche Landeszeitung Nr. 226. Montag, 30. September 1907. Artikel: Grundsteinlegung der Kirche in Lürrip. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Westdeutsche Landeszeitung Nr. 1. Samstag, 2. Januar 1909. Artikel: Einweihung der neuen Kirche in Lürrip. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Westdeutsche Landeszeitung Nr. 128. Montag, 7. Juni 1909. Artikel: Konsekration der neuen Maria Empfängnis-Pfarrkirche. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Nr. 229 Dekret über die Errichtung der Pfarrei und Kirchengemeinde Maria von Magdala in Mönchengladbach. In: Kirchliches Amtsblatt des Bistums Aachen Nr. 9.2/2025. Abgerufen am 6. Januar 2026.
- ↑ Orgelbau Klais: Mönchengladbach-Lürrip, Maria Empfängnis. Restaurierung der Klais-Orgel von 1912
- ↑ Holger Brülls: Mönchengladbacher Orgeln aus drei Jahrhunderten. Die denkmalwürdigen Instrumente im Stadtgebiet unter musik-, kunst- und zeitgeschichtlichem Aspekt, in: Rheydter Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Heimatkunde 19/1991, S. 41–62, hier S. 49.
- ↑ Brülls, Mönchengladbacher Orgeln aus drei Jahrhunderten, wie zuvor, S. 50.
- ↑ Brülls, Mönchengladbacher Orgeln aus drei Jahrhunderten, wie zuvor, S. 51.
- ↑ Faltblatt mit Disposition: Wiederinbetriebnahme der restaurierten Klais-Orgel in Mönchengladbach-Lürrip am Samstag, dem 8. Dezember 2012 im Festgottesdienst um 18.30 Uhr.
- ↑ Disposition auf der Seite von Klais Orgelbau
- ↑ Disposition im Organindex
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 1068.
Koordinaten: 51° 12′ 13,2″ N, 6° 28′ 19,8″ O