St. Leonhard (Fischach)

St. Leonhard ist eine im Jahr 1710 erbaute römisch-katholische Kapelle in Fischach, einer Marktgemeinde im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern. Sie befindet sich am südlichen Rand des Angers zwischen der Augsburger Straße und der Kapellenstraße (sogenannter Kapellenplatz) und ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.[1]

Geschichte

Überlieferungen zufolge befand sich im Bereich der heutigen Kapelle zunächst eine einfache Bildsäule zu Ehren des heiligen Leonhard. Diese wurde im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Leonhard Plappert, Vogt des Klosters Oberschönenfeld, ließ 1669 ersatzweise ein Kapellchen zu Ehren seines Namenspatrons errichten.

Aufgrund der geringen Größe errichtete man 1710 die heutige Kapelle. In dieser Zeit wurden auch mehrere Linden neben der Kapelle gepflanzt. 1750 erhielt die Kapelle durch den Maurermeister Sebastian Rindle und den Zimmerermeister Severin Rindle eine neue Giebelmauer mit Dachreiter.

Der Heimatdichter Georg Mader beschrieb die Kapelle 1913 als „anmutige, unter mächtigen Linden versteckte Leonhardikapelle“, die „schon in ihrer Lage etwas altpatriarchalisch Weihevolles hat“.[2]

Bis Ende der 1960er Jahre fand jedes Jahr der Leonhardiritt von der Pfarrkirche zur Leonhardskapelle mit Pferdebenediktion auf dem Kapellenplatz statt.[3]

2014 musste die südliche Linde wegen Befalls mit einem Brandkrustenpilz gefällt werden. Die letzte verbliebene Linde galt zunächst als gesund.[4] Bei Begutachtungen Ende 2023 zeigte sich jedoch, dass auch diese Linde von einem Pilz befallen war, der Rinde und Stamm zersetzte. Daraufhin wurde sie im Februar 2024 gefällt.[5]

Beschreibung

Die Kapelle ist ein Rechteckbau mit dreiseitigem Chorschluss sowie Dachreiter mit Zeltdach und einer Glocke. Diese stammt aus dem Jahr 1820 und wurde von Agabitus Hubinger in Kremsmünster gegossen. Im Deutschen Glockenatlas trägt sie die Nummer 73. Sie ist verziert mit hängenden Akanthuspalmetten der Barockzeit sowie einer Darstellung des Christus am Kreuz.[6]

Ursprünglich war die Kapelle von Linden umgeben. Im Februar 2024 wurde aus Sicherheitsgründen schließlich die letzte Linde gefällt. Sie war als Naturdenkmal gelistet.[7]

Ausstattung

Die Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert ist vor Ort nicht mehr vorhanden. Der Altar und die Statue des heiligen Leonhard stammen aus der Zeit um 1900.[3] Zudem gibt es zwei Votivtafeln: Die ältere stammt aus dem Jahr 1745 und zeigt eine Prozession mit Viehsegnung. Auf dem Bild ist zu erkennen, dass der Wald seinerzeit noch bis an die Kapelle heranreichte. Die zweite Votivtafel entstand um 1840 und zeigt einen Mann, der auf freiem Feld vor dem heiligen Leonhard kniet.[3]

Siehe auch

Commons: St. Leonhard (Fischach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quelle

  • Michael Piller: Fischach – Geschichte einer Mittelschwäbischen Marktgemeinde, Anton H. Konrad Verlag, 1981, ISBN 3-87437-178-6, Seite 169 ff.

Einzelnachweise

  1. Denkmalliste für Fischach (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-7-72-141-1.
  2. Georg Mader: Leonhardi – Erinnerungen aus der Umgebung der schwäbischen Hauptstadt. Bayernland, 1913/1914, S. 166–170.
  3. a b c Heimatverein für den Landkreis Augsburg: Jahresbericht 1980/81. Augsburg, 1981, S. 281 ff.
  4. Pilzbefall: Linde muss gefällt werden. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 27. Oktober 2014, abgerufen am 3. Januar 2023.
  5. Den Bauern geht es um den Erhalt ihrer Lebensgrundlage. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 2. Februar 2024, S. 47.
  6. Walter Pötzl (Hrsg.): Kunstgeschichte. In: Der Landkreis Augsburg, Band 6, Augsburg, 1997, S. 130–137.
  7. Naturdenkmäler im Landkreis Augsburg, abgerufen am 4. Januar 2022.

Koordinaten: 48° 17′ 29,1″ N, 10° 39′ 30″ O