St. Kunibert (Blatzheim)
St. Kunibert ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Blatzheim, einem Stadtteil von Kerpen im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen.
Die Kirche wurde zwischen 1923 und 1924 nach Plänen von Heinrich Renard und Josef van Geisten erbaut und ist unter Nr. 54 in die Denkmalliste eingetragen.
Geschichte
Die Kirche wurde erstmals im Liber valoris aus der Zeit um 1300 erwähnt, zugleich war Blatzheim zu dieser Zeit bereits eigenständige Pfarre. Das Kollationsrecht besaß bis zur Säkularisation der Capellarius des Kölner Erzbischofs.[1] Zur Pfarre Blatzheim gehörte ursprünglich auch als Filiale das benachbarte Manheim mit der Kirche St. Albanus und Leonhardus, das aber um 1802/04 von Blatzheim losgelöst und eigenständige Pfarre wurde.[2] Ende des 15. Jahrhunderts bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurde eine neue dreischiffige Kirche in Formen der Spätgotik errichtet. Sie ersetzte einen romanischen Vorgängerbau des 11./12. Jahrhunderts. 1605 folgte der Bau des heute noch bestehenden Glockenturms, 1639 wurde eine Sakristei angebaut. 1794 brannte das Dach der Kirche, dabei sind vermutlich auch die Gewölbe des Langhauses eingestürzt. Diese wurden in der Folge durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt. Nur im Chor hatte sich das spätgotische Gewölbe noch erhalten.[3]
Bereits in den 1910er Jahren genügte die alte Kirche nicht mehr den Ansprüchen der Pfarrgemeinde und es folgten Planungen zum Bau einer neuen Pfarrkirche. Diese Planungen wurden besonders unter Pfr. August Kugelmeier, der 1913 die Pfarrstelle übernahm, vorangetrieben. Aufgrund der Gegenwehr einiger vermögender Familien endeten diese Bemühungen 1913/14 im Blatzheimer Katholikenstreit und der Versetzung von Pfr. Kugelmeier im April 1914. Das Projekt Kirchenneubau wurde zunächst nicht weiterverfolgt.
Anfang der 1920er Jahre, unter wirtschaftlich schweren Bedingungen, wurden die Planungen zum Kirchenneubau wiederaufgenommen. Das heutige Kirchenschiff wurde schließlich von 1923 bis 1924 im neobarocken Baustil unter Beibehaltung des Turms aus dem Jahr 1605 nach Plänen der Kölner Architekten Heinrich Renard und Josef van Geisten erbaut.[4] Der Grundstein wurde am 22. Juli 1923 im Auftrag des Kölner Erzbischofs durch den aus Blatzheim stammenden Prälaten Christian Krabbel gelegt.[5][6] Bereits nach einjähriger Bauzeit war die neue Kirche fertiggestellt und wurde ebenfalls von Prälat Krabbel am 1. November 1924 im Rahmen einer ersten Heiligen Messe benediziert.[7] Die eigentliche Kirchweihe nahm am 12. Juli 1925 der Kölner Erzbischof Karl Joseph Kardinal Schulte vor.[8]
Ausstattung
Von der Ausstattung der Kirche sind der neobarocke Hochaltar von 1927/1928 zu erwähnen, die Fenster, welche 1923/24 nach Plänen von Heinrich Oidtmann aus Linnich geschaffen wurden und der Kreuzweg, den der Blatzheimer Künstler Ferdinand Müller 1846 schuf.
Orgel
Die Orgel der Manufaktur Johannes Klais Orgelbau von 1928 (Opus 705) verfügt über 27 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch.[9]
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- Koppeln
- Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
- Suboktavkoppeln: II/I
- Superoktavkoppel: II/I, II/II
- Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Piano, Forte, Tutti, Crescendowalze, 16′-Ab, Zungen Ab, Tremolo
Glocken
Im Turm hängen drei Kirchenglocken aus Bronze, die 1790 von Peter Legros, Malmedy gegossen wurden.
| Glocke | Name | Durchmesser | Masse ≈ | Schlagton (HT-1⁄16) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Kunibert | 1172 mm | 1040 kg | e′-1 |
| 2 | Maria | 1038 mm | 698 kg | fis′-2 |
| 3 | Bartholomäus | 928 mm | 484 kg | gis′-2 |
Läutemotiv: Pater noster[10]
Pfarrer
Folgende Priester wirkten bisher u. a. als Pfarrer an St. Kunibert:
- 1887–1913: Ludgerus Gillissen
- 1913–1914: August Kugelmeier
- 1914–1959: Joseph Wolters
- 1959–1975: Erwin Düster[11]
- 1978–1995: Helmut Johannes Smialek
- 1995–2010: Georg Wilhelm Neuhöfer (Pfarradministrator)
- Seit 2010: Ludger Möers
Weblinks
- Die katholische Kirche St. Kunibert auf kerpen-blatzheim.de
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Polaczek und Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bergheim. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 4, Düsseldorf 1899, S. 426 f.
- ↑ Peter Staatz: Manheim - Aus der Geschichte eines Dorfes von den Anfängen bis zur Umsiedlung. Köln 2024, S. 96 f.
- ↑ Ernst Polaczek und Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler des Kreises Bergheim. In: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 4, Düsseldorf 1899, S. 426 f.
- ↑ Bergheimer Zeitung Nr. 10 - 93. Jahrgang. Donnerstag, 22. Januar 1925. Artikel: Aus Nah und Fern. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Bergheimer Zeitung Nr. 83 - 91. Jahrgang. Dienstag, 24. Juli 1923. Artikel: Aus Nah und Fern. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Bergheimer Zeitung Nr. 84 - 91. Jahrgang. Donnerstag, 26. Juli 1923. Artikel: Aus Nah und Fern. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Bergheimer Zeitung Nr. 127 - 92. Jahrgang. Dienstag, 11. November 1924. Artikel: Kirchliches. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Bergheimer Zeitung Nr. 83 - 93. Jahrgang. Samstag, 11. Juli 1925. Artikel: Aus Nah und Fern. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Kerpen/Blatzheim, St. Kunibert. In: Organ index. Abgerufen am 14. Oktober 2025.
- ↑ Gerhard Hoffs: Glocken im Dekanat Kerpen, S. 18.
- ↑ Totelzettel Düster, Erwin. In: Internetseite Totenzettelsammlung Rhein-Erft. Abgerufen am 17. November 2025.
Koordinaten: 50° 51′ 19,4″ N, 6° 37′ 59″ O