St. Joseph (Münchingen)
Die Kirche St. Joseph ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Kirchengemeinde in Münchingen im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg und wurde 1961 erbaut. Sie steht unter dem Patronizium des Heiligen Josef, des Patrons der Arbeiter.
Geschichte
Seit der Reformation war Münchingen evangelisch geprägt. Als nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Zuzug von Heimatvertriebenen, darunter etwa 300 ungarndeutschen katholischen Familien aus Zsámbék, die Zahl der Katholiken in Münchingen stark anwuchs, entstand in den späten 1950er-Jahren die Initiative zu einem katholischen Kirchenbau. Nach einem Gemeindetreffen 1957 wurden Geldsammlungen durchgeführt und bereits im Juli 1960 erfolgte der erste Spatenstich.[1]
Dank umfangreicher Eigenleistungen von Gemeindemitgliedern wurde die Kirche in anderthalb Jahren errichtet. Am 3. Dezember 1961 wurde das Gebäude für den gottesdienstlichen Gebrauch eingeweiht, die feierliche Kirchweihe nahm der Rottenburger Bischof Carl Joseph Leiprecht am 27. Mai 1962 vor.[1]
1964 wurde eine Orgel mit 11 Registern auf zwei Manualen und Pedal der Orgelbaufirma Rieger eingebaut.[2]
2005 wurde vom Architekten Stefan Eckerle der Vorplatz neu gestaltet.
Architektur und Ausstattung
Die Kirche wurde nach den Plänen des Architekten Karl Hans Neumann in einer schlichten, scheunenhaften Form errichtet, die sich in das landwirtschaftlich geprägte Strohgäu einfügt. Der Innenraum ist großräumig und bewusst einfach gehalten. Die verwendeten Materialien orientieren sich an bäuerlichen Gebrauchsmaterialien: grober, ungeschliffener Quarzit im Altarraum, roter Ziegelboden im Schiff, Naturholz für die Decke und grober Wandputz. Die Lichtführung betont den Altarbereich und lenkt den Blick des Besuchers auf das liturgische Zentrum.[1]
Die Kirche misst 28,7 Meter in der Länge, 22,5 Meter in der Breite, ist 13 Meter hoch und bietet etwa 450 Sitzplätze. Vor dem eigentlichen Kirchenraum steht ein Campanile von 26 Metern Höhe.
Die Türgriffe am Eingang entwarf der Bildhauer Josef Frey aus Stuttgart-Weilimdorf. Sie zeigen die törichten und die klugen Jungfrauen aus dem Gleichnis (Matthäus 25,1–13 ) als Mahnung zur Wachsamkeit.[3] Aus Teilen der ursprünglichen Ausstattung wurden kreativ neue Elemente geschaffen: So bildet der aufgerichtete Deckel des ehemaligen Taufbeckens zusammen mit ehemaligen Kommunionbänken den „Segnenden Christus“ vor der Kirche; aus Granitbänken wurden der kreuzförmige Sockel des neuen Taufbeckens sowie ein Weihwasserbecken gefertigt.
Am Ausgang erinnern vier apokalyptische Reiter an die Grenzen und Gefährdungen menschlichen Lebens und zugleich an die christliche Hoffnung auf das endgültige Heil.
Kruzifix, Tabernakel und Altar
Der Altar besteht aus zwölf Steinen als Symbol der zwölf Apostel, in ihn sind Reliquien der Märtyrer Prosperus und Clemens eingelassen.
Kruzifix und ursprünglicher Tabernakel sowie das Kanzelrelief stammen von der Bildhauerin Lydia Dressely. Der Korpus des Kruzifixes deutet zugleich Passion und Auferstehung an, der Körper des Christus neigt sich dem Betrachter zu und löst sich zugleich nach oben.
Der Stuttgarter Künstler Gerhard Tagwerker gestaltete 1973 den Tabernakel in seiner heutigen Form sowie die Altarleuchter. 1986 schuf Tagwerker außerdem noch eine fast lebensgroße Bronzefigur des Heiligen Joseph.[1]
Betonglaswand
An der Nordseite befindet sich eine großflächige, farbige Betonglaswand des Kunstmalers Rudolf Haegele. Die Wand nimmt Bezug auf den Lobgesang der Männer im Feuerofen in Daniel 3,51-87 und thematisiert die Herrlichkeit der Werke Gottes. Farbige Streifen symbolisieren Feuer und Glut, Blitze, Wasser und Meer, Wind und Wolken, Licht und Dunkelheit sowie Ähren und Trauben (als Früchte des Altarsakraments); die Streifen wenden sich zentral dem Motiv „Erde“ zu.
Marienstatue
Im südlichen Seitenschiff steht eine Madonna mit Kind, die vermutlich aus den südlichen Niederlanden stammt und in das 15. Jahrhundert datiert wird.
Kreuzweg
An Ost- und Südwand hängt ein Kreuzweg mit vierzehn Stationen, das fünfzehnte Bild hinter dem Tabernakel thematisiert die Auferstehung. Der Kreuzweg wurde in Emailtechnik vom Kölner Künstler Egino Weinert gestaltet und zeichnet sich durch intensive Farbgebung und ausdrucksstarke Figuren aus. Seit 2006 ersetzt dieser Kreuzweg einen früher von Gemeindemitgliedern hergestellten Kreuzweg aus zerbrochenen Fliesen.[1]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e 50 Jahre St. Josef Münchingen 1962-2012. (PDF) Abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Münchingen (DE) Katholische Kirche. (PDF) Abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Seelsorgeeinheit: SE Strohgäu | St. Joseph, Münchingen. 12. Dezember 2022, abgerufen am 28. November 2025 (deutsch).
Koordinaten: 48° 51′ 4,1″ N, 9° 5′ 41,9″ O