St. Josef (Neu-Isenburg)
Die römisch-katholische, denkmalgeschützte Kirche St. Josef steht in Neu-Isenburg, einer Mittelstadt im Landkreis Offenbach in Hessen. Die Kirchengemeinde gehört zum Pfarreienverbund Neu-Isenburg im Pastoralraum Dreieich-Isenburg der Region Mainlinie des Bistums Mainz.
Geschichte
Die Kirche in Form einer Basilika im Stil des Eklektizismus mit neuromanischen und auch byzantinischen Einflüssen wurde 1910/11 nach einem Entwurf des Architekten Hans Rummel gebaut und am 23. Oktober 1911 durch den Mainzer Bischof Georg Kirstein geweiht.
Beschreibung
Außen
Das hohe, mit einem steilen Satteldach gedeckte Mittelschiff wird begleitet durch zwei Seitenschiffe und nach Osten abgeschlossen durch einen eingezogenen und niedrigeren halbrunden Chor. Die Fassade im Westen ist durch eine Arkade geprägt, die zum Portal führt.
Der quadratische, mit einer Glockenhaube bedeckte Kirchturm steht in der Ecke vom nördlichen Seitenschiff und dem östlichen Chor.
Innen
Das Mittelschiff ist im Inneren mit einer Kassettendecke überspannt, die Seitenschiffe mit Gewölben und der Chor mit einem Tonnengewölbe. Am Anfang des 21. Jahrhunderts wurde der Innenraum von Damaris Wurmdobler ausgemalt. Im Chor sind fünf Buntglasfenster zu sehen: Christus in der Mitte ist umgeben von den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.
Orgel
1961 baute Orgelbaumeister Erich Breitmann aus Nieder-Olm unter Verwendung von Material aus 3 gebrauchten Orgeln ein dreimanualiges Instrument für St. Josef, welches er 1973 noch erweiterte. Im Laufe der Jahrzehnte traten immer mehr technische Mängel an der Breitmann-Orgel auf, die schließlich in den späten 1990er Jahren zur Unbespielbarkeit führten. 1985 begann der lange Prozess der Planung und Bemühung um eine neue Orgel. 1997 wurde dazu der Förderverein Pfeifenorgel St. Josef e.V. gegründet, der sich auch heute noch um den Erhalt der neuen Orgel kümmert. Zur Finanzierung des Neubaus wurden unter anderem Pfeifen der alten Orgel in diversen Aktionen verkauft. Dabei nicht veräußert wurden die historisch wertvollen Holzpfeifen von 1862 aus einer Flumser Orgel, die von Breitmann 1973 in die damalige Orgel integriert wurden. Letztere wurden aufgearbeitet und in der neuen Orgel verwendet.[1][2]
Die neue Orgel auf der Westempore der St. Josef Kirche verfügt über 31 Register auf zwei Manualen und Pedal. Sie hat Schleifladen mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur und wurde im Jahr 2000 als Opus 46 von Orgelbaumeister Karl Göckel in einem massiven Eichengehäuse erbaut. Hinter dem Prospekt befindet sich das Hauptwerk im nach hinten offenen Orgelgehäuse. Dahinter ist das Schwellwerk erhöht angeordnet und anschließend vor der Gebäudeaußenwand das Pedalwerk.[3][4][5]
2021 erfolgten größere Wartungsarbeiten an der Orgel durch die Erbauerfirma mit Ausreinigung und Erweiterung des Diskant-Registers Cornet V um 7 Töne nach unten. Somit wurde die Anzahl der Pfeifen von auf 2023 auf 2073 erhöht.
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- Koppeln: elektrisch, Bedienung durch Pistons
- Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
- Superoktavkoppeln: II/P, II/II
- Suboktavkoppeln: II/I, II/II
- Spielhilfen: Tutti, 256 (4*64) Setzerkombinationen mit Sequenzer (Taster und Pistons)
- Nebenregister: Röhrenglocken im Manual II (a0–es2) X
Anmerkungen
- ↑ Zur Schwebung tiefer gestimmt. (Bei a1 ca. 7 cent)
- X = histoisches Material aus Vorgängerorgel
Glocken
Im Glockenstuhl hängen vier Kirchenglocken, die 1954 von Friedrich Wilhelm Schilling gegossen wurden.
| Glocke | Name | Gewicht | Durchmesser | Schlagton | Inschrift |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Christus-Glocke | 1731 kg | 1348 mm | es′ | „Christus gestern, Christus heute, Christus in Ewigkeit. Darin ist die Liebe Gottes erfüllt.“ |
| 2 | Marien-Glocke | 932 kg | 1106 mm | ges′ | „Im Heiligen Jahr Mariens – 1954 – rief ich zum ersten Mal zu Gebet und Buße: Königin des Friedens, bitte für uns.“ |
| 3 | Josephs-Glocke | 630 kg | 977 mm | as′ | „Die Lebenden mahne ich. Die Toten begleite ich, St. Joseph – Schutzherr unserer Kirche – Patron der Sterbenden – bitte für uns. Das unter Pfr. Johannes Schweinsberger geschaffene und in beiden Weltkriegen geopferte Geläut, Herz Jesu, Maria, Joseph, Cäcilia, Fidelius, Amalberga, mahne zum Frieden.“ |
| 4 | Cäcilia-Glocke | 433 kg | 866 mm | b′ | „St. Cäcilia, bitte für uns. Ich singe zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.“ |
2021 wurde das Geläut saniert: Der Glockenstuhl und die Joche aus Stahl wurden durch einen Eichenholzglockenstuhl und Eichenholzjoche ersetzt. Ebenso wurden die Klöppel erneuert.
Literatur
- Folkhard Cremer und andere (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Hessen II, Regierungsbezirk Darmstadt. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2008, ISBN 978-3-422-03117-3, S. 609 (dehio.org).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Förderverein Pfeifenorgel St. Josef e.V. In: bistummainz.de. Pfarrei St. Josef Neu-Isenburg, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Achim Seip: Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz. Hrsg.: Publikationen Bistum Mainz. 2003, ISBN 3-8053-2838-9, S. 128.
- ↑ Die Orgel auf der Website des Herstellers. In: www.goeckelorgel.de. Karl Göckel Orgelbau, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Die Orgel bei organindex.de. In: organindex.de. Abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Die Orgel bei orgbase.nl. In: orgbase.nl. Abgerufen am 21. November 2025.
Koordinaten: 50° 3′ 21,4″ N, 8° 41′ 32,3″ O