St. Johannes Baptist (Westerode)
St. Johannes Baptist, teilweise auch als St. Johannes der Täufer bezeichnet, ist die römisch-katholische Kirche in Westerode, einem Stadtteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die Kirche ist nach dem heiligen Johannes dem Täufer benannt und gehört als Filialkirche zur Pfarrei St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim. Die Kirche hat als Baudenkmal die ID-Nr. 35203200.
Geschichte
Im 13. Jahrhundert wurde Westerode Pfarrei. Über das erste Gotteshaus in Westerode ist nichts mehr bekannt, vermutlich stand es bereits an der Stelle der heutigen Kirche.
1709 wurde Westerode eine Filiale von Duderstadt. Auf Initiative des erzbischöflichen Kommissarius Herwig Böning erfolgte 1714 die Errichtung einer einschiffigen Barockkirche. Es könnte sich dabei um einen Neubau, aber auch einen Wiederaufbau der möglicherweise im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgängerkirche handeln. Die Kirche trug bereits das Patrozinium des heiligen Johannes des Täufers und war nur klein und zu den Dorfstraßen hin umgeben von ebenfalls kleinen Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden, die zusammen beinahe so etwas wie eine Kirchenburg darstellten. Außer dem Hochaltar, der dem Schutzpatron der Kirche, dem heiligen Johannes dem Täufer, gewidmet war, besaß die Kirche einen Marienaltar.
Nachdem die Kirche baufällig und für die im 19. Jahrhundert angewachsene Bevölkerung Westerodes zu klein geworden war, wurden sie und auch die angrenzenden Wohnhäuser 1899 abgerissen, um Platz zu schaffen für einen größeren Kirchenbau. An ihrer Stelle wurde am 4. Juni 1899 der Grundstein für den Neubau gelegt, der 28. Oktober 1900 durch Propst Rudolf Bank seine Benediktion erhielt. Die Kirchweihe nahm am 22. August 1905 Georg Kardinal von Kopp, Fürstbischof von Breslau, vor, der den Bau finanziell erheblich unterstützt hatte.
Im Jahr 1938 lieferte die Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen zwei Bronzeglocken, die jedoch im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden. Das Geläut wurde 1959 durch zwei Otto-Glocken erneuert. 1969 wurde die Kirche modernisiert, dabei wurden unter anderem die Wandmalerei zerstört und die 1902 angefertigte Kanzel entfernt und vernichtet. Auch die Kommunionbank, der Nebenaltar und der Kronleuchter wurden entfernt, das Taufbecken wurde durch eine Neuanfertigung setzt. Gemäß der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ein Volksaltar aufgestellt. Der neue Altar ist ebenso wie das neue Taufbecken und ein neuer Ambo ein Werk von Hanns Joachim Klug. 1970 folgte die Installation eines neuen Kreuzwegs, 1976 bekam die Kirche eine neue Orgel.
Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Kuratie Duderstadt-Westerode zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[1] Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Cyriakus mit Sitz in Duderstadt, die Kuratie St. Johannes Bapt., Duderstadt-Westerode wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.[2]
Lage, Architektur und Ausstattung
Die Kirche steht an der Landesstraße 569 auf dem Grundstück Westeröder Straße 24, an der Ecke zum Niederdorf und zum Kirchweg.
Die Saalkirche ist nach den Plänen des Architekten August Peters aus Duderstadt im neugotischen Stil erbaut worden. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf dem Grundstück ist sie nach Nordwesten ausgerichtet. Das aus Bruchstein errichtete Bauwerk ist außen durch Strebepfeiler gegliedert. Sowohl das Kirchenschiff als auch der quadratische Chor sind mit Satteldächern überdeckt. Der auf einem rechteckigen Grundriss stehende, mehrfach untergliederte Turm wird von einem steilen verschieferten Helm bekrönt.
Das Geläut wurde 1959 durch zwei Glocken aus der Glockengießerei Otto erneuert. Die Glocken erklingen mit den Tönen g und c, sie haben die Durchmesser 1020 mm und 764 mm.[3][4]
Das Kreuzrippengewölbe überspannt die drei Joche des Langhauses und das Chorjoch. Das Abfangen des Gewölbeschubes unterstützen zwei Säulen im Kirchenschiff. Die 1969 zerstörte Deckenmalerei wurde 1996 teilweise rekonstruiert.
Das große, dominante Maßwerkfenster im Chor wurde der Kirche von Propst Karl Nolte aus Heiligenstadt gestiftet und im Jahre 1900 von der Glasmalerwerkstatt Hertel und Lersch aus Düsseldorf angefertigt. Die Rosette zeigt Gott den Vater mit Tiara und Weltkugel, darunter den Heiligen Geist, der als Taube dargestellt ist. Die Fenster darunter stellen Jesus Christus, auf einem Thron sitzend, ferner Engel sowie die heiligen Elisabeth von Thüringen und Johannes den Täufer dar.
Die Innenausstattung stammt größtenteils aus der Bauzeit. Der neugotische Schnitzaltar wurde 1901 vom Bildhauer Friedrich Oppermann aus Duderstedt angefertigt, er ist eine Schenkung des Duderstädter Propstes Rudolf Bank. Im Zentrum des Altars befindet sich der Tabernakel, darüber ein Kruzifix. Flankiert wird es seit 1910 von Reliefs, welche Jesu Geburt und das Abendmahl Jesu zeigen. Außen sind zwei Statuen der heiligen Bischöfe Augustinus und Bonifatius angeordnet. Unweit des Taufbeckens steht eine Statue, die in den 1990er Jahren angeschafft wurde und den Schutzpatron der Kirche, den heiligen Johannes den Täufer, darstellt. Sie ist ein Werk des Bildhauers Bruno Vinatzer aus St. Ulrich in Gröden (Südtirol).
Die Orgel ist ein Werk der Gebr. Krell von 1976. Das Instrument hat 15 Register auf zwei Manualwerken und Pedal. Unter der Orgelempore befindet sich ein Missionskreuz, daneben der Beichtstuhl.
Weiteres
Zur Kirchengemeinde gehört auch die Kindertagesstätte St. Johannes in Westerode. Der 1937 von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) gegründete Kindergarten wurde am 1. Juni 1945 von der katholischen Gemeinde übernommen. 1972 wurde die Schule in Westerode geschlossen und das 1914 erbaute Schulgebäude vom Kindergarten bezogen.[5][6]
Siehe auch
- Liste der Baudenkmale in Westerode
- Liste der Kirchen im Eichsfeld
- Liste der Kirchen im Bistum Hildesheim
- Liste von Johanneskirchen
Literatur
- Die katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. Jubiläum in Westerode. Kirchweihe vor 100 Jahren am 22. August 1905. Katholische Kirchengemeinde Westerode (Hrsg.), Duderstadt 2005.
- Maria Kapp: St. Johannes Baptist in Westerode. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 270–279.
- Wolfgang Damm: St. Johannes der Täufer – Westerode. In: Die Propsteikirche St. Cyriakus in Duderstadt und die Filialkirchen. Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2012, ISBN 978-3-86944-058-3, S. 66–70.
- Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Verlag CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 206–207.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36.
- ↑ Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Mariä Verkündigung, Duderstadt-Breitenberg, St. Mariä Geburt, Duderstadt-Gerblingerode, St. Andreas, Duderstadt-Mingerode, St. Nikolaus, Duderstadt-Tiftlingerode, St. Johannes Baptist, Duderstadt-Westerode und über die Zuweisung des Gebietes zur katholischen Pfarrgemeinde St. Cyriakus, Duderstadt. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 236–238.
- ↑ Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588 (hier insbes. S. 549, 577).
- ↑ Gerhard Reinhold: Kirchenglocken - christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen (= Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen). Nijmegen/NL 2019, S. 556 (hier insbes. S. 499, 511).
- ↑ Kindergarten. Ortsrat Westerode, abgerufen am 5. Januar 2026.
- ↑ Kindertagesstätte Westerode. Abgerufen am 5. Januar 2026.
Koordinaten: 51° 31′ 12,9″ N, 10° 13′ 40,2″ O