St. Johannes Baptist (Dietkirch)

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist steht in Dietkirch, einem Weiler von Gessertshausen im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern. Das Bauwerk ist in der Liste der Baudenkmäler in Gessertshausen als Baudenkmal unter der Nr. D-7-72-148-5 eingetragen. Die Pfarrei gehört zum Dekanat Augsburg-Land des Bistums Augsburg.

Geschichte

Die Lage der Pfarrkirche auf einer ehemaligen Insel der Schmutter, das Patrozinium Johannes des Täufers sowie der ursprünglich sehr weitläufige Pfarrsprengel deuten auf ein hohes Alter der Pfarrei hin. Laut dem Historiker Anton von Steichele dürfte die Taufkirche bereits in der Christianisierungsperiode des Schmuttertals entstanden sein, dessen kirchlichen Mittelpunkt sie einst bildete.[1] Zum mittelalterlichen Bau gibt es keine Überlieferungen; bekannt ist lediglich, dass sich der Chor im Erdgeschoss des erhaltenen, im Kern romanischen Turms aus dem 12. Jahrhundert befand.[2]

Erstmals erwähnt wurde die sogenannte Mutterkirche am 11. Dezember 1254, als der bischöflich-augsburgische Schirmvogt Volkmar II. von Kemnat (mit Sitz auf der Burg Hattenberg) das Patronatsrecht über Dietkirch dem Zisterzienserkloster Oberschönenfeld überließ.[1] Mit dem Verzicht Bischof Hartmanns auf die Lehensrechte vom 5. Februar 1255 wurde das Gotteshaus dem Kloster vollständig inkorporiert.[1] Damit lagen die Baulast, das Verfügungsrecht über die Kirchengüter sowie das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Geistlichen beim Kloster.[2] Im Zuge der Säkularisation fielen die Rechte an den bayerischen Landesherren.

Unter der Äbtissin Susanna Willemayr erfolgte zwischen 1603 und 1624 eine grundlegende Umgestaltung der Kirche durch den Augsburger Baumeister David Hebel.[2] In dieser Zeit erhielt der Turm auch sein aufgemauertes Oktogon mit Zwiebelhaube. Die Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges trafen die Pfarrei schwer. Da der Konvent von Oberschönenfeld nach Tirol fliehen musste und zeitweise kein Pfarrer mehr eingesetzt werden konnte, kam das kirchliche Leben nahezu zum Erliegen.[2]

Da das Gotteshaus im 18. Jahrhundert – auch aufgrund der Feste der Rosenkranzbruderschaft – als zu klein befunden wurde, leitete die Äbtissin Maria Viktoria Farget einen Neubau in die Wege.[2] Nach der Genehmigung eines Kostenvoranschlags über 4382 Gulden legte sie am 5. Juli 1723 den Grundstein für die heutige Barockkirche. Mit Ausnahme des Turms musste der Vorgängerbau dem Entwurf des Architekten Franz Beer weichen.[3]

Architektur

Die heutige Kreuzkirche besteht aus einem Langhaus zu drei Jochen, dessen östliches Joch zu einem Querschiff erweitert wurde, einem eingezogenen Chor im Osten und einem Chorflankenturm auf quadratischem Grundriss mit Pilastern an den Ecken an der Nordwand des Chors, dessen untere Geschosse vom Chorturm des Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert stammen. Dieser wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit einem achteckigen Geschoss mit Pilastern an den Ecken aufgestockt, das die Turmuhr beherbergt, und mit einer Zwiebelhaube bedeckt. Der Glockenstuhl mit drei Kirchenglocken befindet sich im obersten viereckigen Geschoss.

Innenraum und Ausstattung

Der Innenraum des Langhauses ist mit einem Stichkappengewölbe überspannt, der des Querschiffs mit einem Tonnengewölbe. Der Stuck stammt von Franz Schmuzer. Die Fresken, im Chor über die Taufe Jesu und die Verkündigung des Herrn, im Langhaus über die Auferstehung Jesu Christi und die Kreuzigung, werden Johann Georg Lederer zugeschrieben.

Altäre

Die Altäre wurden von dem Schreiner Johann Thomas Wagner, dem Bildhauer Johann Pflaum und dem Fassmaler Johann Christoph Pistorius um 1725 bis 1728 geschaffen. Auf dem Altarretabel des Hochaltars, der von Holzfiguren des heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena flankiert wird, ist die Himmelfahrt Mariens dargestellt.[4]

Der rechte Seitenaltar zeigt ein Bild des hl. Johannes der Täufer und stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Darunter steht eine Holzfigur des hl. Josef mit Jesuskind. Das Altarbild im linken Seitenaltar zeigt den Evangelisten Johannes (ebenfalls ersten Hälfte 18. Jahrhundert). Unter dem Bild befindet sich eine Muttergottesfigur aus dem 15. Jahrhundert. Des Weiteren gibt es einen Nebenaltar (auch Krippenaltar genannt) mit Anbetung der hl. Maria und Josef durch zwei Hirten (Schnitzgruppe von Johann Pflaum, um 1726).[5]

Kanzel

Reichhaltig verziert zeigt sich die Kanzel, die um 1727 von Johann Thomas Wagner und Johann Pflaum geschaffen wurde. Die Fassung stammt aus dem Jahr 1756 von Pius Rampp aus Mickhausen.

Oben auf dem Schalldeckel befindet sich in der Mitte eine Muttergottesfigur. Sie ist umringt von Engelsfiguren, die die seinerzeit bekannten Erdteile Europa, Asien, Amerika und Afrika verkörpern. An der Kanzelbrüstung sind eine Christusfigur sowie Figuren der vier Kirchenlehrer Hieronymus, Gregor, Augustinus und Ambrosius zu sehen.[6]

Orgel

Auf der zweiten Empore befindet sich die Orgel mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Sie wurde 1952 von G. F. Steinmeyer & Co. als Opus 1815 gebaut und verfügt über Taschenladen und eine elektro-pneumatische Spieltraktur sowie elektrische Registertraktur.[7]

An der Brüstung hängt ein kleines Rückpositiv, dessen Freipfeifenprospekt sich in drei Bereiche gliedert: in der Mitte ist eine Pfeifengruppe mit gerader Front in Mitraform angeordnet. Links und rechts davon folgen vorspringende, turmartige Pfeifentürme, ebenfalls in Mitraform. An der Emporenrückwand befindet sich ein breiter Freipfeifenprospekt, der ebenfalls mitraförmig ausgebildet ist. Der größte Teil des Orgelwerks liegt dahinter; das Rückpositiv enthält nur das erste Manual.[8]

Prospektform und Pfeifenmaterial sind typisch für die entbehrungsreiche Nachkriegszeit. Damals stand nicht das äußere Erscheinungsbild im Vordergrund, sondern der Klang. Eine Besonderheit ist das reich besetzte Schwellwerk mit der färbenden Terz und dem auf beide Manuale verteilten Prinzipalchor.[7]

Die Disposition lautet:[9]

I Rückpositiv C–
Prinzipal 8′
Quintade 8′
Rohrflöte 8′
Oktav 4′
Waldflöte 2′
Mixtur 113
Trompete 8′
II Schwellwerk C–
Gedackt 8′
Salizional 8′
Ital. Prinzipal 4′
Nachthorn 4′
Quint 223
Oktav 2′
Terzflöte 135
Cymbel 23
Tremulant
Pedal C–
Subbaß 16′
Zartbaß 16′ [Anm. 1]
Oktavbaß 08′
Pommer 04′

Anmerkungen

  1. Windabschwächung Subbaß

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern III, Schwaben. Deutscher Kunstverlag, München 2008, S. 255–256.
  • Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Nachkriegsorgeln im Altlandkreis Augsburg. Hrsg.: Heimatverein für den Landkreis Augsburg (= Jahresbericht. Band 19). Selbstverlag, Augsburg 1984.
Commons: St. Johannes Baptist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Anton von Steichele: Das Bistum Augsburg. Historisch und statistisch beschrieben. Schmid, 1864, S. 38.
  2. a b c d e Kirchenführer Pfarrkirche St. Johannes Baptist Dietkirch. S. 7 (basiert auf: Kath. Kirchenverwaltung Dietkirch (Hrsg.): Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre, Augsburg 2016).
  3. Kirchenführer Pfarrkirche St. Johannes Baptist Dietkirch. S. 5 f (basiert auf: Kath. Kirchenverwaltung Dietkirch (Hrsg.): Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre, Augsburg 2016).
  4. Kirchenführer Pfarrkirche St. Johannes Baptist Dietkirch. S. 8 ff (basiert auf: Kath. Kirchenverwaltung Dietkirch (Hrsg.): Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre, Augsburg 2016).
  5. Kirchenführer Pfarrkirche St. Johannes Baptist Dietkirch. S. 15 (basiert auf: Kath. Kirchenverwaltung Dietkirch (Hrsg.): Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre, Augsburg 2016).
  6. Kirchenführer Pfarrkirche St. Johannes Baptist Dietkirch. S. 24 f (basiert auf: Kath. Kirchenverwaltung Dietkirch (Hrsg.): Chronik der Pfarrei Dietkirch über 1000 Jahre, Augsburg 2016).
  7. a b H. Fischer, T. Wohnhaas, S. 276 f.
  8. H. Fischer, T. Wohnhaas, S. 266.
  9. Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) online, abgerufen am 17. Juni 2024

Koordinaten: 48° 19′ 38,8″ N, 10° 43′ 20,4″ O