St. Hippolytus (Troisdorf)

St. Hippolytus ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Troisdorf-Mitte, einem Stadtteil von Troisdorf im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis.

Geschichte

Troisdorf besitzt eine über 1000 Jahre alte kirchliche Überlieferung. Erzbischof Anno II. von Köln verlieh der von ihm 1064 gegründeten Abtei Siegburg die Kirche in Troisdorf mit dem Pfarrgut und den zehnten Teil der Einkünfte. Die im Rheinland seltene Wahl des hl. Hippolyt zum Pfarrpatron wird mit Beziehungen zum Ursulastift in Köln erklärt, das im Mittelalter die Reliquien des Heiligen besaß.[1] Die Patronats- und Zehntrechte mit dem Recht den jeweiligen Pfarrer vorzuschlagen, gingen im 16. Jahrhundert an die Besitzer der Burg Wissem über.[2]

Die älteste dokumentierte Kirche stand, wie aus einem Katasterplan von 1820 hervorgeht, neben der Stelle, wo 1863/1864 ein neugotischer, dreischiffiger Bau erstellt wurde. Die alte Kirche war bereits um 1770 einsturzgefährdet, 1854 wurde sie baupolizeilich geschlossen. Bis 1864 war die Troisdorfer Gemeinde ohne Kirche. Man behalf sich mit der Herrichtung einer Scheune und hielt später die Gottesdienste in einem Privathaus ab.

Die neue Kirche wurde Ende 1864 geweiht. Die Verdoppelung der Einwohnerzahl Troisdorfs machte 1898 eine bauliche Erweiterung notwendig.[3]

Den Zweiten Weltkrieg überstand St. Hippolytus in der Substanz unbeschadet. 1951 wurden noch einmal bauliche Mängel beseitigt, jedoch plante man bereits damals einen Neubau.[4][5]

Neubau von 1963/1964

Es dauerte noch zwölf Jahre, bis die Neubaupläne aus den frühen 1950er Jahren Wirklichkeit wurden. Als Begründung wurde im Bauantrag Platzmangel genannt. Letztlich wurde formal kein Neubau, sondern ein Umbau genehmigt. Nach dem Plan des Architekten Karl Band blieben Chor und Turm erhalten. Letzterer wurde ummantelt und teilweise durch einen Neubau ersetzt. Der Raum für die Gemeindemitglieder wurde völlig neu gebaut und mit einem Satteldach versehen.

Ausstattung

Am Eintritt ins Kirchenschiff steht unter der Orgelempore das älteste Ausstattungsstück der Kirche, der romanische Taufstein (12. Jhdt.) aus Trachyt.[6] Über der Empore erhebt sich der Prospekt der Orgel.

Tabernakel, Altar, Kommunionbank, die Sitze im Altarraum, Ambo und Leuchter sind das Werk des Limburger Künstlers Karl Matthäus Winter. Vermutlich ebenfalls von Winter gefertigt ist der Sockel der Holzfigur des Pfarrpatrons, der zugleich als Grundstein ausgearbeitet wurde.[7]

Die linke Seitenkonche neben dem Altarraum beherbergt die Troisdorfer Madonna. Ihre genaue zeitliche Einordnung konnte, ebenso wie ihre Herkunft, im Rahmen der Restaurierung von 1983 bis 1988 nicht eindeutig geklärt werden.[8]

Die Gedächtnisstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft an der südlichen Längsseite bildet das 1928 entstandene Relief Der Tod des heiligen Josef von Karl Menser, Bonn.

Das große Bronzekreuz im Kirchenraum wurde 1967 von Helge Kühnapfel geschaffen.[9]

Kirchenfenster

Die Fenster der Kirche entstanden 1964 nach Entwürfen des Kölner Glasmalers Hans Lünenborg. Neben rein ornamentalen, farblich gestalteten Fenstern, finden sich auch Christussymbole (Licht des Heils, Sonne der Gnade mit Dornzweig, Baum des Lebens, das himmlische Jerusalem) und Mariensymbole (elfenbeinerner Turm, geheimnisvolle Rose, Muschel-Perle).[10][9]

Orgel

Die Orgel wurde 1969 durch die Firma Rieger Orgelbau aus Vorarlberg erbaut. Die 36 Register verteilen sich auf drei Manuale und Pedal.

Die Disposition lautet wie folgt[11]:

I Rückpositiv C–g3
1. Spitzgedackt 8′
2. Quintade 8′
3. Principal 4′
4. Blockflöte 4′
5. Octave 2′
6. Quintlein 113
7. Cymbel IV 14
8. Krummhorn 8′
9. Rohrschalmey 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
10. Holzgedackt 16′
11. Principal 08′
12. Spitzflöte 08′
13. Octav 04′
14. Querflöte 04′
15. Sesquialter I-III 223
16. Superoctav 02′
17. Mixtur IV-VI 113
18. Trompete 08′
19. Chamade 08′
III Schwellwerk C–g3
20. Salicional 08′
21. Rohrflöte 08′
22. Principal 04′
23. Koppelflöte 04′
24. Gemshorn 02′
25. Quintant III 135′+113′+89
26. Oktävlein 01′
27. Scharff IV 01′
28. Basson 16′
29. Schalmei 08′
Tremulant
Pedal C–f1
30. Principal 16′
31. Subbaß 16′
32. Octav 08′
33. Spillpfeife 08′
34. Piffaro II 4′+2′
35. Rauschpfeife III
36. Posaune 16′
37. Clairon 04′

Organist von 1991 bis 2021 war Michael Veltman.

Kirchenglocken

Die vier Kirchenglocken mit den Glockennamen Christus (Schlagton cis′+5), Hippolytus (e′+4), Maria (fis′+7) wurden 1949 von Albert Junker in Brilon gegossen[12]. Die Engel-Glocke (a′-5) wurde in 1925 von Fa. Otto (Hemelingen bei Bremen) gegossen[13].

Name Stimmung Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Inschrift
Christus-Glocke cis′ +5 1480 1800 Christus, gib uns den Frieden
Hippolytus-Glocke e′ +5 1250 1110 Heiliger Hippolytus, schütze uns, die wir den Krieg überlebt haben, auch fürderhin
Maria-Glocke fis′ +7 1110 740 Heilige Maria, empfiehl uns deinem Sohn
Engel-Glocke a′ –5 940 462 Ihr Engel Gottes, schützt unsere Kleinen

Pfarrer an St. Hippolytus

Umgebung

Neben dem Kirchengebäude wurden zwischen 2018 und 2020 das Gemeindezentrum Hippolytushaus und das Familienzentrum Hippolytusgarten erbaut, geplant durch Atelier Brückner, Stuttgart.[14]

Literatur

Commons: St. Hippolytus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Albert Schulte: Glocken von Troisdorf I, Troisdorfer Jahreshefte 1993, S. 109ff
  2. Rolf Müller: Alte und neue kirchliche Kunst in Troisdorf. In: Troisdorf im Spiegel der Zeiten (Hrsg. Wilhelm Hamacher). Siegburg 1950, S. 165ff.
  3. Geschichte der Kirche St. Hippolytus. In: Pfarreiengemeinschaft Troisdorf. 12. April 2016, archiviert vom Original am 12. April 2016; abgerufen am 25. Januar 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.trokirche.de
  4. Rolf Müller: Geschichte der Troisdorfer Pfarreien. Siegburg 1969. ISBN 3-87710-051-1, ISBN 978-3-87710-051-6
  5. Joachim Bourauel: Die alte Hippolytuskirche. Abschied vor 25 Jahren. In: Troisdorfer Jahreshefte, 1988, S. 86ff.
  6. Helmut Schulte: Taufsteine erinnern an die romanischen Kirchen in Altenrath, Bergheim, Sieglar und Troisdorf. In: Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf (Hrsg.): Troisdorfer Jahrhefte. Band 23, 1993, S. 13–19 (geschichtsverein-troisdorf.de [PDF]).
  7. Schmalstieg, Carsten: Der hat es in sich: Der Grundstein von 1963 in St. Hippolytus in Troisdorf. In: Erzbistum Köln. 1. Oktober 2025, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  8. Helmut Schulte: Die Troisdorfer Madonna ist alt. In: Troisdorfer Jahreshefte. Band 18, 1988, S. 94 ff. (geschichtsverein-troisdorf.de [PDF]).
  9. a b St. Hippolytus (Troisdorf) Rundgang und Sehenswürdigkeiten. Pfarreiengemeinschaft Troisdorf, 2016, archiviert vom Original am 12. April 2016; abgerufen am 25. Januar 2022 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.trokirche.de
  10. Forschungsstelle Glasmalerei des 20 Jahrhunderts e.V: Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V. 8. Juli 2008, abgerufen am 25. Januar 2022.
  11. Pfarrkirche St. Hippolytus, Disposition | Orgelbau Raab & Plenz. Abgerufen am 27. Februar 2025.
  12. Gerhard Hoffs: Glocken der Kirche St. Hippolytus in Troisdorf. In: Glockenbücher des Erzbistums Köln, Dekanat Troisdorf (Stand 23.2.2013). S. 53–56, archiviert vom Original am 5. November 2014; abgerufen am 1. Februar 2022.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/glockenbuch.de
  13. Campane di Troisdorf San Ippolito / Glocken von Troisdorf St. Ippolytus (NRW-Deutschland). Abgerufen am 2. April 2024.
  14. Atelier Brückner, Stuttgart: Gemeindezentrum Hippolytushaus – Ein Stadttor Bauensemble in Troisdorf fertiggestellt. 21. Juli 2020, abgerufen am 26. Januar 2022 (deutsch).

Koordinaten: 50° 48′ 45,4″ N, 7° 9′ 21,4″ O