St. Hedwig (Essen-Altenessen)

Die Kirche St. Hedwig ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude im Essener Stadtteil Altenessen.

Geschichte

Die Kirche St. Hedwig wurde von 1931 bis 1932 nach Plänen des Architekten Wilhelm Schneider errichtet. Der erste Spatenstich fand im Mai 1931 statt, die Grundsteinlegung folgte am 12. Juli und das Richtfest am 22. Oktober des Jahres.[1] Am Bau beteiligt waren rund 30 arbeitslose Männer im Freiwilligen Arbeitsdienst, dessen Träger die St.-Hedwig-Kirchengemeinde und der katholische Jungmännerverein St. Johann (Altenessen) waren.[2] Im Februar 1932 war der Rohbau fertig und es wurde mit dem Innenausbau begonnen. Die Finanznot zwang dazu, dass die geplante Wohnung für den Geistlichen nicht gebaut werden konnte. Dafür sollten Nebenräume zu Wohnzwecken eingerichtet werden.[3] Am 28. August 1932 wurde die rund 2000 Menschen fassende Kirche durch den Stadtdechanten, dem Domkapitular Kreutzer benediziert und ihrer Bestimmung übergeben. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 190.000 Reichsmark, von denen 60.000 Reichsmark von Sammlungen und Spenden stammten.[4]

Die Kirche ist ein Backstein-Saalbau mit überhöhtem, walmdachgedecktem Mittelteil und eingezogenem Rechteckchor. An den Längsseiten befinden sich schmale, rundbogige Fenster des Künstlers Jochem Poensgen aus den Jahren 1967 und 1969[5], an einer Seite mit Werksteineinfassung, an der anderen Seite mit Backstein. Im Sockel sind weitere dreigeteilte Fenster mit originalem Gitter. Die Sakristei wurde rechtwinklig an die Kirche angebaut, daran anschließend ist der Turm mit einem rundbogigen Eingang und rundbogigen Schallöffnungen am oberen Ende. Dort schließt sich ein zweigeschossiges, giebelständiges Pfarrhaus an. Es wurde im Jahr 1935 ebenfalls in Backstein erbaut. An der rückwärtigen Giebelseite ist ein modernes Gebäude angebaut.

Das Gotteshaus wurde am 13. September 1990 unter Denkmalschutz gestellt.[6] Im Jahr 2000 wurde die Kirche mit der Verlegung des Altarraumes im Innern stark verändert, um sie für unterschiedliche Gottesdienstgestaltungen besser nutzbar zu machen.[7] Der Umbau erfolgte durch das Aachener Architekturbüro Hahn Helten Architektur.[8]

Glocken

Die Kirche besaß ursprünglich zwei Glocken der Glockengießerei Otto aus Hemelingen, die jedoch im Zweiten Weltkrieg verloren gingen.[9][10] Sie wurden am 17. Juli 1932 geweiht.

Die große auf fis′ gestimmte St.-Heinrichs-Glocke trug den Spruch: St. Heinrich, bitte für uns! Gott, Deiner Streiter Preis und Lohn, ihr Erbteil, Ihre Ehrenkron, Nimm dieser Glocke Loblied auf von St. Heinrichs siegeslauf.

Die kleinere auf a′ gestimmte St.-Hedwigs-Glocke trug den Spruch: St. Hedwig, bitte für uns! Die männlich kühn, dem Herrn geweiht, den Preis erkämpft der Heiligkeit. Den hehren Fraun die Erd´ entlang ertöne Ruhm und Lobgesang.[11]

1957 erhielt sie ein neues Geläut der Firma Petit & Gebr. Edelbrock.[12] Die Marienglocke war ein Geschenk der Brauerfamilie Stauder.

Ursprüngliche Glocken
Nr.
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
Gießer
 
Gussjahr
 
Bemerkung
 
1 1120 975 fis′ Glockengießerei Otto, Hemelingen bei Bremen 1932 durch Kriegseinwirkungen vernichtet
2 910 580 a′
Glocken nach dem Zweiten Weltkrieg
Nr.
 
Name
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
Gießer
 
Gussjahr
 
Inschrift
 
1 Servatius 1238 1.200 e’-7 Hans Georg Hermann Maria Hüesker, Fa. Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1957 + HEIL’GER SERVATIUS, WIR RUFEN ZU DIR: SEGNE LAND UND LEUTE HIER
2 Josef 1089 800 fis’-7 + HEIL’GER JOSEF, DU SOLLST UNS LEHREN, SCHAFFEN UND WIRKEN GOTT ZU EHREN.
3 Maria 911 450 a’-7 + MARIA, MUTTER UND KÖNIGIN, FÜHR’ UNS ALLE ZU DEINEM SOHNE HIN:
4 Anna 799 300 h’-6 + HL. ANNA, MUTTER DU, ALLEN BEDRÄNGTEN SPRICH TRÖSTUNG ZU.
5 - 725 230 cis’’-5 -

Gemeinde

St. Hedwig war Teil der Gemeinde St. Johann Baptist. Zum 1. Juni 2021 wurde die Pfarrgemeinde Hll. Cosmas und Damian im Bistum Essen als größte Pfarrei auf Essener Stadtgebiet gegründet, als die damaligen Pfarreien St. Johann Baptist und St. Nikolaus zusammengelegt wurden. Seitdem ist die St.-Hedwig-Kirche ein Teil dieser. Zwei Jahre danach, am 1. Juni 2023, wurde in der St.-Hedwig-Kirche die kroatischsprachige Gemeinde im Stadtdekanat Essen ansässig.[13]

Commons: St. Hedwig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Essener Chronik 1931. In: Essener Volkszeitung vom 1. Januar 1932
  2. Katholische Jugendgemeinschaft Essen. Neues von Sankt Hedwig. In: Essener Volkszeitung vom 30. Januar 1932
  3. Vom Bau der St.-Hedwig-Kirche. In: Essener Volkszeitung vom 28. Februar 1932
  4. Die St.-Hedwigs-Kirche in Altenessen wird heute benediziert. In: Essener Volkszeitung vom 28. Februar 1932
  5. Essen-Altenessen, Kath. Kirche St. Hedwig; abgerufen am 14. Februar 2020
  6. Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen; abgerufen am 14. Februar 2020
  7. Pfarrei HII. Cosmas & Damian - Gemeindekirche Sankt Hedwig; abgerufen am 7. November 2025
  8. Baukunst NRW - St. Hedwig Essen-Altenessen; abgerufen am 7. November 2025
  9. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, insbesondere Seite 537.
  10. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, insbesondere S. 496, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  11. Glockenweihe in Altenessen. In: Essener Volkszeitung vom 17. Juli 1932
  12. Auszug aus dem Glockenbuch Essen, Seite 101–105; abgerufen am 14. Februar 2020
  13. Pfarrei HII. Cosmas & Damian - Geschichte; abgerufen am 7. November 2025

Koordinaten: 51° 29′ 34,1″ N, 7° 1′ 4,8″ O