St. Georg (Stuttgart-Nord)

Die Kirche St. Georg ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Norden der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart. Sie gehört zur Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Mitte im Stadtdekanat Stuttgart des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Kirchenpatron ist der legendäre Heilige St. Georg. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Für die damals noch wenigen Katholiken im Stuttgarter Norden wurde 1902 ein Betsaal errichtet und 1914 eine kleine Kirche aus Holz, die dem hl Georg geweiht war. Diese war zunächst eine Filialkirche der Mutterpfarrei St. Eberhard. 1921 wurde St. Georg dann aber eigene Pfarrei. 1929/1930 wurde die Kirche St. Georg nach Plänen des Stuttgarter Architekten Hugo Schlösser errichtet. Dem Bau war ein Wettbewerb vorausgegangen, den der im September 1928 beauftragte Schlösser gewonnen hatte. Grundsteinlegung war im Juni 1929; am 25. Mai 1930 wurde die Kirche vom Rottenburger Bischof Joannes Sproll geweiht. Die Bauzeit fiel in die Zeit der Fertigstellung der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927) und des Stuttgarter Hauptbahnhofs (1911–1928, Paul Bonatz).

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche am 19./20. Oktober 1944 von mehreren Bomben getroffen, was zum Einsturz von Dach und Nordwand samt der Orgel führte. Nach dem Krieg wurde das Gebäude rasch, mit leichten Veränderungen, wieder aufgebaut.

2010/2011 wurde die Kirche im Innern nach Plänen von Architekt Peter W. Schmidt aus Pforzheim umgestaltet, um den geänderten liturgischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Dabei wurde unter anderem der Altar und andere Prinzipalien aus dem Chor heraus ins Kirchenschiff gerückt, um eine intensivere Teilhabe der Gläubigen am liturgischen Geschehen zu ermöglichen. Auf der Westseite wurde ein neuer barrierefreier Eingang geschaffen.

Beschreibung

Die von Norden nach Süden orientierte Kirche ist Teil eines insgesamt geplanten Gemeindezentrums mit verschiedenen Gemeinderäumen und Pfarrhaus. Sie ist erbaut im Stil der Neuen Sachlichkeit mit Elementen des vorausgegangenen architektonischen Expressionismus. Das ähnlich einer Basilika in Klinkerbauweise errichtete Kirchenschiff mit flachem ziegelgedecktem Walmdach wird flankiert von einem mächtigen Kirchturm mit Pyramidendach. In dessen unterem Geschoss befand sich der ursprüngliche Haupteingang der Kirche. Zu diesem Eingang mit drei Portalen führt eine breite Freitreppe. Das ursprüngliche Flachdach wurde beim Wiederaufbau nicht wieder realisiert, weil das hierfür benötigte Kupferblech damals nicht beschafft werden konnte.

Im Innenraum sind die Seitenschiffe so schmal, dass sie nur Durchgangszonen sind. Ihre Gewölbe in den einzelnen Jochen korrespondieren mit dem gewölbten Chor. Dieser nimmt die Breite des Hauptschiffes auf und wird mit einer geraden Rückwand abgeschlossen. Etwa auf Höhe des Chors ist auf der Westseite eine halbrunde Kapelle angebaut, die einst Taufkapelle war, nun aber für weniger besuchte Gottesdienste am Werktag vorgesehen ist. Das ehemalige Taufbecken wurde durch eine aufgelegte Holzplatte zum Altar. Auf dem Sockel, dem ehemaligen Taufbecken, sind in Halbreliefs die Vier Evangelisten zu sehen. Die Kuppel mit Oberlicht zeigt noch expressionistische Züge. Der Fußboden ist noch der originale Klinkerbelag.

Ausstattung

Außen fällt über dem Haupteingang eine monumentale Plastik des Kirchenpatrons St. Georg auf, die nach einem Entwurf von Karl Rieber aus Crailsheimer Muschelkalk gehauen wurde. Im Innern ist auf der Chorrückwand ein großes Mosaik von Josef Eberz zu sehen, das Christus als Welterlöser zeigt. Von Eberz stammen auch die 14 Mosaiken des Kreuzwegs. In der erwähnten Seitenkapelle sind 14 Siebdrucktafeln des Grafikers Anton Stankowski zu sehen, die in fünf Farben auf Grau die Form eines Kreuzes variieren. Der neue Altar, Ambo, Taufstein und Weihwasserbecken wurden von Bildhauer Rolf Bodenseh aus Aichtal geschaffen.

Orgel

Die erste Orgel für die Kirche wurde 1933 erbaut. Nach Kriegszerstörung erfolgte der Teilbau eines neuen Instruments, das nie ganz fertiggestellt und als unbefriedigend eingeschätzt wurde. Nach Planungen im Jahr 1979 wurde das neue Werk 1981 von Winfried Albiez als Opus 47 errichtet. Es steht auf der Empore im hinteren Teil der Kirche und beherrscht die nördliche Rückwand durch ihre Größe mit 44 Registern auf drei Manualen und Pedal.[1]

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Nachweise

  1. Orgeldatenbank organindex.de: Stuttgart, St. Georg

Koordinaten: 48° 47′ 49,3″ N, 9° 10′ 55,5″ O