St. Georg (Brochthausen)

Die römisch-katholische Filialkirche St. Georg steht in Brochthausen, einem Ortsteil der Stadt Duderstadt im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die zuständige Pfarrei ist St. Sebastian in Rhumspringe im Dekanat Untereichsfeld des Bistums Hildesheim. Die Kirche hat als Baudenkmal die ID-Nr. 35180948.

Geschichte

Im 14. Jahrhundert wurde Brochthausen Pfarrei. Aus diesem Jahrhundert stammt auch der älteste bekannte Kirchen- bzw. Kapellenbau in Brochthausen, über den nichts mehr bekannt ist.

Dieser wurde Ende des 16. Jahrhunderts durch eine Kirche ersetzt. Es handelte sich dabei um eine einschiffige Fachwerkkirche, die auf einem Feldsteinsockel errichtet und mit einem hohen Satteldach überdeckt wurde. Sie wurde durch Eingänge im Westen und Süden erschlossen. Ein Balken mit der Jahresangabe 1590 und dem Namen des Baumeisters, Michael Goldmann, ist bis heute erhalten. 1726 erfolgte der Anbau eines fünfseitigen Chores, der über einen Dachreiter verfügte und dessen Grundstein in den Eingangsbereich der heutigen Kirche eingemauert wurde.

Im Jahre 1768, damals wurde der Bauzustand der Kirche als schlecht bezeichnet, fertigte der Architekt Johann Christoph Heinemann aus Dingelstädt (1695–1772), nach dessen Plänen unter anderem das Mainzer Schloss entstanden war, einen Entwurf für einen Kirchenneubau in Brochthausen an. Die Pläne, die nicht realisiert wurden, zeigen einen einschiffigen Barockbau mit Westturm und Chorraum und Zugängen im Westen und Süden. Sie sind die letzte bekannte Arbeit von Heinemann und heute noch im Bistumsarchiv Hildesheim vorhanden. Von 1865 bis 1867 wurde die alte Kirche nochmals saniert.

Um 1887 begannen die Bemühungen um den Bau der heutigen Kirche. Im Februar 1890 erfolgte der Abriss der alten Kirche, um den Platz für einen Neubau freizumachen, der in den Jahren 1890 und 1891 erbaut wurde. Die Kirchweihe erfolgte am 7. August 1892 durch Bischof Daniel Wilhelm Sommerwerck. 1895 bekam die Kirche ihren Kreuzweg und 1897 ihre Orgel. 1901 wurde der Innenraum durch den Kirchenmaler Arthur Krumpipen aus Duderstadt malerisch gestaltet.

Gemäß der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgte 1991 eine Umgestaltung des Altarraumes, vor den historischen Hochaltar wurde ein Volksaltar gestellt. Auch bekam die Kirche in diesem Zusammenhang einen neuen Ambo. Am 3. November 1991 nahm Bischof Josef Homeyer die Altarweihe vor.

Am 1. März 2004 wurde das Dekanat Untereichsfeld errichtet, dem die damalige Kuratie Duderstadt-Brochthausen, St. Georg zugeordnet wurde. Das neue Dekanat entstand durch Auflösung und Zusammenlegung der Dekanate Duderstadt und Gieboldehausen-Lindau.[1] Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei St. Sebastian mit Sitz in Rhumspringe, die Kuratie St. Georg, Duderstadt-Brochthausen wurde in diesem Zusammenhang aufgelöst.[2]

Lage, Architektur und Ausstattung

Die geostete Kirche steht an der Straße Reeke, der Platz vor dem Eingang der Kirche wird als Antonius-Platz bezeichnet.

Die heutige, neugotische Hallenkirche aus heimisch gebrannten rotbraunen Backsteinen auf einem Sandsteinsockel mit einem Langhaus aus drei Kirchenschiffen und vier Jochen, einem leicht eingezogenen, schiefergedeckten Kirchturm vor dem Staffelgiebel im Westen und einem dreiseitig abgeschlossenen Chor wurde nach den Plänen des ortsansässigen Architekten und Maurermeisters Jacob Brämer, die von Richard Herzig begutachtet und korrigiert wurden, erbaut. Die Wände des Langhauses werden von sechs achtseitigen Strebepfeilern gestützt. Der 42 Meter, leicht eingestellte Westturm steht auf einem quadratischen Grundriss und verfügt über einen kreuzbekrönten Knickhelm, eine steile achteckige Helmpyramide auf dem viereckigen Turmschaft. Im Glockenstuhl des Turms hängen drei Kirchenglocken. Die ältere wurde 1484 gegossen, die trägt die Inschrift anno dmni mcccclxxxiiii die xv maje in honorem Georgii patroni ecclesiae. Die beiden jüngeren Glocken wurden 1923 von J. F. Weule gegossen.

Die Buntglasfenster wurden 1891 von der Glasmalereiwerkstatt Henning & Andres in Hannover hergestellt. Das Fenster im Zentrum des Chorraums zeigt die unbefleckte Empfängnis Mariens, es wurde von Jacob Brämer, der Baumeister der Kirche, gestiftet. Die Fenster links und rechts davon zeigen den heiligen Martin von Tours und den Schutzpatron der Kirche, den heiligen Georg.

Der Innenraum der Kirche wird von einem Kreuzrippengewölbe überspannt. Die historische neogotische Wandbemalung, 1901 geschaffen und 1949 übergestrichen, wurde von 1987 bis 1991 wieder größtenteils rekonstruiert. Die Farben des Innenraums variieren hauptsächlich in hellen Ockertönen. Florale Dekore zieren Pfeiler, Gurtbögen und Gewölbeflächen in grünlichen, rötlichen, bräunlichen sowie beigen Farbtönen. Fensterumrahmungen, nachgebildetes Quadermauerwerk im Langhaus und ein rötliches Teppichwandmuster im Chor sind weitere Bestandteile der Wandbemalung. Im Unterschied zu vielen Kirchen der umliegenden Dörfer ist die neugotische Originalinnenausstattung fast vollständig erhalten. Sie umfasst unter anderem die Fenster, das Kirchengestühl, den Hochaltar, den Seitenaltar, den Taufstein, die Kanzel, den Kreuzweg und die Orgel. Die Altäre, die Kanzel, der Deckel des Taufsteins, die Beichtstühle und die inzwischen entfernte Kommunionbank sind Werke des Bildhauers Friedrich Oppermann aus Duderstadt.

Vor dem historischen, neugotischen Schnitzaltar von 1891 steht seit 1991 ein Volksaltar. Der Hochaltar zeigt neben dem Kruzifix, das über dem Tabernakel steht, Reliefs mit Darstellungen des zwölfjährigen Jesus im Tempel und der Beweinung Christi. Der Nebenaltar stammt von 1910 und ist Maria gewidmet. Das Ewige Licht wurde 1891 von J.J. Deplaz, einer Werkstatt zur Herstellung kirchl. Gefässe und Geräthe aus Regensburg, geliefert. Die 1891 angefertigte Kanzel ist mit Darstellungen der Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus versehen.

Die Skulpturen von Petrus, Paulus, Johannes Nepomuk und Josef, die heute an den achteckigen Pfeilern angebracht sind, gehörten ursprünglich zum barocken Hochaltar des Vorgängerbaus und stammen aus dem 18. Jahrhundert. An den beiden östlichen Stirnwänden der Seitenschiffe befindet sich jeweils ein Wandgemälde, das den heiligen Joseph mit dem Jesuskind sowie die Verkündigung Mariens zeigt. Eine Statue von Maria ist um 1400, die Prozessionsfigur sowie ein Kruzifix sind im 18. Jahrhundert entstanden. Statuen aus jüngerer Zeit stellen das Heiligste Herz Jesu sowie die heiligen Aloysius, Antonius von Padua, Josef und Maria dar. Die Orgel mit zwölf Registern, zwei Manualen und Pedal wurde 1897 von Louis Krell gebaut. Sowohl ihr Prospekt als auch ihr Werk sind weitgehend im Originalzustand erhalten.

Neben der Kirche erinnert ein Kriegerdenkmal an die Opfer der beiden Weltkriege aus Brochthausen.[3] Auch eine Lourdesgrotte ist dort zu finden.

Siehe auch

Literatur

  • Gerhard Germeshausen: 100jähriges Kirchweihfest in Brochthausen. In: Eichsfelder Heimatstimmen. 35. Jhg., Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1991, S. 565–567.
  • Maria Kapp: St. Georg in Brochthausen. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 279–288.
  • Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen, Niedersachsen. Deutscher Kunstverlag, München 1992, ISBN 3-422-03022-0, S. 197.
  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen. Verlag CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 187–188.
Commons: St. Georg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Urkunde über die Auflösung des Dekanates Duderstadt und des Dekanates Gieboldehausen-Lindau sowie über die Neuerrichtung eines Dekanates Untereichsfeld. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 2/2004, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2004, S. 35–36.
  2. Urkunde über die Auflösung der katholischen Pfarrgemeinden St. Andreas, Rüdershausen, St. Johannes Bapt., Duderstadt-Hilkerode, St. Pankratius, Duderstadt-Fuhrbach, St. Laurentius, Duderstadt-Langenhagen, St. Georg, Duderstadt-Brochthausen und über die Zuweisung des Gebietes zur katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian, Rhumspringe. In: Kirchlicher Anzeiger. Nr. 10/2006, Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.), Hildesheim 2006, S. 240–242.
  3. Brochthausen, Stadt Duderstadt, Landkreis Göttingen, Niedersachsen. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, abgerufen am 6. Januar 2026.

Koordinaten: 51° 32′ 56,6″ N, 10° 21′ 34,4″ O