St. Cäcilia (Harsum)

St. Cäcilia ist die katholische Pfarrkirche von Harsum im niedersächsischen Landkreis Hildesheim. Die neuromanische Basilika von 1886 ist durch ihr Ausmaß, ihre stilistische Geschlossenheit und die original erhaltene Ausstattung bedeutend. Im Flachland der Hildesheimer Börde ist sie weithin sichtbar und heißt im Volksmund auch Harsumer Dom. Ihre gleichnamige Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Borsum-Sarstedt im Bistum Hildesheim.

Baubeschreibung

St. Cäcilia ist eine dreischiffige geostete Basilika auf kreuzförmigem Grundriss mit Querhaus und Chorumgang, in rund 80 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gelegen. Sie wurde wenige Meter südlich der Vorgängerkirche errichtet. Der mächtige, 64 Meter hohe Turm im Westen hat zwei quadratische, darüber zwei achteckige Geschosse und eine steile Kegelspitze. Über der Vierung steht ein schmaler Dachreiter. Das Äußere folgt ungewöhnlich treu dem Vorbild einer hochromanischen Kathedral- oder Stiftskirche. Die Außenwände der Kirche sind durch Strebepfeiler gegliedert.

Im Tympanon des Rundbogenportals sind das Lamm Gottes und die Inschrift „Sancta Caecilia ora pro nobis, anno domini 1886“ sichtbar. Im Inneren sind die Seitenschiffe durch einen niedersächsischen Stützenwechsel vom Mittelschiff abgetrennt. Neben dem figurenreichen gold-silbernen Hochaltar, der Kanzel mit Schnitzwerk und dem Radleuchter über dem Zelebrationsaltar ist in der Kirche eine reiche Ausmalung mit lateinischen Schriftbändern (Credo u. a.), neoromanischer Ornamentik und Erzählbildern im Nazarenerstil zu sehen. Diese Ausmalung folgt einem theologischen Programm. Im nördlichen Querhaus wird in sechs Szenen die Cäcilienlegende erzählt, im südlichen Querhaus steht der Rosenkranzaltar.

Geschichte

Über die früheste Harsumer Kirche ist nichts mehr bekannt. Das seltene Cäcilien-Patrozinium, einmalig im Bistum Hildesheim, deutet auf ein hohes Alter und auf eine Verbindung zum ersten Hildesheimer Dombau, der seit 823 Cäcilien-Reliquien besaß und wo die Heilige seitdem als Nebenpatronin verehrt wurde. Von diesem Schatz dürfte bei der Gründung der Kirche ein kleiner Teil nach Harsum gekommen sein.

Auf den ersten Kirchbau, vermutlich aus Holz, folgten zwei Steinbauten. Eine Urkunde aus dem Jahre 1275 nennt die Pfarrei Harsum. Ein Stein mit der Jahresangabe 1461, der 1885 in den heutigen Kirchenbau eingefügt wurde, lässt auf eine 1461 erbaute Kirche schließen.

Nachdem die Vorgängerkirche für die angewachsene Bevölkerung zu klein geworden war, begann am 25. Oktober 1732 mit der Grundsteinlegung der Bau einer stattlichen Barockkirche, die den vorhandenen spätgotischen Kirchturm übernahm, in dem der Stein mit der Jahresangabe 1461 zu finden war. 1737 wurde die Kirche fertiggestellt. Aus diesen Vorgängerkirchen sind einige wertvolle Messgewänder und liturgische Geräte erhalten. 1832 bekam die Kirche einen neuen Hochaltar, der aus Haus Escherde erworben wurde, da der alte Altar schadhaft gewesen war. Am Abend des 20. November 1883, zwei Tage vor dem Patronatsfest, wurde die Kirche gegen 22 Uhr vom Blitz getroffen. Am Folgetag wurde gegen 04:30 Uhr ein Feuer in der Kirche entdeckt, infolgedessen brannte die Kirche vom Dach her aus. Bereits am Morgen waren das Dach und der Turm eingestürzt, nur das Allerheiligste und die Paramente konnten gerettet werden. Das geschmolzene Bronzematerial der vier Glocken konnte geborgen und verkauft werden.

Zunächst wurde die 1816 erbaute Pfarrscheune rasch als Notkirche eingerichtet. Bereits am 2. Dezember 1883, dem 1. Sonntag im Advent, fand in der Notkirche die erste Heilige Messe statt. Wenige Wochen nach dem Brand nahmen Kirchenvorstand und Gemeinde die Bau- und Finanzierungspläne für eine neue große Kirche in Angriff. Im Frühjahr 1884 wurde die Brandruine abgerissen und man begann – zunächst gegen den Willen des bischöflichen Generalvikariats, wo man das Unternehmen für überdimensioniert hielt – mit den Ausschachtungsarbeiten für den Neubau. Als Architekt war Christoph Hehl aus Hannover berufen worden, der bereits im Dezember 1883 erste Skizzen für den Neubau angefertigt hatte. Die Oberbauleitung des Bauvorhabens lag in den Händen von Hehl, Bauleiter war Eduard Endler.[1] Ohne die Genehmigung der bischöflichen Behörde begannen am 5. August 1884 die Bauarbeiten, die für den 29. September 1884 vom Kirchenvorstand geplante Grundsteinlegung wurde vom Generalvikariat untersagt. Erst Ende 1884 erfolgte die Baugenehmigung des Generalvikariats. Am 25. März 1885 fand nun die feierliche Grundsteinlegung statt, am 24. Oktober 1886 vollzog Bischof Wilhelm Sommerwerck die Kirchweihe. 1888 folgte der Abriss der Notkirche.

Zehn Jahre später war die Schuldenlast so weit abgetragen, dass der Mainzer Kunstmaler Valentin Volk mit der aufwändigen Ausmalung der Kirche beauftragt werden konnte. Nach seinen Entwürfen führten sein Neffe Wilhelm Volk und weitere Mitarbeiter die Arbeiten von 1896 bis 1898 aus. 1917 wurde Harsum dem Dekanat Förste zugeordnet. In den 1950er Jahren wurden die ursprünglichen Wandmalereien vereinfacht übermalt. Anfang 1960 begann nordwestlich der Kirche der Bau des Jugendheimes, das am 15. Oktober 1961 durch Diözesanjugendseelsorger Heinrich Machens eingeweiht wurde. 1972 ersetzte man die ursprüngliche, schadhaft gewordene Naturschiefereindeckung des Kirchturms durch eine Kupfereindeckung. Ein nach Plänen des Hildesheimer Architekten Hubert Ohmes 1973/74 entstandener Neubau ersetzte das bisherige, 1801 erbaute Pfarrhaus, das bereits 1972 abgerissen worden war. Auch ein Pfarrheim wurde 1974 errichtet. 1974 wurde die ursprüngliche, dunklere Dacheindeckung der Kirche durch hellere, rote Dachziegel ersetzt. In diesem Jahr wurden auch die Fenster der Kirche erneuert. 1978 wechselte Harsum in das Dekanat Borsum-Dinklar. Von 1981 bis 1984 wurde an das nördliche Querhaus eine größere Sakristei angebaut, die erstmals über Toiletten verfügte. 1984/85 wurde anlässlich einer Renovierung die ursprüngliche Ausmalung der Kirche größtenteils wieder rekonstruiert, erst 2000/01 fanden die Restarbeiten statt. Am 22. Dezember 1985 fand die Konsekration eines neuen Altares statt. 1986 wurde der schadhaft gewordene ursprüngliche Terrazzofußboden durch einen Granitbelag ersetzt, nur in der Turmhalle ist noch der ursprüngliche Fußbodenbelag erhalten. 1996 begann südwestlich der Kirche der Bau des neuen Kindergartens, der am 17. September 1997 eingeweiht wurde.

Zum 1. Dezember 2002 wurde das Dekanat Borsum-Dinklar, dem die Pfarrei Harsum angehörte, aufgelöst und mit dem ebenfalls aufgelösten Dekanat Förste-Sarstedt zum neu gegründeten Dekanat Borsum-Sarstedt zusammengeschlossen, dem die Pfarrei Harsum bis heute angehört.[2] Seit dem 1. November 2014 gehören auch die Kirchen St. Catharina in Asel und St. Matthäus in Algermissen zur Pfarrei St. Cäcilia.[3]

Orgel

Die Orgel von 1886 gehört zu den bedeutendsten Werken der Firma August Schaper (Hildesheim). Das Instrument hat 30 Register auf zwei Manualwerken und Pedal und umfasst etwa 1.900 Pfeifen. Die Disposition lautet:[4]

I Hauptwerk C–
Prinzipal 16′
Bordun 16′
Prinzipal 8′
Bordun 8′
Gemshorn 8′
Gamba 8′
Oktave 4′
Rohrflöte 4′
Sesquialtera II 223
Oktave 2′
Mixtur V
Scharff III 1′
Trompete 8′
II Oberwerk C–
Gedackt 16′
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Salizional 8′
Flaut harmonique 8′
Oktave 4′
Flaut dolce 4′
Waldflöte 2′
Cornett
Pedal C–
Prinzipal 16′
Violon 16′
Subbaß 16′
Oktave 8′
Bordun 8′
Oktave 4′
Quinte 513
Posaune 16′

Der Nachhall in St. Cäcilia beträgt 6–7 Sekunden. Diese Kathedralakustik kommt besonders der Darstellung romantischer Orgelliteratur entgegen.

Innenansichten

Siehe auch

Literatur

  • Christoph Hehl: Die katholische Pfarrkirche zu Harsum bei Hildesheim. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 21, 1887, Nr. 67, S. 397–398
  • St. Cäcilia, Harsum 1986. Festschrift zum 100. Kirchweihjubiläum.
  • Bernhard Bruns: Gemalte Christologie – Zum theologischen Gehalt der Ausmalung der katholischen Pfarrkirche St. Cäcilia in Harsum. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. 54 (1986) S. 151–180.
  • Stefan Bölke: Die Pfarrkirche St. Cäcilia in Harsum. In: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim, 70. Jahrgang, Hildesheim 2002, ISBN 3-39366-535-8, S. 339–384.
  • Willi Stoffers: Handbuch des Bistums Hildesheim. Teil 1 - Region Hildesheim. Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim (Hrsg.), Hildesheim 1992, S. 183–185.
  • Klaus Thönes, Peter Königfeld: Die Kath. Pfarrkirche St. Cäcilia in Harsum. In: Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Restaurierung von Kulturdenkmalen. Beispiele aus der niedersächsischen Denkmalpflege (= Berichte zur Denkmalpflege, Beiheft 2). Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege. Niemeyer, Hameln 1989, ISBN 3-87585-152-8, S. 251–260.
  • Bernhard Bruns: Die hl. Cäcilia. Römische Märtyrerin und Kirchenpatronin von Harsum. Bad Salzdetfurth 2001.
  • Bernhard Bruns: Kunstwerke von M. Schongauer, J. Schnorr v. Carolsfeld und M. Schmalzl als Vorlagen für die Ausmalung der katholischen Pfarrkirche in Harsum. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim. 75/76 (2007/2008) S. 1–20.
Commons: St. Cäcilia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Reinhard Glaß: Endler, Eduard Clemens. In: glass-portal.hier-im-netz.de. Abgerufen am 23. September 2023.
  2. Urkunde über die Errichtung eines neuen Dekanates Borsum-Sarstedt. In: Kirchlicher Anzeiger für das Bistum Hildesheim. Nr. 8/2002 vom 26. September 2002, S. 204–206.
  3. Urkunde über die Aufhebung der katholischen Pfarrgemeinden St. Cäcilia, Harsum, St. Catharina, Harsum-Asel, St. Matthäus, Algermissen und über die Errichtung der katholischen Pfarrgemeinde St. Cäcilia, Harsum. In: Kirchlicher Anzeiger für das Bistum Hildesheim. Nr. 8/2014 vom 3. November 2014, S. 222–224.
  4. Orgeln. Bistum Hildesheim, abgerufen am 12. Januar 2026.

Koordinaten: 52° 12′ 23″ N, 9° 57′ 50″ O