Arbogast
Arbogast ist ein urgermanischer Personenname, der seit der Spätantike belegt ist und sowohl als Vorname wie auch als Familienname vorkommt. Besonders im Elsass und in angrenzenden Regionen blieb der Name durch den Kult des heiligen Arbogast von Straßburg lebendig.
Der heilige Arbogast wurde seit dem Hochmittelalter im Elsass und in Süddeutschland als Patron gegen Krankheiten und als Stadtpatron von Straßburg verehrt.[1] Ikonographisch erscheint er meist als Bischof mit Stab und einem wiederbelebten Kind zu seinen Füßen – ein Motiv, das auf die Wunderlegende seiner Vita zurückgeht.
Etymologie
Etymologisch setzt sich der Name aus den germanischen Elementen erbo- („Erbe“) und -gast („Gast“) zusammen.[2][3] Die ursprüngliche Bedeutung wird sinngemäß als „Erb-Gast“, „Erbempfänger als Gast“ oder „der willkommen Geerbte“ gedeutet. Solche zweigliedrigen Namen mit -gast als Zweitglied sind im germanischen Sprachraum häufig, so auch Adalgast und Hugugast.
Historische Namensträger
- Arbogast der Ältere († 394), römischer Heermeister
- Arbogast der Jüngere (5. Jh.), römischer Amtsträger
- Arbogast von Straßburg († 618), Bischof in Straßburg, Heiliger
Arbogast als Familienname
Als Familienname tritt Arbogast seit dem 17. Jahrhundert im Elsass, in Lothringen, im süddeutschen Raum und später auch in Nordamerika auf.[4] Der Name ist vor allem im Elsass, in Baden, in der Schweiz und in Frankreich verbreitet. Zahlreiche Orts- und Kirchenpatrozinien wie Saint-Arbogast, Saint-Arbogast-de-Sarreguemines oder Saint-Arbogast-en-Bas-Rhin erinnern an den Heiligen.[5]
Der Familienname Arbogast verbreitete sich seit dem 18. und 19. Jahrhundert mit der Emigration aus dem Elsass und Lothringen nach Nordamerika. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) und der Eingliederung Elsass-Lothringens in das Deutsche Kaiserreich wanderten zahlreiche katholische Familien in die Vereinigten Staaten aus, insbesondere nach Pennsylvania, Ohio, Indiana und Wisconsin.[6] In US-amerikanischen Einwanderungsregistern erscheint der Name häufig in der Schreibweise Arbogast oder anglisiert als Arbogast(e). Die ältesten bekannten Einträge finden sich in den Kirchenbüchern von Lancaster (Pennsylvania), St. Louis (Missouri) und Milwaukee.[7] Im 20. Jahrhundert war der Name vor allem im Mittleren Westen verbreitet; nach Volkszählungsdaten der 1990er Jahre gilt Arbogast in den USA als ein seltener, aber klar elsässisch-französischer Herkunftsname.[8]
- Adolf Arbogast († 1531), deutscher Geistlicher in Hanau
- Christine Arbogast (* 1965), deutsche Historikerin, Kommunalpolitikerin (Tübingen, Braunschweig) und Staatssekretärin in Niedersachsen
- Eberhard Arbogast (1793–1875), Befreier Napoleons von der Insel Elba
- Émile Arbogast (1901–1978), französischer Schwimmer
- Jannik Arbogast (* 1992), deutscher Leichtathlet
- Johann Arbogast von Annenberg († 1645), Landeshauptmann der Grafschaft Glatz
- Louis François Antoine Arbogast (1759–1803), französischer Mathematiker
- Luc Arbogast (* 1975), französischer Musiker
- Rainer Arbogast (* 1944), deutscher Chirurg
- Roy Arbogast, US-amerikanischer Spezialeffektkünstler
- Thierry Arbogast (* 1956), französischer Kameramann
Kirchliche Baulichkeiten mit dem Namen Arbogast
- Bildungshaus St. Arbogast in Götzis, Vorarlberg
- St. Arbogast (Dottingen), Baden-Württemberg
- St. Arbogast (Haslach im Kinzigtal), Pfarrkirche in Baden-Württemberg
- Wehrkirche St. Arbogast, reformierte Kirche in Muttenz, Kanton Basel-Landschaft
- Kirche St. Arbogast (Oberwinterthur), reformierte Kirche in Oberwinterthur, Kanton Zürich
- St-Arbogast (Batzendorf), römisch-katholische Pfarrkirche in Batzendorf, Département Bas-Rhin
- St-Arbogast (Bourgheim), protestantische Kirche in Bourgheim, Département Bas-Rhin
Literatur
- Eberhard Knobloch: Heilige und Bischöfe des Elsass. Straßburg 2005.
- Marie-Thérèse Morlet: Les Noms de Personne sur le Territoire de l’Ancienne Gaule du VIe au XIIe siècle. CNRS, Paris 1972.
- Ernst Wilhelm Förstemann: Altdeutsches Namenbuch. 2 Bände. Bonn 1900.
- Acta Sanctorum, Juli VI. Antwerpen 1729.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Lexikon der christlichen Ikonographie, Band 1, Rom/Freiburg/Basel 1968, Sp. 861–862.
- ↑ Ernst Förstemann: Altdeutsches Namenbuch. Band 1: Personennamen. 2. Auflage. Bonn 1900, S. 99 f.
- ↑ Wilhelm Bruckner: Die altgermanischen Personennamen. Heidelberg 1895, S. 72–73.
- ↑ Marie-Thérèse Morlet: Les Noms de Personne sur le Territoire de l’Ancienne Gaule du VIe au XIIe siècle. Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Paris 1972, Bd. I, S. 57–58.
- ↑ Paul Fabre: Toponymie religieuse de l’Alsace. Presses Universitaires de Strasbourg, 1995, S. 112–115.
- ↑ Gérard Klopfer: L’émigration alsacienne vers l’Amérique au XIXe siècle. Strasbourg 1989, S. 45–46.
- ↑ U.S. Immigration and Naturalization Records, Series M237 (1820–1897), National Archives, Washington D.C.
- ↑ United States Census Bureau: Census of Population and Housing 1990, Surname Database. Washington D.C. 1995.