St. Anna (Neustadt an der Donau)

Die römisch-katholische Kirche St. Anna in Neustadt an der Donau, einer Stadt im niederbayerischen Landkreis Kelheim, ist ein barocker Bau aus dem Jahr 1715. Die Kirche ist der heiligen Anna, der Mutter Marias, geweiht. Sie ist an die Ostfassade des gotischen Rathauses angebaut, über das es einen Zugang zur Empore der Kirche gibt. Die Kirchen steht am Stadtplatz in der Nähe der Pfarrkirche St. Laurentius und gehört zu den geschützten Baudenkmälern in Bayern.[1]

Geschichte

Bereits im Jahr 1508 ist im Visitationsprotokoll des Bistums Regensburg eine „capella beate virginis sub pretorio“ (Kapelle der seligen Jungfrau neben dem Rathaus) erwähnt.[2] Der Name St. Anna-Kapelle ist erstmals im Jahr 1617 belegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg muss die Kirche in sehr schlechtem Zustand („völlig ruinirt, und zu Hauffen gefallen“) gewesen sein, so dass man sich 1715 zu einem Wiederaufbau entschloss.[3] Nach vierjähriger Bauzeit wurde die neue Kirche im Jahr 1719 durch den Regensburger Weihbischof geweiht.

Architektur

Über der Apsis erhebt sich über einem flachen Mauervorsprung der quadratische, durch Gesimse gegliederte Chorturm. Sein oktogonaler Aufsatz wird von einer Zwiebelhaube bekrönt.

Die beiden Portale an der Nord- und Südseite des Langhauses werden von schlanken Säulen mit korinthischen Kapitellen gerahmt, die einen verkröpften, segmentbogigen Giebel tragen.

Das einschiffige Langhaus ist durch drei Fensterachsen gegliedert und wird im Innern von einer Stichkappentonne überwölbt, die auf flachen Wandpfeilern mit Pilastervorlagen und ausladenden Gebälkstücken aufliegt. Im Osten öffnet sich ein runder Chorbogen zur eingezogenen Apsis, deren Kalotte als Muschel in Stuck ausgebildet ist. Den westlichen Abschluss des Langhauses bildet eine Empore, die bis zur Innenrenovierung der Kapelle in den Jahren 2016/17 nur vom Rathaus aus zugänglich war.

Stuckdekor und Deckenmalerei

Die Decke ist mit einem reichen Stuckdekor aus Blattfriesen, Rankwerk und Engelsköpfen überzogen. Die drei großen Deckengemälde sind von Stuckrahmen umgeben und enthalten allegorische Darstellungen. Die kleineren Bilder zwischen den Stichkappen weisen Epigramme auf, die sich auf die Heilssymbolik von Edelsteinen wie Jaspis, Chrysolith, Smaragd und Hyazinth beziehen.

Auf dem Deckengemälde im Chor ist die Arche Noah zu sehen und eine Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel, dem Zeichen dafür, dass die Sintflut vorüber ist.

Ausstattung

  • Der barocke Hochaltar mit der Titelinschrift Altare privilegiatum wurde um 1715/20 von dem Neustädter Schreiner Anton Schnidtmann geschaffen. Sein Aufbau wird von vier glatten und zwei gewundenen Säulen getragen. Das Altargemälde wird dem Prüfeninger Maler Johann Gebhard (1676–1756) zugeschrieben. Es stellt das Jesuskind mit dem Kreuz dar, das auf der Weltkugel steht und der jugendlichen Maria beim Leseunterricht im Kreise ihrer Eltern erscheint, zwei Engel krönen Maria mit einem Blütenkranz. Auf dem Auszugsbild ist Gott Vater mit einem Engel und der Heilig-Geist-Taube dargestellt.

Unten in der Mitte des Hochaltarbildes befindet sich das Wappen der Stifterfamilie, des Neustädter Pflegers Johann Niklas von Heydon und seiner Gattin Anna Margaretha, geb. Freifrau von Schrenck zu Eberstall. Das Antependium des Choraltares wurde 1737 von Schnidtmanns Sohn Baltasar gefertigt und ist von dem Neustädter Maler Kaspar Kriner gefasst worden.

  • Die aus der gleichen Zeit stammenden Seitenaltäre sind ebenfalls dem Neustädter Schreiner Anton Schnidtmann zugeschrieben mit reichen Akanthusschnitzereien verziert und werden von Baldachinen bekrönt. Die Gemälde der beiden Altäre wurden 1721 von dem Münchner Hofmaler Johann Degler (1667–1729) ausgeführt, dessen Signaturen bei der Innenrenovierung der Kirche in den Jahren 2016/17 entdeckt wurden.[4] Das Altarbild des nördlichen Altars ist dem heiligen Florian gewidmet, das Bild des südlichen Altars dem heiligen Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Auf den Medaillons im Auszug sieht man links die Anbetung der Heiligen Drei Könige und rechts die heilige Elisabeth von Thüringen. Die Assistenzfiguren am südlichen Seitenaltar, links der heilige Georg und rechts der heilige Leonhard, sind Arbeiten aus der Zeit um 1715.
  • Die spätbarocke Schnitzfigur der Mater dolorosa (schmerzhafte Muttergottes) mit großem Strahlenkranz wird in die Zeit um 1710 datiert.
  • Die Kirchenbänke mit ihren kunstvoll geschnitzten Wangen sind noch aus der Erbauungszeit der Kapelle erhalten.

Orgel

Im Jahr 2018 erhielt die Kirche eine neue Orgel mit 16 Registern auf zwei Manualen, einem zusätzlichen Koppelmanual und Pedal, die von der ehemaligen Benediktinerabtei Benediktbeuern erworben wurde. Das Instrument mit über 900 Pfeifen wurde 1982 von der Firma Orgelbau Sandtner in Dillingen an der Donau gebaut und stand ursprünglich im Kurfürstensaal des Klosters, der von den Salesianern Don Boscos, die das Kloster 1930 übernommen hatten, als Hauskapelle genutzt wird. Um die Orgel aufnehmen zu können, musste die Empore durch eine Stahlkonstruktion verstärkt werden.[5]

Literatur

  • Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern II. Niederbayern. Bearbeitet von Michel Brix u. a. 2. durchgesehene und ergänzte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03122-7, S. 413. (Abschrift auf de.dehio.org, abgerufen am 12. November 2025)
  • Anton Metzger: „St. Anna-Kirche“ Neustadt a. d. Donau. Hrsg. Pfarrei St. Laurentius Neustadt a. d. Donau. Neustadt an der Donau 2019.
  • Georg Paula, Volker Liedke, Michael M. Rind: Landkreis Kelheim (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band II.30). Verlag Schnell & Steiner, München/Zürich 1992, ISBN 3-7954-0009-0, S. 362.
Commons: St. Anna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Denkmalliste für Neustadt an der Donau (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalnummer D-2-73-152-21.
  2. Anton Metzger: „St. Anna-Kirche“ Neustadt a. d. Donau. Pfarrei St. Laurentius Neustadt a. d. Donau (Hrsg.), Neustadt an der Donau 2019, S. 3.
  3. Anton Metzger: „St. Anna-Kirche“ Neustadt a. d. Donau. Pfarrei St. Laurentius Neustadt a. d. Donau (Hrsg.), Neustadt an der Donau 2019, S. 4.
  4. Anton Metzger: „St. Anna-Kirche“ Neustadt a. d. Donau. Hrsg. Pfarrei St. Laurentius Neustadt a. d. Donau. Neustadt an der Donau 2019, S. 16.
  5. Orgelbeschreibung, auf Organ index. Abgerufen am 12. November 2025.

Koordinaten: 48° 48′ 33,2″ N, 11° 45′ 51,9″ O