St. Agatha (Angelmodde)

Die katholische Pfarrkirche St. Agatha ist eine denkmalgeschützte Wehrkirche in Angelmodde, einem Ortsteil von Münster (Nordrhein-Westfalen). Sie gilt als eine der ältesten Kirchen Münsters.[1]

Geschichte und Architektur

Die Kirche ist eine der wenigen romanischen Dorfkirchen im Münsterland, die noch einen annähernd ursprünglichen Eindruck vermitteln. Ihr Langhaus entstand Erkenntnissen aus dem Jahr 2025 zufolge vor dem Turm, der um oder nach 1221 errichtet wurde.[2] Zuvor wurde von der umgekehrten Baureihenfolge ausgegangen.[1]

Der kleine romanische Saal zu zwei Jochen und einem niedrigen quadratischen Chor wurde am Ende des 12. oder am Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Der Westturm wirkt gedrungen, die kleine Apsis ist flachrund gehalten.

Bei einer Feuersbrunst im Jahr 1646 brannte die Kirche vollständig aus.[1] Teile des Turms fielen auf das Langhaus und durchbrachen eine der Kuppeln des Gewölbes.[1] Das Mauerwerk enthält Anzeichen dafür, dass die Dachform beim Wiederaufbau hin zu einem spitzer zulaufenden und höheren Dach geändert wurde.[1][2] Dies sei Einflüssen der Gotik geschuldet, worunter jedoch die Statik litt.[1] Das Holz der Dachkonstruktion stammt aus zwei verschiedenen Jahrhunderten.[2] Dendrochronologische Proben datierten das ältere Holz auf das Jahr 1495, dem jüngeres Holz nach dem Brand von 1831 hinzugefügt wurde.[2]

Am 18. Juli 1831 brach im Haus eines Holzschuhmachers ein Brand aus, der sich über die Strohdächer verbreitete und zu einem Großbrand in Angelmodde führte, dem vierzehn Wohnhäuser rund um die Kirche zum Opfer fielen.[3] Der Brand sprang auch auf St. Agatha über.[1] In Angelmodde gab es noch keine Feuerwehr, so dass eine Wasserspritze aus Wolbeck herbeigeholt werden musste, um die Kirche von den Flammen zu befreien.[3]

Bei der Restaurierung zur Re-Romanisierung von 1953 bis 1957 wurden die Fenster wieder ihrer ursprünglichen, kleineren Größe angenähert.[2] Erneut wurde von 1978 bis 1979 renoviert. Die verputzten Bruchstein­mauern sind durch kleine Rundbogenfenster, der Turm ist durch Biforienfenster gegliedert. Das westliche Portal mit eingestellten Säulen ist wohl aus der Zeit um 1200, es wurde erneuert. Der Innenraum ist vollständig überwölbt, was ungewöhnlich für eine Dorfkirche ist.[1] Die Kreuzgratgewölbe im Langhaus ruhen auf kräftigen, kreuzförmigen Wandpfeilern und breiten Schild- und Gurtbögen. Die Kämpfer der Pfeiler sind mit Schachbrettmuster oder attischem Profil verziert. Die Bleiglasfenster wurden von 1957 bis 1958 nach Entwürfen von Vincenz Pieper angefertigt.[2]

Im August 2017 wurde ein Befall des Dachstuhls durch Holzwürmer festgestellt.[1] Im Sommer 2022 fanden Sanierungsarbeiten am Dachwerk statt. Diese wurden durch den Fachbereich Denkmalpflege des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe begleitet. In diesem Zusammenhang fand die erste bauhistorische Untersuchung des Gebäudes statt.[2] Die Kirche sowie die Ergebnisse der Bauforschung wurden zum Denkmal des Monats im November 2022 erklärt.[4]

Ausstattung

Glocken

Orgel

Auf einer kleinen Empore befindet sich die älteste Orgel Münsters. Das Instrument wurde 1842 von dem Orgelbauer Johann Kersting (Münster) mit sechs Registern erbaut und 1882 mit einem Pedal ausgestattet. 1958 wurde die Orgel von dem Orgelbauer Franz Breil (Dorsten) verändert. Er entfernte den stummen Prospekt von 1882 und baute ein neues Pedalwerk. Das Schleifladen-Instrument hat heute acht Register auf einem Manual und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch. Das Manualwerk ist an das Pedal koppelbar.[5]

I Manualwerk C–f3
Principal 4′
Flaut travers 8′
Bourdun 8′
(Fortsetzung)
Flauto dolce 4′
Octav 2′
Mixtur III
Pedal C–d1
Subbass 16′
Gedacktpommer 4′

Literatur

Commons: St. Agatha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Westfälische Nachrichten: Der alte Dachstuhl und seine Geheimnisse: Feuersbrunst und Pfusch, Münster, Münster-Angelmodde, Markus Lütkemeyer, 25. Dezember 2022
  2. a b c d e f g Westfälische Nachrichten: Tag des Denkmals: Einblicke in 800 Jahre Baugeschichte, Münster/Stadtteile, Münster-Angelmodde, Andreas Hasenkamp, 16. September 2025
  3. a b wigbold-wolbeck.de: Wolbecker Chronik für das Jahr 1831, abgerufen am 26. September 2025
  4. Denkmal des Monats
  5. Informationen zur Orgel (Memento des Originals vom 6. Juli 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orgelmagazin.de

Koordinaten: 51° 55′ 22″ N, 7° 42′ 2,2″ O