St. Ägidius (Neusäß)

Die katholische Pfarrkirche[1] St. Ägidius in der Bürgermeister-Kaifer-Straße in Neusäß wurde von 1951 bis 1953 von Thomas Wechs erbaut. Die dazugehörige Pfarrei St. Ägidius gehört zum Dekanat Augsburg-Land.

Neben der Kirche befindet sich in der Nähe der Remboldstraße die Kapelle St. Ägidius, die im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt. Um die Kapelle wurde ein kleiner Park mit Teich angelegt, der Ägidiuspark. Kirche und Kapelle sind dem heiligen Ägidius geweiht und beide geschützte Baudenkmäler.

Kirche

Die Kirche ist ein durch rhythmische Wandpfeilerstruktur vertikal gegliederter Saalbau mit schlankem, in einer Nadelspitze endigendem Turm. Die Portalachse ist durch Superposition (Übereinanderstellung) von Heiligenfiguren hervorgehoben. Der zugehörige Pfarrhof ist ein zweigeschossiger Satteldachbau, der gleichzeitig entstanden ist und sich südlich an die Kirche anschließt.

Das obere Altargemälde Beweinung Christi ist ein Werk des Augsburger Kirchenmalers Karl Radinger aus dem Jahr 1963. Eine Muttergottesfigur in der Kirche stammt aus dem beginnenden 18. Jahrhundert.

Orgel

Die Orgel besitzt einen Freipfeifenprospekt, der 1958 von Thomas Wechs entworfen und von der Orgelbaufirma Hindelang aus Ebenhofen (Allgäu) gebaut wurde. Wechs gestaltete die Orgel mit einfachen Mitteln und ohne zusätzliche Ornamente. Die großen Prospektpfeifen bestehen aus Elektrolytzink, die kleineren aus einer Zinnlegierung.[2]

Die Pfeifen stehen in zwei Ebenen. Die hintere Ebene beginnt links mit den vier größten und gleich langen Pfeifen, daneben schließt sich eine Baßpfeifenreihe an, die von links nach rechts parabelförmig abfällt. Im Vordergrund steht ein zweites, kleineres Pfeifenprospekt, dessen Oberkante entgegengesetzt parabelförmig zur Mitte hin abfällt. Diese Anordnung erzeugt ein interessantes Linienspiel und vermittelt beim vorderen Pfeifenprospekt den Eindruck einer bogenförmigen Reihung, obwohl die Pfeifen linear stehen.[2]

Eine Besonderheit stellt die Disposition dar, da sie dreimanualig ausgeführt wurde. Verantwortlich dafür war der damalige Orgelsachverständige der Diözese Augsburg, Domkapellmeister Paul Steichele, der einem neobarocken Klangideal folgte.[3] Als Windladen dient eine Kegellade, die Traktur ist elektrisch. Der Spieltisch befindet sich auf der Evangelienseite der Empore.

Im Laufe der Zeit wurden einige Veränderungen durch verschiedene Orgelbauer vorgenommen, darunter der Einbau eines neuen Dulzian 8′ im Positiv. Eine umfangreiche Sanierung erfolgte 2005. Bis auf wenige Änderungen besitzt die Orgel einen großen Anteil originaler Substanz der Erbauerfirma.

Die Disposition lautet wie folgt:

I Hauptwerk
1. Pommer 16′
2. Principal 08′
3. Flöte 08′
4. Octave 04′
5. Querflöte 04′
6. Quinte 0223
7. Octave 02′
8. Mixtur 0113
9. Trompete 08′
II Schwellwerk
10. Gedackt 08′
11. Weidenpfeife 08′
12. Principal 04′
13. Blockflöte 04′
14. Sesquialtera 0223
15. Flöte 02′
16. Plein Jeu 0223
17. Oboe 08′
III Positiv
18. Gedeckt 08′
19. Quintatön 08′
20. Rohrflöte 04′
21. Principal 02′
22. Quinte 0113
23. Cymbel 3fach
24. Dulzian 08′
Pedal
25. Principal 16′
26. Subbass 16′
27. Octavbass 08′
28. Gemshorn 08′
29. Choralbass 04′
30. Hintersatz 3fach
31. Posaune 16′

Kapelle

Die Ägidiuskapelle gehörte ursprünglich zum abgegangenen „Remboldschlösschen“. Sie wurde 1602 erneuert und 1711 verlängert. Die Kapelle ist ein Saalbau mit dreiseitigem Schluss. An ihrer Ostseite befindet sich ein Turm mit Haube.

Literatur

  • Bernd-Peter Schaul: Schwaben. Hrsg.: Michael Petzet, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (= Denkmäler in Bayern. Band VII). Oldenbourg, München 1986, ISBN 3-486-52398-8.
  • Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Nachkriegsorgeln im Altlandkreis Augsburg. Hrsg.: Heimatverein für den Landkreis Augsburg (= Jahresbericht. Band 19). Selbstverlag, Augsburg 1984.
Commons: Kirche St. Ägidius (Neusäß) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Kapelle St. Ägidius (Neusäß) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bistum Augsburg
  2. a b H. Fischer, T. Wohnhaas, S. 267
  3. H. Fischer, T. Wohnhaas, S. 277

Koordinaten: 48° 23′ 30″ N, 10° 50′ 15″ O