St.-Johannis-Kirche (Oldisleben)

Die evangelische St.-Johannis-Kirche steht an herausgehobener Stelle in Oldisleben, einem Ortsteil von An der Schmücke, nahe der Thüringer Pforte im Kyffhäuserkreis in Thüringen. Die Gemeinde gehört zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Geschichte und Gestaltung

Eine 972 errichtete Kirche St. Nicolai stand vermutlich bis 1715 im Unterdorf in der Backhausgasse. Sie gehörte wahrscheinlich zu einem Kloster.[1]

Der 1506 erbaute Vorgängerbau der St.-Johannis-Kirche musste nach rund 400 Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Am 25. Juli 1910 begannen Maurermeister Karl Haase und seine Arbeiter den Neubau der Kirche – die Grundmauern der alten Kirche wurden vom neuen Fundament umschlossen. Am 25. August 1910 war die Grundsteinlegung mit dem Geheimen Kirchenrat Wuttich aus Allstedt, Pfarrer Strümpfel aus Sachsenburg und den Einwohnern von Oldisleben. Der Initiator des Neubaus der Kirche, Pfarrer Stößner, starb bereits am 4. Juli 1910 im Alter von 48 Jahren.

Die Kirche wurde nach Plänen des Architekten M. B. Schlag aus Frankenhausen gebaut, der sie im Jugendstil gestaltete. Die Oberaufsicht hatte der Architekt und großherzogliche Baubeamte Alfred Lindig aus Weimar, mit Aufsicht und Bauleitung war der Architekt Friedrich Fahro aus Halle betraut. Am 3. Dezember 1911 (1. Advent) erfolgte die Weihe der neuen Kirche.

Der Flügelaltar aus der Vorgängerkirche ist das Werk eines unbekannten Meisters aus der Spätgotik um 1500. Die drei großen Fenster im Altarraum – Weihnachtsfenster, Kreuzigungsfenster und Himmelfahrtsfenster – wurden privat gestiftet und am 22. September 1911 eingesetzt.

Von 1983 bis 1994 war Martin Steiger Pfarrer dieser Kirche.[2][3] Er plante und verwirklichte 1988 die umfassende und stilgerechte Sanierung des Innenraums der Kirche. Dabei wirkte Horst Jährling als erfahrener Berater mit.[4] Als Höhepunkt gelang es Pfarrer Steiger, am 13. Oktober 1989 den Thomanerchor mit ihrem Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch zu einem Konzert in die Kirche zu holen.[5]

Glocken

Während der beiden Weltkriege wurden drei der bronzenen Kirchenglocken als Metallspende des deutschen Volkes eingeschmolzen. Die älteste von 1513 blieb davon verschont.

Der Guss dieser Glocke der St.-Johannis-Kirche wurde nach der Weihe der der alten Kirche im Jahr 1506 in Erfurt in Auftrag gegeben. Glockengießer war Heinrich Ciegler – seine Gießerzeichen waren H.C., h. c. oder eine Sichel. 1513 war das Werk vollendet. Auf dem Relief der Glocke ist Maria in einem langen, faltigen Gewand zu sehen. Sie trägt eine Krone und steht auf einer Mondsichel, umgeben von den Strahlen der Sonne. Auf dem Arm trägt sie ihr Kind.

Als die als Ersatz angeschafften drei Gussstahlglocken ihre Lebensdauer überschritten hatten, mussten sie ersetzt werden. Die erste neue Bronze-Glocke wurde am 28. Oktober 2011 und die beiden weiteren am 19. Oktober 2012 in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen und am 1. Advent 2011 bzw. 2012 in Oldisleben begrüßt. Der Neuguss der drei Glocken erfolgte in der Amtszeit des Pfarrers Reinhardt Süpke.[6]

Pfarrer in Oldisleben

  • 1911–1933: Hans Atzel, Diak., Pf.
  • 1933 (1935)–1937 (1938): Theodor Gustav Fritz Koszinowski, Hpr., Hpf.
  • 1937 (1938, 1941)–1951: Friedrich Gerhard Wambach, Hpr., Hpf., Pf. (1940–1945 Kriegsdienst)
  • 1952–1971: Ernst Walter Spengler, komm. Verw., Pf.
  • 1981: Beate Christine Becker geb. Kahlert, Vik.
  • 1983‐1994: Heinz Martin Steiger, Pf.
  • 1997‐2006: Reinhard Süpke, Pf., 2006 Opf.[7]

Varia

  • Die Stein-Kanzel bezeichnen Spötter aufgrund ihrer eindrucksvoll massiven Gestaltung und herausgehobener Stellung mittig im Chorraum (sie ist über beidseitig über geometrische, gleichermaßen massive Treppen erreichbar) als „U-Boot-Kanzel“.
Commons: St. Johanniskirche (Oldisleben) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 28. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/die-thueringer-pforte.de
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 19. Oktober 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landeskirchenarchiv-eisenach.de, S. 166, abgerufen am 6. Juni 2021
  3. Seine Ehefrau Dr. med. Elke Steiger wirkte als Allgemeinärztin im Ort. Zuvor war er Pfarrer an St. Severi in Blankenhain, von 1994 bis zum Ruhestand 2001 an St. Stephanus in Schöndorf bei Weimar.
  4. laut Auskunft von Pfarrer im Ruhestand Martin Steiger, Weimar, am 31. Januar 2020
  5. laut Informationen von Pfarrer im Ruhestand Martin Steiger, Weimar, am 5. Februar 2020
  6. https://www.suptur-bad-frankenhausen.de/lilac_cms/de/5968,,gemver,ort_details,1,10,61/Pfarrbereiche-undKirchengeme/Kirchenkreis-Bad-Frankenhausen/Pfarrbereich-Oldisleben/Oldisleben.html
  7. Thüringer Pfarrerbuch Band 10: Thüringer evangelische Kirche 1921‐1948 und Evangelisch‐Lutherische Kirche in Thüringen 1948‐2008. Heilbad Heiligenstadt 2015 (Memento des Originals vom 19. Oktober 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landeskirchenarchiv-eisenach.de, S. 166, abgerufen am 19. Juni 2021

Koordinaten: 51° 18′ 27″ N, 11° 10′ 4,5″ O