St-Pardoux (Gimel)

Die Kirche Saint-Pardoux ist ein römisch-katholisches Gotteshaus aus dem späten Mittelalter in Gimel-les-Cascades. Das Patrozinium hat der Heilige Pardulf von Gueret.

Die Kirche ist im Inventaire Supplémentaire des Monuments Historiques eingetragen und zieht jährlich zahlreiche Besucher an, die auch wegen der bekannten Montane-Wasserfälle den Ort besuchen. Auffälligstes äußeres Erscheinungsmerkmal ist der vierjochige Glockenturm, der von einem Steinkreuz überragt wird. Das Mittelalter erforschende Kunsthistoriker schätzen vor allem den Goldschmiede-Kunstschatz und die Wandmalereien.[1] Die Kirche wurde 2009 unter Denkmalschutz gestellt.[2]

Geschichte

Lange Zeit wurde das Alter des Gebäudes auf das 15. Jahrhundert datiert, weil Bischof Barton de Montbas 1486 den Wiederaufbau angeordnet hatte, doch lassen neuere Untersuchungen Bauelemente des späten 13. Jahrhunderts erkennen. So ist ausgeschlossen, dass zu dieser Zeit für den Bau Teile der älteren Kirche innerhalb der örtlichen Burgmauer verwendet wurden. Eindeutig verweisen die beiden Chorfenster und das Portal auf den dekorativen Stil des ausgehenden 13. Jahrhunderts.[2] Die Kunsthistorikerin Delcroix wirft die Frage auf, ob der – für eine Kirche ungewöhnlich – nach Süden ausgerichtete Baukörper ursprünglich geostet war.[1]

Wahrscheinlich um 1759 wurde das Dach abgesenkt.

Bau und Ausstattung

Altaraufsätze und Teile des Freskos
Altaraufsatz links „Verkündung“ (Südost-Ecke)
Altaraufsatz rechts „Heimsuchung“ (Südwest-Ecke)

Die Kirche aus Gneis-Bruchstein mit Quadersteinen steht in der Dorfmitte und ist von ebenso gebauten Häusern umgeben. Ihre Achse liegt in Nord-Süd-Richtung, was die besondere topografischen Lage des Ortes auf einem Felsvorsprung erfordert. Die Glockenmauer trägt vier Glocken. Das Satteldach des Kirchenschiffs wurde aus Corrèze-Schiefer gefertigt. Der einschiffige Kirchenraum, der in einer flachen Apsis mit einem zentralen Fenster endet und von einem geraden Joch vorgelagert ist, hat ein Tonnengewölbe aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Vom Kirchenschiff aus öffnen sich nach Westen zwei Kapellen. Auf den Schlusssteinen sind die Wappen von Gabriel de Gimel und Marguerite de Lastic zu sehen, die 1478 geheiratet hatten.[1][3]

Das Kircheninnere war im Laufe der Jahrhunderte zahlreichen Änderungen unterworfen. Das auffälligste Gestaltungselement sind die Fresken an der Südmauer, die seit 2006 wieder sichtbar sind. Sie wurden entdeckt, nachdem 1997 beide Altaraufsätze aus dem 18. Jahrhundert abgenommen worden waren, um sie einer umfangreichen Restaurierung zuzuführen.

Retabel

Die Altaraufsätze von 1822 waren mit weiterer Holzvertäfelung so vor der Wand angebracht, dass die dahinterliegenden Fresken nicht zu sehen waren. Die beiden Tafeln zeigen die Lokalheiligen Saint Pardoux und Saint Dumine. Auf den Rückseiten dieser beiden Holztafeln sind Darstellungen von 1759 mit der Verkündigung des Herrn (links) und Mariä Heimsuchung (rechts) zu sehen, deren Schauseiten heute an den beiden Seitenwänden zum Kirchenraum gerichtet sind, damit sie nicht die Sicht auf die Fresken verdecken. Ebenfalls zum Ende der 1990er Jahre wurde die Gipsdecke entfernt, um das Gewölbe mit Holzlattung wieder sichtbar zu machen. Nach Ansicht der Kunsthistorikerin Delcroix-Landry haben sich die Raumproportionen durch die Vergrößerung des Raumvolumens durch Erhöhung der Decke deutlich verbessert.[4] Die Fresken wurden 1992 mit der Inventarnummer PM23000543 unter Schutz gestellt.[5]

Wandmalerei

Apsis vor und nach der Restaurierung
Apsis von 1822
Apsis mit Fresko, heute

Die gesamte Breite der durch die hohe Fensternische in zwei Hälften geteilten Südwand ist bemalt.[1.1] Weil im Laufe der Zeit insbesondere auf der linken Seite Veränderungen vorgenommen wurden, sind nicht mehr alle Szenen klar zu deuten.

Ganz links ist ein unvollständig erhaltener heiliger Bischof zu sehen, der sich von einem roten Brokat-Hintergrund abhebt. In ungelenken Proportionen schwebt an seiner Seite eine kniende Figur, vielleicht ein Stifter. Sie faltet die Hände und hält einen nicht zu erkennenden Gegenstand. Der rote Brokat-Hintergrund mit links kaum noch sichtbarem blauem Sternenhimmel darüber zog sich ursprünglich über die gesamte Seite. Ganz rechts erscheint er wieder deutlich bei einem Ritter, der das Wappen von Karl de Valois, dem 1472 verstorbenen Bruders von König Ludwig XI., als Herzog der Guyenne an der Schulter trägt. Er wendet sich einer Verkündigungsszene vor blauem Hintergrund zu, von der er durch eine gemalte Säule getrennt ist, während der Namensgeber der Kirche, der heilige Pardulf, hier PAR DULTUS beschriftet, mit Heiligenschein und Abtstab unter demselben Gewölbe abgebildet sind. An seiner Seite sind zwei kniende Personen abgebildet: der Geistliche ist mit Jean de Gimel aus der Stifterfamilie zu identifizieren, der 1494 als Erzpriester in Gimel bezeugt ist. Die kleinere Figur ist vermutlich ein Familienmitglied. Die Szenen auf der rechten Seite werden auf die Zeit um 1500 datiert.[1]

Auf der linken Seite hat sich eine ältere, weniger kunstvolle Malerei erhalten. Der Bischof ist daher heute durch eine Figur des heiligen Antonius in einem Rahmen zur Hälfte verdeckt. Der Kult dieses Heiligen erreichte im 14. und 15. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Er ist mit gedrehtem Stock, Feuer und Schwein, seinen bekannten Attributen, zu sehen. Delcroix bewertet diese Darstellung als ungewöhnlich, da im Limousin Antonius ikonografisch sehr selten anzutreffen war und von der Popularität des heiligen Martial überstrahlt wurde.[1] Daneben befindet sich ein Gnadenstuhl, eine Form der Darstellung des dreieinigen Gottes, bei der Gott Vater auf einem Thron sitzt und den gekreuzigten Jesus vor sich hält; der heilige Geist ist als Taube zwischen beider Köpfe zu sehen.

Schatzkammer

Die Schatzkammer ist ein kleiner Raum, der vom Kirchenschiff aus in der Ostwand nahe der Eingangstür eingelassen ist. Sie bewahrt einige Kostbarkeiten aus dem Kirchenschatz der Kirche.

  • Reliquiar des heiligen Dumine aus dem frühen 15. Jahrhundert
Die Büste in Lebensgröße aus getriebenem Silber, die Partien der Haare und des Barts sind vergoldet. Ursprünglich enthielt das Reliquiar den Schädel des Heiligen.
  • Schrein von Gimel
aus emailliertem und vergoldetem Kupfer, Ende 12. Jahrhundert in Limousin, 28 × 11 × 25 cm (L × B × H)
in leuchtenden Farben, mit sehr feiner und detaillierter Zeichnung, Gold mit Emailleelementen. Dargestellt wird auf der einen Seite das Martyrium des heiligen Stephanus, auf der anderen Seite sind es die Heiligen Johannes, Petrus, Paulus und Philippus. An einer Seite befindet sich eine kleine Tür mit einem Schloss. Von den ursprünglich drei Kugeln am Dachfirst ist nur noch die mittlere erhalten. 1991 wurde der Schrein gestohlen, ein Jahr später in Bologna wiedergefunden, 1993 zurückgegeben und im Oktober 1994 wieder in der Kirche aufgestellt. Für Ausstellungszwecke wird er gelegentlich ausgeliehen und in dieser Zeit durch eine Reproduktion in der Schatzkammer ersetzt.

Pfarrei

Bis 1822 war die Kirche mit Sitz eines bedeutenden Erzpriesteramts, dem etwa fünfzig Pfarreien angehörten, dem Bistum Limoges angegliedert. Sie steht seit dem 18. Jahrhundert auch unter dem Patronat des St. Étienne (Dumine). Zuvor war die Kirche im nahen Braguse diesem Heiligen unterstellt, die wegen Baufälligkeit aufgegeben wurde. Welche der beiden Kirchen ursprünglich Sitz des Erzpriestertums war, lässt sich heute nicht mehr feststellen. 1822 kam die Kirche dann zum Bistum Tulle und verlor dabei etwa zwanzig Gemeinden.[1]

Commons: St-Pardoux (Gimel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Claudine Delcroix-Landry: Les peintures murales de l’église de Gimel. Éléments d’analyse. Bulletin Monumental, 2009 167–4 S. 325–330.
    1. S. 406.
  2. a b Eglise Saint-Pardoux. Ministère de la Culture, Médiathèque du patrimoine et de la photographie, 2009.
  3. Jean-Baptiste Poulbrière: Dictionnaire historique et archéologique de Tulle, Band 1, Brive 1964, S. 458–470.
  4. Pierre Garrigou Grandchamp: Zustand vor der Abnahme der Altaraufsätze 1997.
  5. Retable, son tableau d’autel: la présentation de Jésus au Temple, et 2 statuettes. Ministère de culture.

Koordinaten: 45° 17′ 56″ N, 1° 51′ 5,1″ O