Spreiz-Gamander

Spreiz-Gamander

Spreiz-Gamander (Teucrium divaricatum)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Ajugoideae
Gattung: Gamander (Teucrium)
Art: Spreiz-Gamander
Wissenschaftlicher Name
Teucrium divaricatum
Sieber ex Heldr.

Der Spreiz-Gamander (Teucrium divaricatum)[1] ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gamander (Teucrium) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).[2] Der Halbstrauch ist vor allem in Griechenland, auf den Ägäischen Inseln, auf Zypern und Kreta verbreitet. Er wird selten als Zierpflanze verwendet.

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Der Spreiz-Gamander ist ein aromatischer, formenreicher Halbstrauch, der Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern erreicht.[3] Die krautigen Stängel sind meist mit kurzen, lockigen Haaren bedeckt.[2] Die älteren Stängel sind verholzt. Die 10 bis 25 Millimeter langen und 8 bis 15 Millimeter breiten Laubblätter sind eiförmig, kahl oder behaart, an der Basis keilförmig, am Rande gekerbt und kaum umgerollt. Sie sind unterseits kahl oder locker filzig behaart.[1]

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von April bis Juli,[3][4] in mitteleuropäischen Gärten von Juli bis September.[2] Der lockere Blütenstand besteht aus vielen übereinander stehenden, einseitigen Scheinquirlen mit jeweils ein bis vier Blüten.[1][2] Der grüne oder violette Blütenkelch ist wollig bis zottig behaart.[1] Die 10 bis 15 Millimeter lange, rosa bis purpurne Blütenkrone besitzt auffällige, weit vorstehende Staubblätter.[3]

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 16; es tritt Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 62 und 64 auf.[5][6]

Vorkommen

Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Ionischen Inseln, der Peloponnes über Mittelgriechenland, Thessalien und Zentralmakedonien sowie die Ägäischen Inseln einschließlich Kreta, Zypern, Nordostlibyen, die Türkei, Syrien und den Libanon bis nach Israel und Palästina.[7][1]

Der Spreiz-Gamander besiedelt trockene, felsige Garrigues und Phryganas, häufig offene Felsfluren in Küstennähe,[3] auf kalkreichen und vulkanischen Böden in Höhenlagen von Meereshöhe bis 1700 Metern.[8] In den Bergen der Region Palästina wächst er in Höhenlagen zwischen 520 und 820 Metern häufig zusammen mit Aleppo-Kiefer, Kretischer Zistrose, Terpentin-Pistazie und Kopfigem Thymian.[9]

Taxonomie und Systematik

Als Erstveröffentlichung von Teucrium divaricatum durch Franz Wilhelm Sieber gilt der 1856 von Theodor von Heldreich gelistete Pflanzenname mit dem Autorenkürzel Sieb. als Nr. 290 im Herbarium Graecum Normale.[10][7] Heldreich bestätigte, dass die von Sieber im Jahr 1817 auf Kreta gesammelten und benannten Herbarbelege seit vielen Jahren als Typusexemplare von Teucrium divaricatum galten. Denn andere Autoren hatten sich in ihren Pflanzenbeschreibungen auf diese Herbarbelege bezogen.[11]

So erwähnte George Bentham im Jahr 1835 Siebers Herbarbelege in Labiatarum Genera et Species, S. 682, als rotblühende Varietät von Teucrium flavum, versehen mit einem Fragezeichen und dem Hinweis, dass es sich um eine eigene Art oder um eine Varietät von Teucrium microphyllum handeln könnte.[12] Edmond Boissier verwendete im Jahr 1879 in Flora Orientalis, Band 4, S. 816, in der Beschreibung von Teucrium divaricatum ebenfalls Siebers Autorenkürzel Sieb.[13]

Das Artepitheton divaricatum bedeutet „auseinander gebogen“ oder „gespreizt“ und bezieht sich hier auf die langen, ausgebreiteten Stängel der Pflanze.[11] Von Teucrium divaricatum sind vier Unterarten bekannt:[7]

  • Teucrium divaricatum subsp. divaricatum: Der Typus kommt in Griechenland einschließlich Kreta und den Ostägäischen Inseln, im nordöstlichen Libyen, in der Türkei und in der Region Palästina vor. Die Stängel besitzen kurze, krause, meist nach unten gebogene Haare.[14] Die Laubblätter sind unterseits locker filzig behaart.[15]
  • Teucrium divaricatum subsp. athoum (Hausskn.) Bornm.: Dieser Endemit kommt in Griechenland nur auf dem Berg Athos vor. Die Laubblätter sind fast kahl, die Stängel mehr oder weniger kahl oder kurz kraushaarig. Der Blütenkelch besitzt kurze, drüsenlose Haare.[15]
  • Teucrium divaricatum subsp. canescens (Čelak.) Holmboe: Dieser Endemit kommt nur auf Zypern vor und unterscheidet sich vom Typus durch dünne Zweige, die in jungem Zustand dicht weiß-filzig behaart sind, durch meist kleine, eiförmige Blätter, die oben grün und unten deutlich weiß-grau behaart sind, durch kurz gekräuselt-grau behaarte Kelche und Stiele (f. canescens) oder mehr oder weniger behaart mit einem Gewirr aus langen Haaren (f. kotschyanum).[8]
  • Teucrium divaricatum subsp. graecum (Čelak.) Bornm.: Sie kommt im östlichen Griechenland, in der südlichen Türkei, im Libanon und in Syrien vor. Die Stängel sind mehr oder weniger kahl oder kurz und kraus behaart. Die Laubblätter sind fast kahl. Der Blütenkelch ist mit einigen langen, drüsigen Haaren bedeckt.[14][15]

Phylogenetische Analysen zeigen, dass der Spreiz-Gamander eng mit dem Kleinblättrigen Gamander und etwas weniger eng mit dem Katzen-Gamander, dem Gelben Gamander und dem Echten Gamander verwandt ist.[16]

Verwendung

Hauptbestandteile des durch Wasserdampfdestillation aus oberirdischen Pflanzenteilen gewonnenen ätherischen Öls sind δ- und γ-cadinen, Bisabolen, β-caryophyllen und Limonen.[17] In der türkischen Volksmedizin wird der Spreiz-Gamander als Mittel gegen Husten, Übelkeit, Magenschmerzen, Harnwegserkrankungen, Gallenblasenerkrankungen, Nierensteine sowie in Augentinkturen eingesetzt.[18][19]

Bei der medizinischen Behandlung mit anderen Gamanderarten, wie dem Echten Gamander, sind allerdings akute und chronische Leberschäden bekannt geworden, die durch Neo-Clerodan-Diterpenoide wie Teucrin A verursacht werden.[20] Diese toxischen Verbindungen sind auch im Spreiz-Gamander enthalten.[21]

Der Spreiz-Gamander wird selten als Zierpflanze für vollsonnige, trockenwarme Steingärten, Kiesgärten und Trockenmauern genutzt. Er benötigt einen trockenen Standort mit durchlässigem Boden und gilt als winterhart.[2]

Literatur

  • Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 2: I bis Z. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 888.
Commons: Spreiz-Gamander (Teucrium divaricatum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt Teucrium divaricatum mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
  2. a b c d e Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 888.
  3. a b c d David Burnie: Mediterrane Wildpflanzen. Dorling Kindersley, München 2007, ISBN 978-3-8310-1014-1, S. 190 (Originaltitel: Wild Flowers of the Mediterranean. London 2000. Übersetzt von Eva Dempewolf).
  4. Avinoam Danin, Ori Fragman-Sapir: Flora of Israel and adjacent areas. The Jerusalem Botanical Gardens. Datenblatt Teucrium divaricatum Heldr.
  5. Massoud Ranjbar, Chonour Mahmoudi, Hamid Nazari: An overview of chromosomal criteria and biogeography in the genus Teucrium (Lamiaceae). In: Caryologia. Band 71, Nr. 1, Februar 2018, S. 63–79, doi:10.1080/00087114.2017.1420587.
  6. Taner Özcan, Tuncay Dirmenci, Esra Martin, Fahim Altınordu: Cytotaxonomical study in five taxa of the genus Teucrium L.(Lamiaceae). In: Caryologia. Band 68, Nr. 1, Januar 2015, S. 1–8, doi:10.1080/00087114.2014.996037.
  7. a b c Datenblatt Teucrium divaricatum Sieber ex Heldr. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
  8. a b Nelly Arnold, Marc El Beyrouthy, Bruno de Foucault, Frédéric Dupont: Observations morpho—anatomiques et histochimiques sur les Teucrium de Chypre: T. kotschyanum Poech, T. divaricatum Heldr. subsp. canescens (Čelak.) Holmboe, T. cyprium Boiss. subsp. cyprium et T. micropo-dioides Rouy. In: Acta botanica gallica. Band 157, Nr. 3, 2010, S. 525–538, doi:10.1080/12538078.2010.10516228.
  9. Banan Al Sheikh, Mohamed Mahassneh: Flora of Wadi Al-Quff Protected Area, Hebron Governorate, Palestine. In: Jordan Journal of Natural History. Band 3, Dezember 2016, S. 47–57, S. 55 ([1] [PDF]).
  10. Theodor von Heldreich: De Heldreich Herbarium Graecum Normale. Auflistung der Centurien 1 bis 5, ca. 1856, (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttps%3A%2F%2Fphaidra.univie.ac.at%2Fdetail%2Fo%3A877250~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D)
  11. a b Werner Greuter: Notulae nomenclaturales et bibliographicae 5-6. In: Candollea: journal international de botanique systématique. Band 23, Nr. 2, 1968, S. 257–265, 2. Absatz auf S. 262 ([2]).
  12. George Bentham: Labiatarum genera et species: or, a description of the genera and species of plants of the order Labiatae. James Ridgway and Sons, London 1835 (Digitalisat).
  13. Edmond Boissier: Flora Orientalis sive enumeratio plantarum in Oriente a Graecia et Aegypto and Indiae fines hucusque observatarum. Band 4, S. 816, 1879 (Digitalisat).
  14. a b T. G. Tutin, D. Wood: Teucrium divaricatum Sieber ex Boiss. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 132 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. a b c Thomas Meyer, Michael Hassler: Unterarten von Teucrium divaricatum mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
  16. Yasaman Salmaki, Stefan Kattari, Günther Heubl, Christian Bräuchler: Phylogeny of non‐monophyletic Teucrium (Lamiaceae: Ajugoideae): Implications for character evolution and taxonomy. In: Taxon. Band 65, Nr. 4, August 2016, S. 805–822, doi:10.12705/654.8.
  17. O. Tzakou, V. Roussis, A. Loukis, C. Harvala, E. M. Galati, M. P. Germanò: Essential oil analysis of Teucrium divaricatum Heldr. ssp. divaricatum growing in Greece. In: Flavour and fragrance journal. Band 12, Nr. 2, 1997, S. 113–115, doi:10.1002/(SICI)1099-1026(199703)12:2<113::AID-FFJ633>3.0.CO;2-3.
  18. Rossella Gagliano Candela, Sergio Rosselli, Maurizio Bruno, Gianfranco Fontana: A review of the phytochemistry, traditional uses and biological activities of the essential oils of genus Teucrium. In: Planta Medica. Band 87, Nr. 6, Dezember 2020, S. 432–479, doi:10.1055/a-1293-5768.
  19. Bahar Gürdal, Şükran Kültür: An ethnobotanical study of medicinal plants in Marmaris (Muğla, Turkey). In: Journal of ethnopharmacology. Band 146, Nr. 1, 2013, S. 113–126, doi:10.1016/j.jep.2012.12.012.
  20. Felix Stickel, Daniel Shouval: Hepatotoxicity of herbal and dietary supplements: an update. In: Archives of toxicology. Band 89, Nr. 6, Februar 2015, S. 851–865, doi:10.1007/s00204-015-1471-3.
  21. Franco Piozzi, Maurizio Bruno, Sergio Rosselli, Antonella Maggio: Advances on the chemistry of furanoditerpenoids from Teucrium genus. In: Heterocycles. Band 65, Nr. 5, Februar 2005, S. 1221–1234, S. 1222.