Als Spiegelungsmatrix bezeichnet man in der linearen Algebra eine Matrix, die eine Spiegelung darstellt. Das einfachste Beispiel ist die Spiegelung an einer Ursprungsgeraden
in der Ebene. Die Spiegelungsabbildung ergibt sich als Matrix-Vektor-Produkt der Matrix mit dem entsprechenden Vektor.
Spiegelung an einer Ursprungsgeraden in der Ebene
Spiegelungsgerade mit Neigungswinkel
Ist
eine Ursprungsgerade mit Neigungswinkel
, so ist die Spiegelung an
eine lineare Abbildung
. Die darstellende Matrix
bezüglich der Standardbasis hat die Gestalt
.
Beispiel
Die
-Achse ist eine Ursprungsgerade mit Neigungswinkel
. Also lautet die Matrix einer Spiegelung an der
-Achse
.
Herleitung
Da die Spiegelung eine lineare Abbildung ist, genügt es, die Bilder der kanonischen Einheitsvektoren
und
zu betrachten; diese bilden die Spalten der Spiegelungsmatrix. Eine Spiegelung von
an der Ursprungsgerade mit Neigungswinkel
entspricht einer Drehung von
um den Winkel
gegen den Uhrzeigersinn (siehe Skizze). Also ist
.
Eine Spiegelung von
entspricht einer Drehung von
um den Winkel
und anschließender Umkehrung des Richtungssinns. Also ist
.
Ist
eine Gerade mit Normaleneinheitsvektor
, so hat die Spiegelungsmatrix die Gestalt
,
wobei
die
-Einheitsmatrix ist.
Beispiel
Die
-Achse hat den Normaleneinheitsvektor
. Es ist

und somit
.
Herleitung
Ist
eine Gerade mit Einheitsnormale
und
ein Vektor, so ist
die Länge der Orthogonalprojektion von
auf
. Spiegelt man nun
an
, so gilt (siehe Abbildung)
.
Also ist
die darstellende Matrix der Geraden
.
Spiegelung an einer beliebigen Geraden in der Ebene
Mithilfe dieser Spiegelungsmatrizen lässt sich auch eine Darstellung der Spiegelung eines Vektors
an einer beliebigen Geraden
mit Neigungswinkel
darstellen. Hierzu sind zwei Schritte durchzuführen:
- Die allgemeine Spiegelung wird auf eine Spiegelung an einer Ursprungsgeraden
zurückgeführt. Dies wird durch Verschiebung von
um
erreicht:
. Der Vektor
wird nun an
gespiegelt:

- Verschiebung von
um den Stützvektor
der Ausgangsgeraden
:

Spiegelung an einer (Hyper-)Ebene durch den Ursprung
Für
stellt die Matrix

eine Spiegelung im
dar, und zwar an der Ebene, die durch
beschrieben wird. Analog kann man

für
als „Spiegelung“ an der Hyperebene
im
auffassen.[1] Folglich lassen sich allgemein

als Spiegelungsmatrizen auffassen. Diese Matrizen werden in der numerischen Mathematik als Householder-Matrizen bezeichnet.
Eigenschaften
Spiegelungsmatrizen sind orthogonal und symmetrisch[2] und haben die Determinante −1.
Literatur
- Wolfgang Mackens, Heinrich Voß: Mathematik. Für Studierende der Ingenieurwissenschaften. Band 1. HECO-Verlag, Aachen 1993, ISBN 3-930121-00-X.
Einzelnachweise
- ↑ Burg, Haf, Wille, Meister: Höhere Mathematik für Ingenieure Band II. 11. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-19427-7, S. 310.
- ↑ Gilbert Strang: Lineare Algebra. Springer, Berlin / Heidelberg 2003, ISBN 3-540-43949-8, S. 231.