Speiersgasse 21

Die Speiersgasse 21 ist ein denkmalgeschütztes Anwesen im historischen Stadtkern von Zeil am Main (Landkreis Haßberge, Bayern). Es umfasst die „Alte Freyung“, einen Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, sowie ein 1920 errichtetes Gaststättengebäude mit dem Göllersaal. Das Ensemble war im Mittelalter Freihof und Zufluchtsort, diente seit dem 19. Jahrhundert als Braustätte und ist heute ein bedeutendes Zeugnis der Zeiler Stadt- und Brauereigeschichte.

Lage und Bedeutung

Das Anwesen Speiersgasse 21 liegt im historischen Stadtkern von Zeil am Main, einer fränkischen Kleinstadt, die für ihre gut erhaltene Stadtmauer und ihre lange Brautradition bekannt ist. Es vereint die historische „Alte Freyung“, ein Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert, mit einem Gaststättengebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert. Beide Teile sind eng mit der Geschichte der Stadt, ihrer Braukultur und sozialen Traditionen verbunden.[1.1]

Architektur der „Alten Freyung“

Blick auf die
Speiersgasse 21 um 1910: Das Gaststättengebäude ist noch nicht gebaut. Es steht noch der Kastenhof (rechts unten)
Spätgotische Madonna als Hausfigur
Relief von 1514 mit dem Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde
Die Stadtmauer östlich der Brauerei Göller
Das Gaststättengebäude

Die „Alte Freyung“ ist ein traufständiger, zweigeschossiger Fachwerkbau mit Satteldach. Besonders auffällig sind die geschnitzten Pilaster am Obergeschoss zur Straßenseite, die kunstvoll verziert sind und die repräsentative Funktion des Gebäudes unterstreichen. Das massive Erdgeschoss ist verputzt und trägt eine spätgotische Madonna als Hausfigur. Ein Relief von 1514 zeigt das Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde mit einem Modell des Bamberger Doms; es stammt ursprünglich aus dem Kastenhof des Domkapitels, einem zentralen Verwaltungsbau des Bamberger Bistums in Zeil.[1.1]

Die Inschrift am Gebäude („Wer in diese Statt fleucht was er gethan hat, der hat Frid darinnen, diweil er darinnen ist“) deutet darauf hin, dass es sich um einen Freihof handelte, also einen Zufluchtsort im Mittelalter. Besonders für die jüdische Gemeinde, die sich in unmittelbarer Nähe befand, war dies von Bedeutung. Solche Freihöfe waren im fränkischen Raum wichtige Orte des Schutzes und der Sonderrechte.[1.2]

Historische Entwicklung

Bereits 1415 gewährte Bischof Albrecht dem Kastner Klaus Getzendorfer bei der Belehnung einer Hube neben dem alten Kastenhof erhebliche Vorteile. Diese Hube wurde fortan als Freihof bezeichnet. 1501 verkaufte Anton Getzendorfer den Freihof an seinen Stiefvater Hans Leupold, Amtsschultheiß von Zeil.[1.3]

1572 und 1573 erwarb der bischöfliche Rat Dr. Jobst Lorber den gesamten Hof sowie den angrenzenden „Alten Kasten“, den er mit dem Freihof verband. Lorber erhielt Steuerbefreiungen für seine Dienste am Bistum. Die Ausstattung des Freihofes umfasste Wohngebäude, Stadel, Hofreit, Nebengebäude, Fischkasten, Weinberge und Wiesen. Nach Lorbers Tod ging der Besitz an seine Witwe Dorothea Neustetter von Hirschberg über.[1.3]

Seit 1812 ist das Gebäude durchgehend von Brauern und Wirten bewohnt, was die lange Kontinuität der Nutzung als Braustätte und Gaststätte belegt. Damit reiht sich die „Alte Freyung“ in die Tradition der fränkischen Brauereien ein, die bis heute für die Region prägend ist.[1.1]

Brautradition und soziale Stiftungen

Die „Alte Freyung“ war eine der letzten Braustätten in Zeil; einst existierten neun Brauereien in der Stadt. Der Biergarten gilt als einer der schönsten zwischen Bamberg und Schweinfurt und zieht im Sommer zahlreiche Gäste an.[1.2]

Eine Stiftung der Familie Leupold von 1453 sah eine jährliche Brotspende für Bedürftige vor, deren Erinnerung bis heute durch eine Messe gewahrt wird. Diese soziale Tradition verdeutlicht die enge Verbindung zwischen den Besitzern des Freihofs und der städtischen Gemeinschaft. Solche Stiftungen sind typisch für die spätmittelalterliche Stadtgesellschaft, in der kirchliche und bürgerliche Wohltätigkeit eng verflochten waren.[1.2]

Gaststätte und Göllersaal

Das Gaststättengebäude wurde 1920 errichtet und zeigt eine unverputzte Sandsteinfassade. Bei Renovierungen 2017 und 2018 wurden Teile der Zeiler Stadtmauer freigelegt, die heute im „Mauerstübchen“ und im Biergarten sichtbar sind. Damit wird die Verbindung des Gebäudes zur mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt unmittelbar erfahrbar.[1.1] Der sogenannte Göllersaal ist ein Tonnengewölbe und gilt als einzigartig im Umkreis. Zum hundertjährigen Bestehen des Gebäudes veröffentlichte Ludwig Leisentritt im Juli 2020 einen Artikel in den Heimatzeitungen, in dem die Bedeutung des Göller-Gaststättengebäudes für die Stadtgeschichte hervorgehoben wurde.[1.4]

Kontext in der Stadtgeschichte

Die Speiersgasse 21 ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil des städtischen Gefüges von Zeil am Main. Die Nähe zum Kastenhof verweist auf die enge Bindung der Stadt an das Bistum Bamberg. Die Funktion als Freihof verdeutlicht die Rolle Zeils als Ort von Asyl und Sonderrechten im Mittelalter. Die Brautradition knüpft an die große Zahl von Brauereien in Franken an, die Zeil bis heute prägen. Schließlich zeigt die Einbindung der Stadtmauer in die moderne Gaststätte, wie historische Bausubstanz in zeitgenössische Nutzung integriert wird.

Die Speiersgasse 21 vereint die historische „Alte Freyung“ mit ihrer Funktion als Freihof und Braustätte sowie das 1920 errichtete Gaststättengebäude mit dem Göllersaal. Die Geschichte reicht von mittelalterlichen Asylrechten über bischöfliche Privilegien und soziale Stiftungen bis hin zur modernen Nutzung als Brauerei und Gaststätte. Durch die Querverweise auf Stadtmauer, Kastenhof, jüdische Gemeinde und Brauereiwesen wird deutlich, dass das Anwesen ein bedeutendes Zeugnis der städtischen Geschichte und Kultur von Zeil am Main ist.[1.1][1.2][1.3][1.4]

Commons: Speiersgasse 21 (Zeil am Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zeiler Baudenkmäler. In: denkmal-zeil.de. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
    1. a b c d e Brech: Alte Freyung, Brauerei und Gaststätte
    2. a b c d Leisentritt: Ein Spaziergang durch Zeil
    3. a b c Mauer u.a.: Chronik der Stadt Zeil am Main
    4. a b Leisentritt: „Gaststätten in Zeil“

Koordinaten: 50° 0′ 38,4″ N, 10° 35′ 49,7″ O