Sophie von Dönhoff

Gräfin Sophie Juliane Friederike von Dönhoff (* 17. Oktober 1768 in Beynuhnen[1] in Ostpreußen; † 28. Januar 1834[2] auf dem Gut Beerbaum im damaligen Landkreis Oberbarnim) war in morganatischer Ehe mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. vermählt.

Werdegang

Sophie von Dönhoff, Tochter von Graf Friedrich Wilhelm von Dönhoff (* 8. Februar 1723; † 1. Dezember 1774) und dessen Ehefrau Sophie Charlotte von Langermann (* 16. Mai 1740; † 31. August 1793), Tochter des Generals Adolf Friedrich von Langermann, war eine begabte Pianistin und Sängerin. Sie kam 1789 als Hofdame der Königin Friederike Luise an den preußischen Hof. Bald fiel sie dem König auf, dessen morganatische Ehefrau Julie von Voß im März des Jahres verstorben war. Nur ein Jahr nach Julies Tod wurde Sophie von Dönhoff am 11. April 1790 in der Charlottenburger Schlosskapelle dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. zur linken Hand angetraut.[3] Sie wurde wegen ihrer jugendlichen Gestalt bei Hof „Hebe“ genannt.

Starke Differenzen zwischen den Eheleuten führten bereits im Juni 1792 zur Trennung. Der König stand zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss von Hans Rudolf von Bischoffwerder und seiner ehemaligen Mätresse Wilhelmine Enke. Sophie von Dönhoff versuchte, diese Beziehungen zu schwächen. Friedrich Wilhelm wiederum wies ihre Einmischungen, besonders in politische Angelegenheiten, zurück. Ihr Zeitgenosse Anne-Henri Cabot de Dampmartin urteilte 1811: „Die Gräfin Dönhoff fesselte durch jenes Zusammenspiel von Reizen, Liebenswürdigkeit, Capricen und Launen, welche die Leidenschaften noch mehr entflammen. Sie meinte aber, es stehe ihr zu, gleich einer Herrscherin mitzureden. Das aber liebte der König nicht. Trotz seiner Artigkeit gegen die Frauen fühlte er sich doch als Herrscher. Seiner Würde vergab er nichts. Die Dönhoff spielte die Souveränin. Der König dagegen hasste es, mit Damen über Politik zu diskutieren.“[4]

Obwohl die Ehe nur kurz andauerte, entstammten ihr zwei Kinder: Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1792–1850), später preußischer Ministerpräsident, und Sophie (Julie) Gräfin von Brandenburg (1793–1848),[3] verheiratet mit Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen.

Leben ab 1793

Ausgestattet mit einer Jahrespension von 8.000 Talern ging Gräfin Dönhoff zunächst nach Neuchâtel im preußischen Fürstentum Neuenburg in der Schweiz, wo 1793 ihre Tochter zur Welt kam. Im Jahr darauf verkaufte sie ihre ererbten Anteile der ostpreußischen Güter für 162.000 Taler an ihre Schwester und zog nach Angermünde. Im Jahr 1795 konnte sie dort ihr eigenes für sie errichtetes Landhaus beziehen, das von einem prächtigen Park umgeben war. Der temperamentvollen Frau genügte das Leben in der Provinzstadt auf Dauer nicht. Sie suchte nach einem Wirkungskreis, wo sie entsprechende Bestätigung und Ablenkung finden konnte.[4]

Im Jahr 1805 erwarb Gräfin Dönhoff für 106.000 Taler das Gut Beerbaum im Landkreis Oberbarnim (heute Gemeinde Heckelberg-Brunow im Landkreis Märkisch-Oderland) und widmete sich dem Gutsbetrieb. 1817/1818 ließ sie sich dort ein kunstvoll ausgestattetes Gutshaus erbauen[5] und ergriff Maßnahmen um die Lebenssituation der Landbevölkerung zu verbessern. Sie orientierte sich an den Prinzipien des Landwirtschaftsreformers Albrecht Daniel Thaer, setzte landwirtschaftliche Reformen um, ließ Lehmhäuser für die Pächterfamilien und gegen den Willen des Königs ein Schulhaus für die Kinder des Ortes bauen, um ihnen den einstündigen Fußweg zur benachbarten Schule in Tuchen zu ersparen. Die Lehrer bezahlte sie selbst.[3][6] Im Januar 1834 starb Sophie von Dönhoff und wurde auf dem Töllberg (heute Veilchenberg genannt) auf dem Gutsgelände beigesetzt. 1895 wurden ihre Überreste auf den Friedhof Beerbaum umgebettet.[5]

Weitere Entwicklung und Gedenken

Gut Beerbaum ging 1880 über das einzige von acht Enkelkindern, das sich verheiratete, an die Grafen Pückler. 1945 wurde das Gut durch die Beschlüsse des Potsdamer Abkommen enteignet und ab 1953 als Standort verschiedener landwirtschaftlicher Ausbildungsbetriebe wie Ackerbau, Viehzucht und Gärtnerei genutzt. Nach der Wende wurde das Volksgut Beerbaum im März 2000 verkauft und im September vom neuen Besitzer übernommen.[5]

Zu DDR-Zeiten verfielen Grab und Friedhof. Im Oktober 2010 wurde eine neue Grabplatte in Anwesenheit von Nachkommen der Gräfin enthüllt. Die neue Grabplatte wurde vom Künstler Otto Schack mit historischen Lettern und Wappen gestaltet und von dessen Sohn in Marmor graviert. Am 17. Oktober 2012, ihrem 244. Geburtstag, wurde in Beerbaum eine Gedenktafel im Rahmen des Projektes FrauenOrte Brandenburg des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg enthüllt, das Leben und Wirken bedeutender Frauen in der brandenburgischen Geschichte sichtbar macht. Wie auch in anderen nationalen Projekten der Frauenorte werden Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt.[7] Die Gedenktafel befindet sich neben der Gutseinfahrt im Ortsteil Beerbaum von Heckelberg-Brunow. ()[6]

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Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Das ihrer Familie gehörende Gut Beynuhnen in Klein Beynuhnen gilt gemeinhin als ihr Geburtsort, möglich wäre aber auch Groß Beynuhnen.
  2. Das Sterbejahr wird in der Literatur mitunter irrig mit 1838 angegeben, richtig ist 1834; vgl. Acta des Königl. Kammergerichts betr. die Anzeige über das zu Berbaum am 28. Januar 1834 erfolgte Ableben der Gräfin von Dönhoff in der Testamentsakte des Berliner Kammergerichts, Sign. 4A Testamente 3880, Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam; als Digitalisat abrufbar auf FamilySearch (Web-Ressource, ab Scan 761, nach Anmeldung entgeltfrei zugänglich).
  3. a b c FrauenOrte-Tafel für Sophie Gräfin von Dönhof. In: FrauenOrte Land Brandenburg. Abgerufen am 8. November 2025
  4. a b Le Denhoff – Für eine Mätresse zu klug (Memento des Originals vom 7. Januar 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.amt-fahoe.de, Amt Falkenberg-Höhe, 17. Juli 2007, abgerufen am 6. Januar 2018.
  5. a b c Ortsteil Beerbaum. In: Amt Falkenberg-Höhe. Abgerufen am 9. November 2025
  6. a b Sophie von Dönhoff. Selbstbewusste Geliebte und Gutsherrin, 1768 – 1834. In: FrauenOrte Land Brandenburg. Abgerufen am 8. November 2025
  7. FrauenOrte Land Brandenburg. In: FrauenOrte Land Brandenburg. Abgerufen am 8. November 2025