Sophie Behr (Übersetzerin)
Katharina Henriette Sophie Behr (* 8. Januar 1842 im Russischen Kaiserreich; † 14. Dezember 1908 in Lugano, Schweiz) war eine deutschsprachige Übersetzerin in Moskau und Berlin.
Leben und Wirken
Sophie Krafft wuchs in einer deutschsprachigen Familie in Moskau auf. Sie heiratete den jüdischen Börsenmakler und Baumwollfabrikanten Woldemar Behr, der 1884 zum erblichen Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Sie lebten mit ihren Kindern in einem eigenen Haus in der Degtjarnyj pereulok im Twersker Bezirk.[1] 1887 weilte sie mit einer ihrer Töchter in Karlsbad zum Kuraufenthalt.[2]
Sophie Behr veröffentlichte seit 1884 Übersetzungen von literarischen Werken aus dem Russischen ins Deutsche. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1888 emigrierte sie mit ihren Töchtern nach Deutschland, wo sie weitere Werke übersetzte und veröffentlichte. Sie starb 1908 in Lugano in der Schweiz, wo ihre Tochter Maria lebte.
Familie und Grabmal
Sophie Krafft-Behr war mit Woldemar Behr (* 1840 in Vilmanstrand, Gouvernement Wyborg – 1888 in Deutschland) verheiratet. Sein Grabmal befindet sich auf dem Neuen Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.[3] Dort ist auch ihr Name mit Geburtsdatum eingraviert, aber ohne Todesdatum.[4] Die beiden Eheleute hatten sechs Kinder[5]
- Adele
- Alexander Behr
- Nikolai Behr, Baumwollhändler in Moskau
- Wladimir Behr, Baumwollhändler in Moskau
- Maria/Mary Tucci (* 1877), lebte in Lugano, ihr Sohn Nicolò Tucci wurde ein bekannter US-amerikanischer Kurzgeschichtenautor
- Olga Tiedemann, dann Marwitz (* 1880), heiratete in zweiter Ehe Georg Karl Eduard Marwitz (1887–1976) in Deutschland, hatte zwei Kinder[6]
Werke
Sophie Behr übersetzte mehrere religionsethische Werke von Leo Tolstoi sowie einen Sammelband mit Lyrik unbekannterer russischer Dichter. Außerdem veröffentlichte sie Skizzen von Reiseeindrücken aus Italien und Russland.[7]
- Übersetzungen
- Leo Tolstoi
- Worin besteht mein Glaube?, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, Neudruck 2024 (Digitalisat; Text im Projekt Gutenberg-DE)
- Über das Leben, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, Autorisierte Übersetzung (Digitalisat)
- Religion und Moral, Dümmler, Berlin 1894[8], Neudruck 2023 (Digitalisat)
- Russische Dichtungen, 2 Bände, B. Behr (E. Bock), Berlin 1890, 1892, mit Werken von Nikitin, Maikow, Nadson und weiteren Lyrikern, auch Herausgeberin
(vier Texte vorher)
- A. Maikow, Lucius' Tod. Lyrisches Drama (Aus russischen Dichtern II), in Nordische Rundschau, I, 1884, S. 390–407
- A. Maikow, Savonarola, Dichtung (Aus russischen Dichtern III), in Nordische Rundschau, II, 1884, S. 164–167
- N. A. Nekrassow, Gedichte (Aus russischen Dichtern IV), in Nordische Rundschau, II, 1884, S. 504–508
- N. A. Nekrassow, Ssascha (Aus russischen Dichtern V), in Nordische Rundschau, III, 1885, S. 55–68 (letzte Übersetzung von Sophie Behr in dieser Zeitschrift)
- Autorin
- Skizzen , A. Deubner, Berlin 1896
Rezensionen
Der Publizist und Übersetzer Raphael Löwenfeld lobte in der Literaturzeitschrift Nord und Süd ihre Textsammlung Russische Dichtungen von 1890: er würdigte, dass sie bisher unbekanntte Lyriker wie Nadson, Maikow und Nikitin zu Recht dem westlichen Publikum bekannt mache.
„Eine vortreffliche Auswahl in vortrefflichen Nachbildungen. (...) Sophie Behr hat sich durch Uebertragungen von Werken der russischen Literatur schon große Verdienste erworben, das vorliegende Buch erscheint uns in jeder Hinsicht als ihre werthvollste Leistung.“[9]
Der Rezensent des Wochenblatts der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg schwärmte von Sophie Behrs "bedeutender poetischer Begabung, von feinem künstlerischen Können und Empfinden", das sich auch in der Auswahl der Texte dieser Sammlung zeige, diese seien von ihren bisherigen "vortrefflichen Übertragungen die bestgelungenen".
„Es sind keine bloßen Übersetzungen, sondern formvollendete Nachdichtungen, die sie von der schwermüthigen und gefühlstiefen nordischen Poesie bietet, und ihre Kunst ist selten an ein werthloses Original verschwendet.“[10]
Die Nautische Rundschau lobte ihre Reiseeindrückesammlung Skizzen von 1896.
„Diese 14 Skizzen verdienen die Anerkennung jedes Gebildeten und mit großem Vergnügen wollen wir das eminente Talent dieser Schriftstellerin hervorheben.“[11]
Literatur
- Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1885–1889, mit kurzen Einträgen
Weblinks
- Вольдемар Бер baza.vgd (russisch), mit einigen biographischen Angaben
- Suche nach Soühie Behr. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, 1885, S. 27, auch spätere Jahre bis 1889
- ↑ Karlsbader Badeblatt vom 19. Juni 1887, S. 227 (oben links), Sophie Behr, erbl[iche] Ehrenbürgers-Gemalin mit Tochter aus Moskau
- ↑ Alfred Etzold, Der Dorotheenstädtische Froedhof, Ch. Links, Berlin 2002, S. 125, mit Beschreibung des Grabmals, aber nur der Namensnennung von Woldemar Behr
- ↑ Suche nach Sophie Behr Grabmal. In: Deutsche Digitale Bibliothek, mit historischem Foto des Grabmals mit ihrem Namen
- ↑ Вольдемар Бер baza.vgd (russisch), mit detaillierten Angaben zur Familie
- ↑ Olga Behr Ancestry (freier Zugang), der Ehemann stammte aus Dresden, der Sohn hieß Georg Eduard Marwitz (* 1917)
- ↑ Die Gesellschaft. Monatsschrift für Kunst, Litteratur und Sozialpolitik, 1897, S. 128, Rezension
- ↑ Leo Tolstoi, 2024, S. 172, mit kurzen Hintergrundinformationen
- ↑ Nord und Süd, 1890, S. 419, gezeichnet rl, der Rezensent war ein guter Kenner der russischen Literatur, der die betreffenden Lyriker und ihre Werke im russischen Original kennt
- ↑ Anzeiger zum Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg vom 31. December 1890, S. 1; der Inhalt dieser Rezension ähnelt sehr der obigen in Nord und Süd, es gibt aber keine identischen Formulierungen, (diese sind hier noch lyrischer und detaillierter), möglicherweise vom selben Rezensenten; in der Ausgabe vom 26. September 1894, S. 1 wurde an den Inhalt dieser Rezension erinnert und der Inhalt des zweiten Bandes kurz vorgestellt
- ↑ Nautische Rundschau, vom 15. December 1896, S. 5