Sondenentwöhnung

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Unter Sondenentwöhnung versteht man die Umstellung von der künstlichen Ernährung per Sonde auf eine orale Ernährung. Der Begriff wird bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Am häufigsten findet die Sondenentwöhnung daher auf neonatologischen Intensivstationen (NICU) statt. Sie wird in der Regel von Kinderkrankenschwestern in Zusammenarbeit mit den Eltern durchgeführt.

Problem

In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt auf der Verbesserung der mundmotorischen Fähigkeiten des Kindes um die Saugfähigkeit zu verbessern und – aufgrund des positiven kognitiven Outcomes[1] – der Übergang von der Sonde zum Stillen zu ermöglichen. In den letzten 20 Jahren ist eine dramatische Zunahme von Sondendependenz vom ersten bis in das sechste Lebensjahr zu beobachten.[2] Diese Kindern entwickeln in der Folge von Pädiatrisch-Medizinischen Traumatischen Stress eine ausgeprägte und generalisierte Nahrungsaversion.[3]

Säuglinge oder Kleinkinder, die eine Sondenentwöhnung durchleben, leiden sehr oft unter dem Phänomen der Sondenabhängigkeit bzw. -dependenz. Darunter versteht man die unbeabsichtigte physische und emotionale Abhängigkeit eines Betroffenen von einer ursprünglich als nur vorübergehend geplanten Sondierung bei gleichzeitigem Fehlen einer medizinischen Indikation. Die permanente Ernährung über eine Sonde hat ein Entwicklungsdefizit in der Entwicklung des Kindes zur Folge, weswegen ihre Entfernung oftmals als unabdingbar erscheint.[4]

Behandlung

Sondenentwöhnung in der frühen Kindheit lässt sich wirksam in einem home-based Verfahren durchführen, welches vom Institut für Sondendependenz in Essen angeboten wird.[5] Aufgrund seiner Wirksamkeit von 90 %, der signifikanten Verbesserungen des Essverhaltens gilt das home-based Verfahren als der zentralen Standardverfahren für die Sondenentwöhnung.[6] Die Behandlung findet entweder im häuslichen Umfeld des Kindes oder einer Ferienwohnung statt, um Infektionen und eine Re-Traumatisierung während der Therapie zu vermeiden. Die Sondenentwöhung verläuft in drei Phasen:

  1. Reduzieren von Symptomen, Aversion und Angst.
  2. Vertrauen in die orale Nahrungsaufnahme schaffen.
  3. Eine Essensbeziehung und -routine aufbauen.

Im Rahmen dieser Behandlung wird ein Verständnis für die individuellen Motivationen der Säuglinge und Kleinkinder entwickelt auf der sich das weitere Vorgehen aufbaut. Gerade bei traumatisierten Kindern nach intensivmedizinischer Behandlung hat sich dieser Ansatz bewehrt.

Literatur

  • M. Wilken (2022). Frühkindliche Nahrungsverweigerung: Ursachen verstehen und Behandlungswege finden. Psychosozial-Verlag, ISBN 978-3-8379-3139-6
  • M. Dunitz-Scheer et al.: Wie kommen wir von der Sonde los?! Diagnostische Überlegungen und therapeutische Ansätze zur interdisziplinären Sondenentwöhnung im Säuglings- und Kleinkindalter. In: Kinderkrankenschwester 19 (2000), S. 448–456.

Einzelnachweise

  1. Lucas, A. Morley R. Cole TC (1992). Breast milk and subsequent intelligence quotient in children born preterm, Lancet; 339, S. 261–264.
  2. Walter Daveluy, Dominique Guimber, Stéphanie Uhlen, Dominique Lescut, Laurent Michaud, Dominique Turck, Frédéric Gottrand: Dramatic Changes in Home-based Enteral Nutrition Practices in Children During an 11-year Period. In: Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. Band 43, Nr. 2, 2006, ISSN 1536-4801, S. 240–244, doi:10.1097/01.mpg.0000228095.81831.79 (wiley.com [abgerufen am 29. September 2025]).
  3. Markus Wilken, Peter Bartmann, Terence M. Dovey, Soyhan Bagci: Characteristics of feeding tube dependency with respect to food aversive behaviour and growth. In: Appetite. Band 123, 1. April 2018, ISSN 0195-6663, S. 1–6, doi:10.1016/j.appet.2017.11.107 (sciencedirect.com [abgerufen am 29. September 2025]).
  4. M. Dunitz-Scheer, A. Huber-Zyringer, P. Kaimbacher, H. Beckenbach, E. Kratky, A. Hauer et al.: Sondenentwöhnung. In: Pädiatrie, 4+5, 2010, S. 7–13.
  5. Markus Wilken, Vanessa Cremer, Jennifer Berry, Peter Bartmann: Rapid home-based weaning of small children with feeding tube dependency: positive effects on feeding behaviour without deceleration of growth. In: Archives of Disease in Childhood. Band 98, Nr. 11, 1. November 2013, ISSN 0003-9888, S. 856–861, doi:10.1136/archdischild-2012-303558, PMID 23864356 (bmj.com [abgerufen am 29. September 2025]).
  6. M. Wilken, S. Ehrmann, B. Rottinghaus, S. Bagci: Behandlung von Sondendependenz bei Kindern. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band 173, Nr. 8, 1. August 2025, ISSN 1433-0474, S. 670–682, doi:10.1007/s00112-020-01057-w.