Sognefjellsveien

Sognefjellsveien, Sognefjellsvegen
Sognefjellsvegen im Juli 2012
Himmels­richtung West Ost
Passhöhe 1434 moh.
Fylke Vestland Innlandet
Wasser­scheide Sognefjord OttaGlomma
Talorte Gaupne Lom
Ausbau Reichsstraße 55
Erbaut 1936–1938
Gebirge Jotunheimen
Besonder­heiten höchste Passstraße Nordeuropas
Karte (Innlandet)
Koordinaten 61° 34′ 28″ N, 8° 2′ 0″ O
REGION1-BEZ=REGION2-BEZ

Sognefjellsveien, auch Sognefjellsvegen[1] genannt, ist die höchstgelegene Passstraße Nordeuropas und verbindet als Teil der Provinzstraße Fv 55 (Norwegisch: Fylkesvei 55) über das Bergsdal östlich von Fortun via Turtagrø, das Sognefjell und das Bøverdal die beiden norwegischen Orte Gaupne und Lom. Der höchste Punkt ist Fantesteinen in 1434 m Seehöhe. Die 110 km lange Straße ist eine der ältesten Verkehrsverbindungen zwischen Ost- und Westnorwegen.

Der alte Weg

Händler

Schon bevor der Sognefjellsveg zu Straße wurde, wurde die Verbindung seit langer Zeit als Handelsweg genutzt. Die Tallbewohner („Døler“) aus Innlandet transportierten von Norden Butter, Käse, Häute, Wolle und Teer nach Luster am Lustrafjord. In Skjolden wurden die Waren umgeladen. Von dort wurden in der Regel Getreide, Eisen und Salz über das Gebirge zurücktransportiert.[1] Sowohl Unwetter als auch Wegelagerer machten die Überquerung des Berges riskant, weshalb oft große Gruppen mit Pferden und Menschen gemeinsam über den Berg zogen.[1]

Fantesteinen

Ein früher Rastplatz Fahrender ist Fantesteinen (dt. der „Landstreicherstein“). Hierbei handelt es sich um Felsblöcke in der Nähe des Sees Fantesteinsvatnet und der Berghütte Sognefjellshytta. Sie liegen am höchsten Punkt (1434 Meter über dem Meeresspiegel) des Sognefjellsvei. Fantesteinen hat gemäß dem Store norske leksikon seinen Namen von Räubern („fantar“), die sich im 17. und 18. Jahrhundert hier aufhielten und Reisende auf der alten Sognefjellsveg-Straße überfielen.[2] Nach Kristian Solvang bezeichnet das Sørlandet-Wort „Fant“ jedoch Fahrende, teils auch Ungeschickte oder Arme, wurde früher auch im Vestland oft verwendet, und Fantesteinen habe seinen Namen daher, das der Sage nach im Jahr 1920 einige Bauern mehrere „Fantar“ bei einem Stein trafen, der später Fantesteinen genannt wurde. Die Fahrenden hätten sowohl Milch als auch Speck aus den Bauernhäusern mitgenommen und seien hier bei dem Stein gesessen und hätten gegessen. Aber als die Bauern kamen, seien sie in ihrem Boot geflohen. Solvang ergänzt, dass die Fahrenden oft in Höhlen und Felshöhlen Unterschlupf suchen mussten und sehr litten.[3]

Touristen

Der höchstgelegene Gebirgspass Norwegens lockte auch die ersten Touristen über das Gebirge. Unter ihnen waren bekannte Dichter wie Henrik Wergeland, der 1832 dort wanderte, und Henrik Ibsen im Jahr 1862.

Straßenbau

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs jedoch der Wunsch nach einer besseren, mit Auto befahrbaren Straße über das Gebirge. Das erste Mal kam die Frage nach einer Straße zwischen dem damaligen Distrikt Sogn und dem Gudbrandsdal im Jahr 1850 auf. Es waren die Einwohner des Tals Gudbrandsdal, die sich für eine Straße nach Westen zu den Fjorden in Vestlandet einsetzten.[4] Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den 1930er Jahren mit hoher Arbeitslosigkeit veranlassten die Planer und das Sozialministerium („Sosialdepartementet“) im Jahr 1935 dazu,[4] Mitte der 1930er Jahre arbeitslose Jugendliche zu den Bauarbeiten zu schicken. Auf der Seite von Sogn waren es etwa 120 Jugendliche und auf der Seite von Oppland etwa 100.[4] Diese Jugendlichen räumten mit Spaten, Hacken, Pickeln und Schubkarren von beiden Seiten den Weg für das Straßenprojekt frei.[1] Die Steine wurden mit Handkraft und Spaten an ihren Platz gebracht. Zwei Männer zogen den Stein mit einem Seil, während zwei andere mit Spaten hinterhergingen und ihn lenkten.[4] Es gab mehrere Baracken auf dem Sognefjell mit bis zu 30 Schlafplätzen.[4] Die Jugendlichen erhielten einen durchschnittlichen Stundenlohn von 0,65 Norwegischen Kronen und die Vorarbeiter 1,06 Kronen. Davon wurden den Jugendlichen jede Woche 12,25 Kronen für Verpflegung, 0,45 Kronen für Sozialversicherung und eine Krone für Unterkunft abgezogen. Zusammen machte dies fast 50 % des Wochenlohns aus. Infolgedessen ergab dies eine geringfügige Entlohnung.[4] Nach zweijährigen Umbauarbeiten konnte die Straße im Juli 1938 durchgehend für den Autoverkehr freigegeben werden. Insgesamt kostete die Straße von Lom nach Skjolden, eine Strecke von insgesamt 83 Kilometern, 756.000 Norwegische Kronen.[4]

Im Winter kann die Straße Sognefjellsveien wegen der großen Schneemengen und der vorherrschenden Stürme nicht benutzt werden. Die Wintersperre variiert, so kann sie von Anfang November bis Anfang Mai dauern. Die Rastplätze sind das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs und sowohl einfach als auch stilrein und durchdacht ausgeführt.[5] Im Jahr 1997 erhielt die Strecke zusammen mit der Straße „Gamle Strynefjellsvei“ (Alter Strynefjellsweg) den Status als erste Touristenstraße des Landes.[5]

Eröffnung

Es war geplant, die Straße 1939 offiziell zu eröffnen, aber dazu kam es nicht. Erst 50 Jahre später fand die offizielle Eröffnung statt, als die beiden Bezirke („fylka“) 1989 das 50-jährige Jubiläum der Straße Sognefjellsvegen feierten.[4]

Commons: Sognefjellsweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Per Roger Lauritzen: Sognefjellsvegen. In: Store norske leksikon. Store norske leksikon, 25. August 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  2. Lars Mæhlum: Fantesteinen. In: Store norske leksikon. Store norske leksikon, 26. November 2024, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  3. Kristian Solvang: Tater, splint og fant. In: Kringom, Kunnskap om Vestland. Kringom - Tidlegare Grind og Kulturhistorisk leksikon, 28. Mai 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  4. a b c d e f g h Kristin Ese: Sognefjellsvegen. In: Kringom, Kunnskap om Vestland. Kringom - Tidlegare Grind og Kulturhistorisk leksikon, 29. April 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  5. a b Borghild Fiskå: Over Norges tak - i siste liten. In: Aftenbladet. Aftenbladet, 5. Oktober 2005, abgerufen am 19. Oktober 2025.