Sobieszewo
| Sobieszewo | ||
|---|---|---|
| ? | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
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| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Stadtteil von: | Danzig | |
| Geographische Lage: | 54° 21′ N, 18° 49′ O | |
| Einwohner: | ||
Sobieszewo (deutsch Bohnsack, kaschubisch Bąsôk) ist der namensgebende Hauptort des Danziger Stadtbezirks Wyspa Sobieszewska in der Woiwodschaft Pommern in Polen.
Bohnsack, auf der Neuen Binnennehrung unweit Danzigs gelegen, ehemals ein Fischerdorf, entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert zu einem Badeort mit Kurbetrieb.
Geographie
Der Ort liegt im Weichsel-Nogat-Delta (poln. Żuławy Wiślane) an der Toten Weichsel (poln. Martwa Wisła) auf der Westseite der Bohnsacker Insel bzw. Nehrung oder der Neuen Binnennehrung (poln. Wyspa Sobieszewska), etwa zwölf Kilometer östlich der Stadtmitte Danzigs.
Zur Landgemeinde Bohnsack gehörte der kleinere Wohnplatz Bohnsacker Pfarrdorf, nach 1945 wurde er als Sobieszewko ein eigenständiger Ort.
Geschichte
Bohnsackerweide war zu preußischer Zeit eine selbständige Landgemeinde. Bohnsackertroyl war ein Wohnplatz, der früher zur Landgemeinde Weßlinken jenseits der Toten Weichsel gehörte.
Bohnsack wurde als Hufenort gegründet und bestand schon während der Besiedlung durch den Deutschen Orden. Mit der Zeit siedelten zahlreiche Deutsche in dem Ort. 1410 fand eine Schlacht in Bohnsack im Zuge des Rückzuges des Deutschen Ordens aus der Marienburg statt. 700 polnische Kämpfer setzten dabei über das Weichselufer, um die dort gelagerten Vorräte des Deutschen Ordens zu vernichten. Aus der Stadt Danzig kamen zahlreiche Kämpfer herbei, die sich den Polen entgegenstellten. Es heißt, dass alle Polen vernichtet wurden.
Ab 1612 wurde die Bohnsacker Weide an Mennoniten verpachtet, so dass diese Volksgruppe den Bevölkerungszustrom ergänzte. Um 1818 gab es in dem Dorf eine Wasserabmahl-Windmühle (mit Windkraft betriebenes Wasserschöpfwerk), einen Krug (Gastwirtschaft), eine Schmiede, eine Hakenbude (Krämer- oder Verkaufsbude) und eine evangelische Kirche.[1] Zwischen 1800 und 1820 sind Bewohner aus Bohnsack nach Wolhynien umgesiedelt.
Bohnsack gehörte von 1818 bis 1920 zur preußischen Provinz Westpreußen, dann nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags bis 1939 zum Freistaat Danzig und nach dessen Einverleibung in das Deutsche Reich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 zum Reichsgau Danzig-Westpreußen. Bohnsack war von 1818 bis 1887 Landgemeinde im Landkreis Danzig, gehörte dann zum Kreis Danziger Niederung und ab 1. Dezember 1939 zum neuen Landkreis Danzig.
Mit dem Kriegsende 1945 fiel der Ort an Polen. Das Dorf wurde erst in Bąsak (phonetisch: Bonsack) und anschließend 1946 in Sobieszewo umbenannt. Die deutschen Bewohner wurden vertrieben.
Im Jahr 1973 wurde Sobieszewo in die Stadt Danzig eingemeindet, der Stadtbezirk erhielt den Namen Wyspa Sobieszewska.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1818 | 305 | inklusive Bohnsacker Troil und Schnitzker Krug, erbemphytisches Kämmerei-Dorf der Stadt Danzig, mit 36 Feuerstellen (Haushaltungen), davon 304 Lutheraner und eine katholische Person[1][2] |
| 1831 | 519 | mit Bohnsacker Troil und Schnitzker Krug, Kolonie mit vier Wassermühlen, einer Mutterkirche, einem Patrimonialgericht und 59 Häusern[3] |
| 1885 | 905 | |
| 1905 | 928 | |
| 1910 | 953 | am 1. Dezember, davon 948 mit deutscher Muttersprache (934 Evangelische, 14 Katholiken) und fünf mit polnischer Muttersprache (eine evangelische Person, vier Katholiken)[4] |
| 1929 | 933 |
Religionen
Bis 1945 gab es in Bohnsack eine evangelische Kirche. Der Bestand an Kirchenbüchern mit Eintragungen zu Geburten, Trauungen und Todesfällen reichte bis 1659 zurück.[5]
Das Kirchengebäude im Fachwerk-Baustil[6] wurde 1947 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet. 1985 brannte es aus und wurde anschließend an derselben Stelle im modernen Architekturstil neu errichtet.
Die katholischen Einwohner waren bis 1945 in Danzig eingepfarrt, bis 1926 in der Königlichen Kapelle und seitdem in der Liebfrauenkirche.[7]
Auf dem Friedhof befinden sich noch heute alte deutsche Grabsteine, es sind die Grabsteine evangelischer Kirchenvorsteher.[8]
Bauwerke und Sehenswürdigkeiten
- Pfarrkirche, erstmals 1610 als Kapelle erwähnt, seit 1947 katholisch, 1985 ausgebrannt und als moderner Neubau wiedererrichtet
- Klappbrücke über die Tote Weichsel
Verkehr
Die Ortschaft liegt an der Woiwodschaftsstraße 501. Die Fähre nach Wiślinka wurde 1973 durch eine 150 Meter lange Pontonbrücke ersetzt. Am 10. November 2018 wurde die neue Most 100-lecia Odzyskania Niepodległości Polski (Brücke zum 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens) nach Wiślinka eröffnet. Die Buslinien 112, 212 und 186, verbinden Ort und Insel mit Danzig.
Während der Sommersaison wird Sobieszewo, wie bereits zur Freistaatzeit, von Ausflugsschiffen angesteuert.
Literatur
- Bohnsack, Dorf und Seebad, an der Weichsel, Kreis Danziger Niederung, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Bohnsack (meyersgaz.org)
- Josef Nikodemus Pawlowski, Populäre Geschichte und Beschreibung des Danziger Landkreises, Danzig 1885.
Weblinks
- Amtsbezirk Einlage (Territorial.de)
- Westpreußisches Ortsverzeichnis. Bohnsack in: westpreussen.de
- Bohnsack, Sobieszewo im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 2. November 2025.
Fußnoten
- ↑ a b Danziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 192, Ziffer 11 (Google Books).
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F, Halle 1821, S. 142, Ziffer 3550–3551 (Google Books).
- ↑ Georg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 333 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft II: Regierungsbezirk Danzig, S. 12–13, 4. Kreis Danziger Niederung, Ziffer 2 (Google Books).
- ↑ Richard Rose: Die Kirchenbücher der Provinz Westpreußen. Auf Grund amtlichen Materials zusammengestellt. In: Archiv für Stamm- und Wappenkunde, 6. Jahrgang 1905–1906, Papiermühle (Sachsen-Altenburg) 1906, S. 177–180, insbesondere S. 177 (Google Books).
- ↑ Erich Volmar: Danzigs Bauwerke und ihre Wiederherstellung – Ein Rechenschaftsbericht der Baudenkmalpflege, Verlag Danziger Verlags-Gesellschaft mbH. (Paul Rosenberg), Danzig 1940, S. 104 (pbc.gda.pl).
- ↑ Westpreußisches Ortsverzeichnis. Bohnsack in: westpreussen.de, abgerufen am 7. April 2023
- ↑ Fälschlich beschildert als Zabytkowe Mennonickie Stele (Mennonitengräber), jedoch hatte diese Glaubensrichtung eigene Friedhöfe. Freundlicher Hinweis von Herrn W. Naujocks, Przemysław