Skassa (Großenhain)
Skassa Große Kreisstadt Großenhain
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| Koordinaten: | 51° 17′ N, 13° 29′ O | |
| Einwohner: | 242 (Dez. 2023)[1] | |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1994 | |
| Postleitzahl: | 01558 | |
| Vorwahl: | 03522 | |
Lage von Skassa in Sachsen
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Skassa ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Großenhain im Landkreis Meißen in Sachsen mit derzeit 253 Einwohnern. Skassa wurde vor 1190 als Zcassowe, 1205 als Schassowe sowie 1261 als Scassowe urkundlich erwähnt, 1350 als castrum Sc[h]assowe und 1711 als Sckassa.[2][3]
Geografie und Verkehrsanbindung
Großenhain liegt im nördlichen Landkreis Meißen direkt am Kreuzungspunkt der ehemaligen Via Regia und der ehemaligen Sächsischen Salzstraße an der Großen Röder, der Ort Skassa ca. 2 km westlich vom Großenhainer Zentrum am Knick des Flusses nach Norden.
Die Bundesstraßen B 98 und B 101 führen an Skassa vorbei. Durch Skassa führt eine Buslinie zwischen Riesa, Nünchritz und Großenhain.[4]
Geschichte
Skassa, früher als Zcassowe sowie Sc[h]assowe bezeichnet, fand als Herrensitz mit dem edelfreien Ritter Hoyer von Schassowe[3][5] in einer Urkunde des Klosters Altzelle vor 1190 erstmals Erwähnung. In dessen Familienbesitz blieb es vermutlich bis Ende des 14. Jahrhunderts.
1445 wurde die heutige Neumühle genannt. Für 1474 ist ein Herrenhof mit sehr viel Gesinde belegt, der deswegen als Rittergut gedeutet wird. Dies wäre dann für Sachsen der erste Nachweis einer Eigenwirtschaft des Landadels.[6] Ansässig waren die Freiherren von Feilitzsch. Sie lebten nachweislich von 1599, Kriegshauptmann Jahn von Feilitzsch, folgend ein Junker Ehrenfried von Feilitzsch, bis etwa 1658 am Ort.[7] Fast sämtliche Nachfahren, neun von zehn Kindern, des Hans von Feilitzsch, sind alle in Skassa geboren. Als Folge des Dreißigjährigen Krieges brach am 6. Dezember 1631 die Pest im Ort aus. Durch Plünderungen und Verwüstungen lagen nach dem Krieg 26 Bauern-, Gärtner- und Häuslerstellen wüst, wodurch ein Bauernlegen ermöglicht wurde. Der Ort war bis auf die zwei Mühlen zerstört. Bald darauf entstand an gleicher Stelle ein neues Dorf.
Im Jahre 1705 übernahm der damals 26-jährige Adam Friedrich Zürner aus Marieney im Vogtland nach einem Theologiestudium an der Universität Leipzig und einem Abschluss in Wittenberg die Pfarrstelle in Skassa. Schon im Jahr darauf heiratete er hier die 10 Jahre jüngere Pfarrerstochter Magdalena Sophie Cadner und ließ das Pfarrhaus auch für seine Vermessungsarbeiten ausbauen. Seine Special-Landt-Charte von Großenhain wurde am 24. April 1711 Kurfürst August dem Starken vorgelegt, der eine gleiche Karte für das Amt Dresden wünschte und am 12. April 1713 dann den Auftrag für alle Ämter des Kurfürstentums Sachsen erteilte.[8] Hierfür konstruierte Zürner einen geografischen Messwagen. Ab 1721 wurden die kursächsischen Postmeilensäulen in den sächsischen Städten und entlang der Poststraßen errichtet. Zürners Frau verstarb am 22. Mai 1721 in Skassa. Die Ehe währte 15 Jahre und brachte vier Kinder hervor. Nach seiner Ernennung zum „Land- und Grenzkommissar“ gab Zürner seine Stelle als Pfarrer in Skassa auf und zog 1722 nach Dresden. Er gilt heute als Vater der Postmeilen- und Distanzsäulen im Sächsischen Kurfürstentum und setzte sich auch für die Schaffung eines einheitlichen Längenmaßes in Sachsen ein.
Am 23. September 1761 wurde der Oberst George Rudolph von Heßler (auch von Hessler) Besitzer von Skassa. Es gab damals neben dem oberen Dorf mit dem Rittergut, einer Schäferei, zwei Dreschhäusern, einer Schmiede mit Schänke und Brennerei auch noch ein unteres Dorf mit einer Dampfbrennerei, einer Schloßmühle, der Kirche sowie der Schulstube. Da Skassa ein Kirchdorf war, stand die Schulstube unter kirchlicher Leitung. Ende des 18. Jahrhunderts, hier als Gutsherrin[9] Eleonore von Berlepsch, Anfang des 19. Jahrhunderts, lebten Vertreter der Familie von Berlepsch im Ort.[10] Bis 1849 galt Frau Johanna Christiana Meißner, geb. Opitz, als Gutsinhaberin (Gut Skassa älteren Theils). Gut Skassa war zu jener Zeit Erb- und Allodgut. Spätestens Anfang Februar 1850 erwarb von ihr die uradelige Familie von Milkau das Gut in Skassa, hier Emma von Milkau geb. Herzog,[11] und ihr Ehemann Baron (Freiherr) Robert von Milkau,[12] Er übernahm ebenso die Geschäfte eines Friedensrichters[13] innerhalb der Amtshauptmannschaft Großenhain. Baron von Milkau war Patron (Collator) der Kirche und der Schule.[14] In Skassa geboren wurden der spätere sächsische Generalleutnant Freiherr Max von Milkau, dessen Schwester Vally von Milkau,[15] und der jüngere Bruder, Generalmajor Freiherr Hans Dedo von Milkau. Die Barone blieben bis mindestens Anfang der 1890er Jahre und bewirtschafteten neben dem Gut eine Branntweinbrennerei. Es gab eine Mühle am Ort, einen Schmied und einen Gasthof der Familie E. Herrmann. Im Dorf Skassa lebten 215 Einwohner. Als Robert von Milkau 1892 starb wurde die Witwe Emma von Milkau Gutsbesitzerin.[16]
1896 bestand das Gut bereits als Staatsgut, behielt aber weiterhin die Betitelung Rittergut, wurde nun ein Remonte-Depot in Skassa eingerichtet.[17] Die örtliche Leitung führte Administrator Amtsrat Oehlschlägel, mit Unterstellungsverhältnis zu einer Kommission im Sächsischen Kriegsministerium.[18] Über die Mitte der 1920er Jahre blieb nun das ehemaligen Gut in Skassa schon längere Zeit Staatsdomäne, Größe 356 ha. Als Pächter agierte das Sächsische Wirtschaftsministerium zu Dresden, Verwalter wurde Amtmann Emil Peuckert. Neben diesen Sächsischen Staatsfiskus-Besitz gab es im Ort das 26 ha-Gut der Hedwig Hommel. Die Mühle in Skassa betrieb ohne nennenswerten Flächenbesitz, etwa 9 ha, Wilhelm Boeltzig.[19]
Einwohnerentwicklung
- 1994: 321 Einwohner
- 2014: 253 Einwohner
Baudenkmäler
Kirche
Die Skassaer Kirche wurde in den Jahren 1756 bis 1758 im Stil des Rokoko an der Stelle eines spätgotischen Vorgängerbaues neu errichtet. Die Bauarbeiten leitete 1770 verstorbene der damalige Skassaer Rittergutsherr Oberst George Rudolph von Hessler,[20] auch teils Erblehn und Gerichtsherr v. Heßler geschrieben, der auch den Kirchenbau wesentlich mitfinanzierte, wobei er auf die Einrichtung einer herrschaftlichen Betstube besonderes Augenmerk legte. Es wurde soviel Material der Vorgängerkirche wie nur möglich nachverwendet und außerdem auch noch durch Hand- und Spanndienste der Gemeindemitglieder an den Baukosten gespart. So wurden beispielsweise die Kanzel und der Altar zwar aus Cottaer Sandstein gefertigt, aber durch einen Gipsüberzug marmorähnlich gestaltet. Trotzdem blieb der Turm unvollendet und wurde erst rund hundert Jahre später fertiggestellt. Die Ausstattung der Kirche einschließlich der Orgel hat sich bis heute im Original erhalten.
Neumühle
Neben der Straße nach Wildenhain entstand 1847 an Stelle der Mühle von 1445 die Neumühle, die sich nun schon seit mehreren Generationen im Besitz derselben Familie befindet.[21]
Religion
Skassa wie auch die Stadt Großenhain waren seit Einführung der Reformation 1548 Teil des Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirkes Großenhain. Zum Kirchspiel Skassa gehören die Dörfer Skassa und Weißig bei Großenhain.
Literatur
- 1190 - 1990. 800 Jahre Skassa. Ortsbroschüre, Skassa 1990, keine ISBN, 25 Seiten.
- Skassa, In: C. Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Heft 37: Amtshauptmannschaft Großenhain (Land). C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1914, S. 367 ff.
- Skassa. Pfarrdorf und Gemeinde, In: Leuch`s Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 5: Königreich Sachsen. 10. Ausgabe 1893–1896, Selbstverlag C. Leuch`s & Co., Nürnberg 1893, S. 306 a.
- Skassa, In: Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.):, F. Heise (Lith.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Section II: Meissner Kreis, Selbstverlag (Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser), Leipzig 1856, S. 92 f.
Weblinks
- Skassa, Hrsg. Stadt Großenhain
- Geschichte der Kirche Skassa, Hrsg. Kirchspiel Großenhainer Land
- Großenhain: Schloss Skassa, Hrsg. Sachsens-Schlösser.de.
Einzelnachweise
- ↑ Skassa - Stadt Grossenhain. Abgerufen am 1. Dezember 2024.
- ↑ Susanne Baudisch: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Skassa. 2 N-Z. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2006, ISBN 3-937209-15-8, S. 709.
- ↑ a b Skassa im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- ↑ Tarifzonenplan mit Liniennetz 2022.
- ↑ Siehe Literatur: Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.), F. Heise (Lith.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Section II: Meissner Kreis, Selbstverlag (Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser), Leipzig 1856, S. 93.
- ↑ Lutz Heydick u. a.: Historischer Führer. Stätten und Denkmale der Geschichte in den Bezirken Dresden, Cottbus. Urania-Verlag, Leipzig / Jena / Berlin 1982, S. 173.
- ↑ Georg Emil Gustav Freiherr von Schleinitz: Geschichte des Schleinitzschen Geschlechts. Nachträge, R. Eisenschmidt-Verlagsbuchhandlung für Militärwissenschaft, Berlin 1897, S. 706 f.
- ↑ Abgedruckt bei Carl Wilhelm Hering: Geschichte des Sächsischen Hochlandes… 2. Theil. Verlag von Johann Ambrosius Barth. Leipzig 1828, S. 124. Digitalisat, Stand 6. März 2015.
- ↑ Clemens Freiherr von Hausen: Vasallen-Geschlechter der Markgrafen zu Meißen, Landgrafen zu Thüringen und Herzoge zu Sachsen. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1892, S. 159.
- ↑ Johann Bernhard Fischer: Auf vierzehnjährige Erfahrungen und Beobachtungen gegründete Anweisung zum Anbau ausländische Getraidearten. Grattenau-Nürnberg, Selbstverlag, Creilsheim 1810, S. 64.
- ↑ Leipziger Zeitung. №. 45, Leipzig, Donnerstag, 14. Februar 1850, S. 761.
- ↑ Emil Kießling: Ramming`s Handbuch der Kirchenstatistik für das Königreich Sachsen. Neue Folge-Zehnte Ausgabe, Verlag Ramming, Dresden 1875, S. 99.
- ↑ Ministerium des Innern (Hrsg.): Staats-Handbuch für das Königreich Sachsen. 1860. Verlag Friedrich Fleischer, Leipzig 1860, S. 290.
- ↑ Albert Lehmann: Die Kirchen- und Schulpatronate im Königreich Sachsen. Ein Handbuch für Collatoren, Geistliche, Lehrer und Candidaten. C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1864, S. 18.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1907. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 570.
- ↑ Ad. M. Hildebrandt (Hrsg.): Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. XXV. Jahrgang, Nr. 5, Familien-Nachrichten, Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlags-Selbstverlag, Berlin Mai 1893, S. 64.
- ↑ (Hauptmann) Eduard Zernin: Allgemeine Militär-Zeitung. №. 32, Einundsiebzigster Jahrgang 1896, Selbstverlag Eduard Zernin, Darmstadt 1896, S. 252.
- ↑ Rangliste der Königlich Sächsischen Armee für das Jahr 1912. C. Heinrich, Dresden 1912, S. 71.
- ↑ Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. Verzeichnis. [1925]. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band IX, 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 222.
- ↑ Heinrich Erwin Ferdinand von Feilitzsch: Zur Familiengeschichte des Deutschen, insonderheit des Meissnischen Adels von 1570 bis ca. 1820. Verlag Herrmann Starke (C. Plassnick), Grossenhain/Leipzig 1896, S. 77. u. insb. S. 104.
- ↑ Neumühle Skassa, (Stand 6. März 2015).