Silke Karstedt

Silke Karstedt (* 31. März 1951 in Lübeck; † 26. März 2010 in Hamburg) war eine deutsche Bibliothekarin und Gründungsstifterin des Archivs der deutschen Frauenbewegung.

Leben

Silke Karstedt wurde am 31. März 1951 in Lübeck geboren. Ihr Vater war der Jurist und Bibliothekar Peter Karstedt, ihre Mutter die Bibliothekarin Ursula Karstedt, geborene Lebius. Sie hatte eine Schwester, die Soziologin Susanne Karstedt. Ihr Abitur legte sie 1969 an der Thomas-Mann-Schule in Lübeck ab, einem Gymnasium für Mädchen, in welchem ab 1967 die Koedukation eingeführt worden war. Bereits ihre Großmütter hatten als Bibliothekarinnen gearbeitet, ihr Vater leitete von 1945 bis 1971 die Lübecker Stadtbibliothek, ihre Mutter bis Kriegsende die Grenzbüchereistelle in Frankfurt an der Oder. Nach dem Krieg flohen ihre Eltern nach Lübeck. Auch Silke Karstedt wurde Bibliothekarin, auch wenn sie lieber Fotografin oder Schauspielerin geworden wäre. Ihre Ausbildung begann sie 1969 an der Landesbibliothek in Kiel. Dann wechselte sie in den Fachbereich Bibliothekswesen der Fachhochschule Hamburg an der Staats- und Universitätsbibliothek und schloss ihre Ausbildung mit einer Diplomarbeit zu Strukturreformen des Bibliothekswesens 1972 ab.[1]

Die zu der Zeit einsetzenden Umwälzungen durch die sich entwickelnde Informationstechnologie für das Bibliothekswesen begrüßte Karstedt und gestaltete die Möglichkeiten einer Bibliothek als Informations- und Medienzentrum mit. Dies setzte sie in der Einrichtung der Martha-Muchow-Bibliothek an der Universität Hamburg um. Sie arbeitete danach in Hamburg in unterschiedlichen Bibliotheken. Ihre erste Stelle trat sie an der Fachhochschule Elektrotechnik und Informationstechnik am Berliner Tor an, danach leitete sie die Bibliothek des gerade neu eingerichteten Fachbereichs Rechtswissenschaft II, in dem die Juristenausbildung grundsätzlich reformiert wurde. Sie baute eine juristische Fachbibliothek auf, mit dem Ruf, die beste juristische Universalbibliothek der Stadt zu sein.[1]

Karstedt gehörte zu den Gründerinnen der „Hamburger Bibliothekskonferenz“, die sie jahrelang leitete. Anfangs brachte sie damit die mehr als 100 einzelnen Bibliothekseinrichtungen der Universität Hamburg und deren Bibliothekare zusammen. Dabei war ihr wichtig, dass in dem beginnenden Übergang ins Informationszeitalter die Bibliothekare der Universität eine berufspolitische Stimme erhielten und ihr Fachwissen in diesen Übergang einbringen konnten. Als Mitte der 1990er Jahre die „Virtuelle Campusbibliothek im Regionalen Rechenzentrum“ gegründet wurde, beeinflusste sie stark die Struktur dieser Einrichtung, in der der gemeinsame Internetauftritt der Bibliotheken der Universität Hamburg, der Zugang zu allen Katalogen und die Vereinheitlichung von Ausleihe und Betreuung von Studierenden organisiert wurde. Gegenüber den IT-Experten brachte sie ihre jahrelange bibliothekarische Erfahrung ein und setzte sich für die Interessen von Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleichermaßen ein.[1]

Ihre nächste Position war 2004 eine Position an der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, im Zuge der Neustrukturierung des gesamten Bibliothekssystems der Universität Hamburg. Ihr Arbeitsgebiet umfasste Strukturaufgaben, technologische Innovation und die Gestaltung von Bibliothekseinrichtungen. Ihre letzte große Aufgabe war dabei die räumliche und organisatorische Zusammenführung von fünf Fachbereichsbibliotheken aus den Bereichen Erziehungswissenschaft, Psychologie und Bewegungswissenschaft zu einer Zentralbibliothek. Dabei lag ihr auch die Gestaltung mit den Architekten besonders am Herzen.[1]

Auf der Website der Martha-Muchow-Bibliothek wird ihr dafür gedankt:

„An dieser Stelle soll einer Kollegin gedacht werden, die untrennbar mit der Martha-Muchow-Bibliothek verbunden ist und die Bibliothek durch ihren unermüdlichen Einsatz entscheidend mitgeprägt hat: Silke Karstedt (1951–2010), Diplom-Bibliothekarin. Frau Karstedt hatte das Ziel einer modernen, funktionsfähigen und nutzerfreundlichen Fakultätsbibliothek während der Planungs- und Einrichtungsphase immer im Blick. Das gute Abschneiden der Martha-Muchow-Bibliothek bei der Evaluation der Fachbibliotheken durch einen unabhängigen Gutachter war nicht zuletzt ihr Verdienst und hat sie in ihrer Arbeit bestätigt und sicherlich auch mit Stolz erfüllt.“

Nachruf auf Silke Karstedt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Martha-Muchow-Bibliothek[2]

Als 1983/84 das Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel gegründet wurde, gehörte Silke Karstedt wie auch ihre Schwester Susanne Karstedt zu den Mitgründerinnen der Stiftung.[1]

Nach schwerer Krankheit starb Silke Karstedt am 26. März 2010 in Hamburg. Sie wurde auf dem Friedhof Bad Oldesloe im Familiengrab Bahnsen/Lebius/Karstedt beigesetzt.[1] Sie wurde in Hamburg durch einen Frauenort geehrt.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Frauenort Hamburg für Silke Karstedt, abgerufen am 1. November 2025
  2. Nachruf auf Silke Karstedt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Martha-Muchow-Bibliothek. (PDF; 458 kB) Fakultät für Erziehungswissenschaft Universität Hamburg, abgerufen am 2. November 2025.