Siegfried Langer (Orientalist)

Siegfried Langer (* 1. September 1857 in Schönwald; † Anfang Juni 1882 im Jemen) war ein österreichischer Orientalist, Epigraphiker und Fotograf. Er erlangte vor allem durch eine Forschungsreise Bekanntheit, die ihn zwischen April 1881 und Juni 1882 nach Syrien und in den Jemen führte. Während dieser Expedition entdeckte und untersuchte er im Süden der arabischen Halbinsel insgesamt 22 koptische, himyarische sowie sabäische Inschriften[1] und war damit der erste Forscher seit Joseph Halévy mehr als ein Jahrzehnt zuvor, dem in dieser Region die Entdeckung neuer Inschriften gelang. Im Alter von nur 24 Jahren fiel er in der jemenitischen Wüste einem Mord zum Opfer. Annähernd 20 von Langer zusammengetragene Alltagsgegenstände sowie ebenso viele Fotografien sind heute Bestandteil der Sammlung des Weltmuseums in Wien und werden dort teilweise auch als Exponate ausgestellt.[2]

Leben

Herkunft und Ausbildung

Langer kam 1857 in der kleinen Ortschaft Schönwald (tschechisch: Šumvald) zur Welt, die damals innerhalb des Kaisertums Österreich zur Markgrafschaft Mähren gehörte. Nachdem die Familie, die jüdischen Glaubens war,[3] in die etwa 28 Kilometer südsüdöstlich gelegene Stadt Olmütz (tschechisch: Olomouc) gezogen war, besuchte Langer dort die Volks- und Realschule. In seiner Jugend unternahm er während der Schulferien eigenständig ausgedehnte Wanderungen durch das Niedere Gesenke, durch die preußische Provinz Schlesien, durch das Erz-, das Riesen- und das Fichtelgebirge, durch Süddeutschland, die österreichischen Alpen, die Schweiz und auch durch Oberitalien.[4] Darüber hinaus begeisterte er sich bereits zu dieser Zeit für orientalische Sprachen.

Nach seinem Schulabschluss zog er nach Wien – anfangs mit dem Ziel, ein Lehramtsstudium aufzunehmen und „die modernen, insbesondere aber auch die orientalischen Sprachen zu studieren“.[4] Zwischen 1879 und 1881 war er dann an der Universität Wien immatrikuliert und hörte Vorlesungen von Adolf Wahrmund, Leo Reinisch, Joseph von Karabacek und David Heinrich Müller. Als sogenannter externer Hörer wohnte er zudem Lehrveranstaltungen zur türkischen und zur arabischen Sprache an der kaiserlich-königlichen Akademie für Orientalische Sprachen bei. Ferner nahm er privaten Arabischunterricht bei Yousef al-Khalidi, dem ehemaligen und zukünftigen Bürgermeister Jerusalems, der damals an der Akademie lehrte.[4] Zwar wurde Langer posthum von Eduard Glaser als „Doktor der Archäologie und der orientalischen Sprachen“ bezeichnet, diese Beschreibung ist allerdings vermutlich eher im Sinne von „Gelehrter“ zu verstehen, denn es gibt keine Hinweise auf eine Promotion Langers.

Reise nach Vorderasien

Vorgeschichte

Als die beiden Studenten Siegfried Langer und Eduard Glaser von ihrem Professor Müller nach der Zielsetzung ihres Studiums gefragt wurden, antworteten beide, dass sie gerne Forschungsreisende werden würden.[5] Während Glaser dabei eine Expedition nach Afrika vorschwebte, interessierte sich Langer besonders für die arabische Region.

Glaser gelang es als erstem der beiden Kommilitonen, seine Pläne zu konkretisieren, und er ersuchte Müller um Unterstützung des Vorhabens. Dieser machte ihm deutlich, dass er eine Afrika-Expedition nicht fördern könne, wohl aber eine nach Arabien, wo „man nur allein[e] oder höchstens mit einem Führer und so unauffällig als möglich reisen muß.“[5] Daraufhin gab Glaser seine ursprünglichen Pläne auf und ließ sich auf eine Arabienreise ein. Da die südarabische Epigraphik Müllers Forschungsschwerpunkt war, knüpfte er an eine potentielle Unterstützung den Wunsch, die epigraphischen Funde der Expedition im Anschluss zusammen mit Glaser untersuchen zu wollen. In den folgenden Wochen konnte er dann gemeinsam mit Moritz Güdemann und Emanuel Mendel Baumgarten erhebliche Geldmittel einwerben. Zudem empfahl er Glaser in London und Paris und veranlasste Fachkollegen, ebenfalls Empfehlungsschreiben zu verfassen. Es kam jedoch zum Bruch zwischen beiden, als Glaser in Frankreich „sehr große Summen“[5] bewilligt wurden – verbunden allerdings mit der Maßgabe, dass die epigraphischen Funde ausschließlich an französische Universitäten abzuliefern seien. Müller versuchte, dieses Ansinnen zu verhindern oder zumindest einen Kompromiss zu finden, war damit jedoch nicht erfolgreich und sah letztlich sogar „den österreichischen Charakter der Expedition“[5] nicht mehr gewahrt.

Wenig später trat Siegfried Langer an ihn heran und bat nun seinerseits um Unterstützung für seine eigenen Reisepläne. Müller lehnte dies jedoch zunächst ab – „nicht etwa, [weil] ich ihn für minder fähig als Glaser gehalten hätte, sondern aus dem einfachen Grunde, weil es mir schwer fiel, von Neuem eine gleich große Summe für ihn aufzubringen und weil ich noch immer hoffte, daß Herr Glaser die Unkorrektheit seiner Handlungsweise einsehen werde, in welchem Falle ich ihm gegenüber gewisse Verpflichtungen zu erfüllen gehabt hätte.“[5]

Finanzierung

Trotz dieser zunächst ungünstigen Aussichten war Langer derart motiviert, dass er Müller gegenüber zu verstehen gab, „nach Arabien [zu] reisen [...], selbst wenn er sich dorthin durchbetteln müßte“.[5] Tatsächlich gelang es ihm aber in der Folge, zahlreiche Fördergelder einzuwerben. So gewährten ihm beispielsweise sowohl die Preußische Akademie der Wissenschaften als auch die in Wien ansässige kaiserliche und königliche Geographische Gesellschaft[6] und das österreichische Ministerium für Kultus und Unterricht Förderungen (letzteres 300 Gulden); außerdem erhielt er Zuwendungen von Freunden und Bekannten. Zum Zeitpunkt der Abreise verfügte er über einen Barbestand von mindestens 2100 Gulden und mehrere Hundert weiterer Gulden wurden ihm in den darauffolgenden Wochen und Monaten zugesendet. Unter anderem quittierte er nachweislich am 3. Mai 1882 den Eingang von umgerechnet 1050 Franc.[4]

Erste Etappe: Syrien

Im April 1881 brach Langer auf und reiste zunächst ins osmanische Vilâyet Syrien. Um seine Arabischkenntnisse weiter zu verfeinern und vor allem, um sich die Umgangssprache anzueignen, verbrachte er dort acht Monate. Während dieser Zeit lebte er teilweise in Gemeinschaft mit Beduinen und akklimatisierte sich mit der arabischen Lebensweise. Schließlich verließ er im Dezember 1881 per Schiff die ägyptische Stadt Port Said, durchfuhr den Suezkanal und erreichte im Februar 1882 – „nach einer langen Irrfahrt an der südarabischen Küste“[4] im Roten Meer – die Stadt al-Hudaida im Vilâyet Jemen.

Zweite Etappe: al-Hudaida und Sanaa

Als erster Europäer reiste Langer dann zwischen dem 21. Februar und dem 26. März 1882 entlang der „wenig begangene[n] Route“[1] von al-Hudaida über Bayt al-Faqīh, Dhuran (Ḍūrān / Dhoran / Dhorân) und Dhaff (Ḍāff / Dhaf) in die im Hochland gelegene Vilâyetshauptstadt Sanaa, wo er dem örtlichen Gouverneur Botgoriceli Ismail Hakki Pascha bereits empfohlen worden war.[4] In Sanaa durfte er sich frei bewegen.

Als er allerdings nach zweiwöchigem Aufenthalt aufbrechen und mit ersten Stationen in Raida und Saʿda zusammen mit einem gewissen Chabschusch – der bereits Joseph Halévy geführt hatte[5] – weiter nach Norden und ins Landesinnere vordringen wollte, verweigerte der Gouverneur ihm die dafür notwendige Erlaubnis. Es ist davon auszugehen, dass er in der unsicheren Region nicht für Langers Wohlbefinden garantieren konnte und nicht die Verantwortung für eine mögliche Gewalttat gegen den Österreicher übernehmen wollte. Stattdessen ließ Hakki Pascha ihn nach al-Hudaida zurückbringen[7] und trug ihm auf, das Land zu verlassen. Langer wandte sich daraufhin mit der Bitte um Vermittlung an den kaiserlichen und königlichen Minister des kaiserlichen Hauses und des Äußeren Gustav Kálnoky. Er hoffte, dass die Hohe Pforte in Konstantinopel auf österreichisches Drängen ein Ferman an den jemenitischen Gouverneur schicken würde, in dem ihm die ungehinderte Fortsetzung der Reise garantiert würde.

Dritte Etappe: Aden

Die Zeit bis zur Reaktion des Außenministeriums wollte Langer produktiv nutzen und reiste daher nach Aden, wo er Mitte April eintraf. Fast an der Südspitze Jemens gelegen, war die Stadt seit 43 Jahren als sogenanntes Aden Settlement eine befestigte britische Kolonie und von hier aus agierten die Briten in einem schmalen, von unterschiedlichen Stämmen bewohnten Küstenstreifen als Schutzmacht. Langer besaß zwar keine Empfehlungsschreiben für James Blair, den britischen Political Resident von Aden, wurde diesem aber dennoch vom österreich-ungarischen Vizekonsul Victor Escher vorgestellt. Langer erläuterte hierbei seine Pläne, von Aden aus zur Nûr-Moschee[4][8] im Sultanat Ober-Yafi[4][7] reisen und dann weiter in die Region Hadramaut[1][7] vordringen zu wollen. Obschon Blair ihn eindringlich vor der Gefahr warnte, ohne ausreichende Eskorte in Gebiete des Landesinneren zu reisen, die nicht mehr unter britischem Schutz stünden, zeigte sich Langer unbesorgt. Blair stellte ihm daraufhin zumindest Empfehlungsschreiben für die Stämme der Abdali, Hauschabi und Ober-Yafi aus, durch deren Gebiete er reisen wollte.[4]

Am 20. Mai verließ Langer Aden. Sein letztes Lebenszeichen war eine Nachricht, die er am 29. Mai aus Lahidsch abschickte: „Ich reise heute von [Lahidsch] ab und begebe mich über den Hanschebi Amir nach Yasa.“[4] In Lahidsch stellte man Langer eine Eskorte aus Männern des Abdali-Stammes und im Hauschabi-Stammesgebiet unterstützte man ihn mit Kameltreibern, die ihn bis ins Alawi-Stammesgebiet begleiteten. Dort wiederum versah man ihn mit einer Eskorte bis zu den Grenzen des Emirates Dhala. Langer traf dort auf den Emir ’Ali ibn Muqbil al-’Amiri und erklärte auch ihm, dass er auf dem Weg zur Nûr-Moschee sei. Daraufhin stellte dieser ihm zwei Kamele und Kameltreiber zur Verfügung, die ihn bis ins Gebiet des Stammes der al-Mahlay begleiteten, wo er abermals zwei Kamele und Führer erhielt, die ihn nun bis zu einer Samsara – einer typisch jemenitischen Karawanserei – begleiteten, in der die Stämme al-Abd Allah und Dâeri Zölle verlangten. Langer zahlte dort sechs Stammesvertretern den geforderten Zoll.[4]

Ermordung

Am 19. Juni 1882 erhielt der britische Political Resident von Aden James Blair eine Nachricht des Sultans von Lahidsch al-Fadl III ibn ’Ali al-’Abdali, in der dieser ihn über die Ermordung Langers informierte. Die Schilderungen bezüglich seiner Todesumstände waren zunächst widersprüchlich. So erhielt beispielsweise die Zeitschrift Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde am 4. Juli die Meldung aus Wien, dass Langer während eines Ausflugs ins Daasigebirge getötet worden sei, als er gerade ein Gebäude fotografiert habe.[9] Der österreichische Kaufmann Ludwig Stroß aus Dschidda übermittelte hingegen in die Heimat, dass Langer nördlich von Aden zwischen Sohaib und Yafa von vier Beduinen erschossen worden sei, während er sich auf einem Baum ausruhte. Diese Meldung wurde am 24. Juli in der Wiener Tageszeitung Neuen Freien Presse abgedruckt.[10] Die Täter wurden wahlweise als „räuberische Beduinen“[7] oder „seine Führer“[8] bezeichnet.

James Blair hatte umgehend einen Gesandten in die betreffende Region geschickt, der das Geschehen rekonstruieren sollte. Diese offizielle Untersuchung förderte einen anderen Tathergang zutage: Die sechs Zolleintreiber in der Karawanserei rieten Langer demnach, den direkten Weg zur Nûr-Moschee im Oberen Yafia-Land zu verlassen, um die hohen Zollgebühren des Scheichs al-Qasim al-Sakkaf von Maflahi zu vermeiden. Er reiste stattdessen in Begleitung der sechs Männer und zweier Kameltreiber der al-Mahlay-Stammes entlang des Wadi Bana. Am Zusammenfluss mit dem Wadi Yahar ereignete sich die Tat – etwa fünf Kilometer hinter dem letzten Halt an der Karawanserei und etwa 90 Kilometer nördlich von Aden.[7] Langer hatte sich gerade entkleidet und war zum Baden in den Fluss gestiegen, als er von den vieren der Zolleintreiber mit Gewehrschüssen, Steinwürfen und Speerstichen getötet wurde. Die Kameltreiber waren wohl nicht am Mord beteiligt. Von der herbeiströmenden Bevölkerung wurden anschließend seine zwei Kisten mit Ausrüstung geplündert und seine Unterlagen und Aufzeichnungen ins Wasser geworfen. Blair sandte den Ermittlungsbericht an die Regierung der Präsidentschaft Bombay, der Aden unterstand.

Eine Strafverfolgung war nicht möglich. Die Briten sprachen jedoch Ächtungen gegen die sechs Stammesmitglieder der al-Abd Allah und Dâeri aus. Die zwei von ihnen, die sich nicht direkt am Mord beteiligt hatten, wurden somit in Mithaftung genommen, zumal sie sich der Plünderung von Langers Habseligkeiten mitschuldig gemacht hatten. Ferner verlangten die Briten von den beteiligten Stämmen, die Täter ebenfalls zu ächten und drohten andernfalls mit einem Abbruch der Handelsbeziehungen (hierzu rieten sie auch benachbarten Stämmen) sowie einem Betretungsverbot für die Stadt Aden.[4]

Bewertung

Der Bericht vom 24. Juli 1882 in der Wiener Neuen Freien Presse, in dem Eduard Glaser Langers Todesumstände schilderte, enthielt auch eine Einschätzung Glasers hinsichtlich sowohl der seiner Meinung nach mangelhaften Planung der Forschungsreise als auch einer angeblich unzureichenden Ausbildung Langers:

„Dies ist also der letzte Act eines verbrecherischen Dramas, dessen Autoren diejenigen sind, welche den armen Menschen ohne Geld, ohne ausreichende Vorbildung in Gegenden geschickt haben, in welchen man reifes Urtheil, reichliche Erfahrung und besonders bedeutendere Sprachkenntnisse braucht. Sie sind umso schuldiger, als sie ganz gut wußten, mit welchen Schwierigkeiten der arme Langer zu kämpfen hatte und wie wenig er ihnen gewachsen war. Anstatt ihn zurückzurufen, scheinen sie ihn noch aufgemuntert zu haben.“[10]

In einem Nachruf, der am 7. und 8. August in der Tageszeitung Die Neue Zeit – publiziert in Langers Heimatstadt Olmütz – erschien, kritisierte David Heinrich Müller Glasers Unterstellungen aufs Schärfste:

„Siegfried Langer war weder der Erste, der sich in die Gefahr mit Bewußtsein gegeben, noch auch der Einzige, der in diesem Lande seinen Tod gefunden hat. Arnaud und Halevy ist es geglückt, obwohl sie unzähligemale in Lebensgefahr schwebten und entsetzliche Mißhandlungen erdulden mussten, heimzukehren, aber keiner von Beiden hat sich gerühmt, daß sie dies ihrer besonderen Vorsicht und Lebenserfahrung zu verdanken hatten. Seetzen ist in Südarabien zu Grunde gegangen, ohne daß man von ihm eine Spur entdeckte, aber Keinem ist es eingefallen, ihn deshalb zu tadeln. Herr Glaser, der bis jetzt noch nichts geleistet, und vielleicht noch den arabischen Boden nicht betreten hat, maßt sich an, über die Erfahrungen und Thaten Anderer zu richten, erlaubt sich, über seinen verstorbenen Freund ein so abfälliges Urtheil auszusprechen und seiner Undankbarkeit durch die Anschuldigung seiner Wohlthäter die Krone aufzusetzen. Ich muß aber diese Behauptungen auf das Entschiedenste im Namen Siegfried Langer’s, im Namen aller seiner Freunde, und in meinem eigenen zurückweisen, und betonen: 1) Daß Herr Langer mit genügenden Geldmitteln versehen war, da er in seinem letzten Briefe ausdrücklich schreibt, daß er bis September mit Geld versehen sei. Weitere Geldsendungen waren vorbereitet. 2) Herr Langer besaß eine ebensolche Ausbildung und ebenso bedeutende Sprachkenntnisse wie Herr Glaser, aber einen geraden und ehrlichen Character, der ihn unfähig gemacht haben würde, das Andenken seines Freundes in gleicher Weise zu verunglimpfen und seine Wohlthäter zu verleumden. 3) Für alle Zeiten bleiben die Leistungen Siegfried Langer’s verdienstlich und werthvoll. Möge es Herrn Glaser – ich wünsche es im Interesse der Wissenschaft – gelingen, größere und Bedeutenderes zu vollbringen. Er that aber Unrecht daran, schon jetzt den Mund so voll zu nehmen, als ob er schon seine Ausbeute und sein Leben in Sicherheit hätte.“[5]

Im gleichen Text – ebenso wie in einem weiteren ausführlichen Nachruf, der im Jahresband 1882 der Mittheilungen der kaiserlichen und königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien erschien – sah man sich dann auch genötigt, Langer noch weiter in Schutz zu nehmen, indem man darauf hinwies, dass er

„nur ein Opfer seines ungestümen Forscherdranges wurde, dass aber die in einem unlängst zur Publication gelangten Schreiben des Herrn Glaser aufgestellten Behauptungen durchaus unbegründet sind, als ob ungenügende Vorbildung und Mangel an den nöthigen materiellen Mitteln die Schuld an seinem traurigen Ende trügen.“[4]

Nichtsdestotrotz betrachtete der getadelte Glaser auch noch 1886, also vier Jahre nach Langers Tod, dessen Wirken überaus zwiegespalten. Zwar anerkannte er Langers archäologische Leistung, gleichzeitig merkte er jedoch auch kritisch an, dass das von ihm angefertigte Kartenmaterial insbesondere hinsichtlich der Benennung von Gebirgszügen oftmals ungenügend und ungenau sei, und dass er darüber hinaus in seinen Berichten stellenweise ein mangelhaftes Verständnis der regionalen politischen Gegebenheiten offenbarte. Im Detail konstatierte Glaser:

„Dieser bedauernswerte und in der Kartographie unerfahrene Reisende [hat] denn auch kein richtiges Bild von der Gegend geben können, ebenso wenig, wie er selbst im stande war, in die Verhältnisse im Yemen einen Einblick zu gewinnen. So läßt er beispielsweise die türkische Herrschaft mitten in der Kadhâ Anis, dem fettesten und ruhigsten Bezirke von ganz Yemen, nicht gelten, sucht den berühmten Dj. Dhîn im Bilâd Anis und hält einige in türkischen Diensten stehende Polizisten aus dem Ḥâšidstamme der ‚sonderbaren‘ Kelbiîn für die Herren des Landes, und zahlreiche ähnliche Dinge. [...] Ohne seinen sonstigen, gewiß epochemachenden Verdiensten (er soll eine ganz besondere Art von himjarischen Inschriften im Yemen entdeckt haben), nahe treten zu wollen, muß ich doch im Interesse der korrekten Kartenzeichnung betonen, daß der Dj. Ṣa’fân wohl mit den Bergen von Masâr, keineswegs aber mit den Bergen von Alhân zusammenhängt. Überdies befindet sich der mächtige Ṣa’fânzug nördlich und nicht südlich von Ḥodjeila. Die Karte Langers wird einer vollständigen Umarbeitung bedürfen, falls sie für geographische Zwecke verwendet werden soll.“[11]

Gedenken

Anlässlich der Publikation von Langers literarischem Nachlass wurde am 28. Januar 1884 in Anwesenheit von Freunden und Bekannten eine Gedenktafel für ihn auf dem Wiener Zentralfriedhof enthüllt. Für die Errichtung und Finanzierung zeichnete die Israelitische Kultusgemeinde Wien verantwortlich und die Tafel trägt folgende Inschrift:

„Dem Andenken des Forschungs-Reisenden Siegfried Langer, geboren am 1. September 1857 zu Schönwald bei Mährisch-Aussee, gefallen als Opfer im Dienste der Wissenschaft im Juni 1882 am Zusammenfluß des Wadi Bonna und Wadi Jahar in Südarabien“.[12]

Publikationen (Auswahl)

Siegfried Langer sandte während der Reise fortwährend Berichte und Forschungsergebnisse in die Heimat, die er unter anderem in der Neuen Freien Presse, in Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde sowie in den Mittheilungen der kaiserlich königlichen Geographischen Gesellschaft publizieren konnte. Im Jahr nach Langers Tod veröffentlichte David Heinrich Müller eine Auswahl der Reiseberichte zusammen mit dem Untersuchungsbericht des Political Resident als Sammelband und verfasste außerdem einen Fachaufsatz, in dem er die von seinem Studenten entdeckten und gesammelten sabäischen Inschriften wissenschaftlich analysierte. Ebenfalls posthum wurde eine große Anzahl der von Langer aufgenommenen Fotografien als Holzschnitte in Das Ausland veröffentlicht. Die von ihm erstellten Abdrücke arabischer Siegel und Gemmen wurden Joseph von Karabacek zur Bearbeitung und Veröffentlichung übergeben.

Monographien

  • David Heinrich Müller (Hrsg.): Siegfried Langer’s Reiseberichte aus Syrien und Arabien. Verlag von G. Kreysing, 1883, 103 Seiten.

Aufsätze

  • Langer: Aus dem Transjordanlande. Ein Ausflug von Es Salt nach Ma’an. In: Mittheilungen der kaiserlich königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien. Band 25 (Band 15 der neuen Folge), 1882, Seiten 281–294.
  • Langer: Aus dem Ost-Jordanland. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, Nr. 10, 6. März 1882, Seiten 181–183.
  • Langer: Irrfahrten an der südarabischen Küste. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, Nr. 18, 1. Mai 1882, Seiten 352–353.
  • Langer: Ein Hochzeitsfest der Halbbeduinen im Ostjordanlande. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, Nr. 29, 17. Juli 1882, Seiten 574–576.
  • Langer: Meine Reise nach San’â. In: Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, Nr. 39, 25. September 1882, Seiten 761–768.
  • David Heinrich Müller (Hrsg.): Sabäische Inschriften, entdeckt und gesammelt von Siegfried Langer. In: Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Band 37, Nr. 3, 1883, Seiten 319–421.

Einzelnachweise

  1. a b c Adolf Grohmann: Kulturgeschichte des alten Orients. Arabien (= Handbuch der Altertumswissenschaft. Dritte Abteilung, Erster Teil, Band 3). C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1933, Seite 97.
  2. Auflistung der von Langer stammenden Objekte im Sammlungsbestand des Weltmuseums Wiens. Abgerufen auf weltmuseumwien.at (Weltmuseum Wien) am 31. Oktober 2025.
  3. Eric Macro: Yemen and the Western World since 1571. C. Hurst & Company, 1968, Seite 85.
  4. a b c d e f g h i j k l m Siegfried Langer †. In: Mittheilungen der kaiserlichen und königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien. Band 25 (Band 15 der neuen Folge), 1882, Seiten 370–376.
  5. a b c d e f g h Vom Afrikareisenden Siegfried Langer. In: Die Neue Zeit. Jahrgang 35, Nr. 178, 7. August 1882, Seiten 1–2 sowie Nr. 178, 8. August 1882, Seiten 1–2.
  6. Kultur und Wissenschaft. In: Über Land und Meer – Allgemeine Illustrirte Zeitung. Jahrgang 23, Band 46, Nr. 37, 1881, Seite 739; Eine neue Forschungsreise nach Süd-Arabien. In: Mittheilungen der kaiserlichen und königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien. Band 24 (Band 14 der neuen Folge), 1881, Seiten 126–127.
  7. a b c d e Vorderasiatische Gesellschaft (Hrsg.): Der Alte Orient – Gemeinverständliche Darstellungen. Jahrgang 8, Heft 4, 1907, Seite 29.
  8. a b Joseph Alexander von Helfert: Jahres-Bericht des Präsidenten der k. k. Geographischen Gesellschaft. In: Mittheilungen der kaiserlichen und königlichen Geographischen Gesellschaft in Wien. Band 26 (Band 16 der neuen Folge), 1883, Seiten 1–3.
  9. Das Ausland – Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde. Jahrgang 55, Nr. 29, 17. Juli 1882, Seite 576.
  10. a b Local- und Provinzial-Nachrichten. In: Die Neue Zeit. Jahrgang 35, № 168, 26. Juli 1882, Seite 3.
  11. Eduard Glaser: Von Ḥodeida nach Ṣan’â vom 24. April bis 1. Mai 1885. In: Dr. A. Petermanns Mitteilungen aus Justus Perthes’ geographischer Anstalt. Band 32, 1886, Seiten 1–10.
  12. Local-Nachrichten. In: Deutsche Zeitung. Nr. 4337, 29. Januar 1884, Seite 3.