Sibylle Prins
Sibylle Prins (* 22. Februar 1959 in Bonn; † 14. Juli 2019 in Bielefeld) war eine deutsche Autorin, Redakteurin und wichtige Stimme der Bewegung der Psychiatrie-Erfahrenen. Sie hatte ursprünglich eine Ausbildung zur Förderschullehrerin absolviert.
Leben
Sibylle Prins wuchs die ersten Jahre in den Niederlanden auf. Mit zwölf Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Bielefeld. Nach dem Abitur 1978 folgte ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kinderkurheim in Cuxhaven. Von 1979 bis 1984 studierte Prins in Paderborn (Lehramt Sekundarstufe 1) und Dortmund (Lehramt an Sonderschulen). Während des Referendariats für das Lehramt an Sonderschulen zwischen 1985 und 1987 in Osnabrück durchlebte sie einen ersten schizophren-psychotischen Schub, dem in den folgenden Jahren weitere folgen. Zurück in Bielefeld schulte Prins ab 1989 zur Industriekauffrau und ab 1991 zur kirchlichen Verwaltungsangestellten um. Bis 2002 arbeitete sie im Kreiskirchenamt Bielefeld, brach die Ausübung dieser Tätigkeit aufgrund ihrer Erkrankung jedoch ab. Prins betätigte sich seitdem als Schriftstellerin, Herausgeberin und Referentin.
Sibylle Prins prägte (seit 1991) über 20 Jahre lang die Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener. So war sie z. B. Mitbegründerin des Bielefelder Psychoseseminars und des 1993 gegründeten Vereines Psychiatrie-Erfahrener Bielefeld e.V., dessen Vorsitzende sie von 1999 bis Ende 2013 war.
Ihr persönlichstes Zeugnis bleiben sicherlich ihre Tagebuchaufzeichnungen, die 2025 von der Psychologischen Psychotherapeutin Renate Schernus herausgegeben wurden.[1] Sie geben einen tiefgründigen und intensiven Einblick in das Ringen von Sibylle Prins mit ihren Psychosen und dem Sinn des Lebens.[2] Ein wichtige Botschaft von Sibylle Prins lautet: „Humor erweitert den Handlungsspielraum.“[3]
Die Psychologische Psychotherapeutin Renate Schernus, die mit Sibylle Prins von 1992 bis 2019 in Verbindung stand, schreibt als Herausgeberin der Tagebücher von Prins: „Sibylle Prins wurde durch ihre Veröffentlichungen zu psychiatrischen Themen sowie durch kurze Erzählungen, humorvolle Aphorismen und wunderbare Gedichte weit über Deutschland bekannt. Ab 2001 erreichten sie nahezu wöchentlich Einladungen aus dem In- und Ausland zu Vorträgen, Fortbildungen und Lesungen.“[4]
2017 erfuhr Sibylle Prins, dass sie an Lungenkrebs erkrankt war. In den Morgenstunden des 14. Juli 2019 erlag sie mit nur 60 Jahren im Schlaf ihrer Krankheit.[3]
Eine Auflistung der Nachrufe[3] auf Prins finden sich in der FemBiografie des Instituts für Frauen-BiographieForschung (FemBio).
Für Sibylle Prins wurde auf ihren eigenen Wunsch hin vom Künstlerinnenforum Bielefeld-OWL e.V. ein Archivkasten in der Stadtbibliothek Bielefeld, Neumarkt 1 eingerichtet.[5][3] Der Archivkasten enthält einen Reader mit verschiedenen Aufsätzen und Gedichten von Sibylle Prins. Der Reader wurde erstellt von Renate Schernus und der Bielefelder Autorin Brigitte Siebrasse.
„Ihr feiner Humor, ihre messerscharfen Gedanken und ihre Fähigkeit, das Glück immer auch in den kleinen Dingen zu suchen und zu finden, wird uns und so vielen anderen fehlen.“[6] „Nicht nur ihre Bücher, sondern auch ihre Tagebuchaufzeichnungen werden hoffentlich ein allzu schnelles Vergessenwerden verhüten.“[7]
Werke
- Gut, dass wir mal darüber sprechen – Wortmeldungen einer Psychiatrie-Erfahrenen. Paranus Verlag, Neumünster 2001, ISBN 978-3-926200-49-5
- Jetzt endlich lebe ich richtig – Geschichten, Glossen, Gedanken. Paranus Verlag, Neumünster 2005, ISBN 978-3-926200-61-7
- Sibylle Prins und Renate Schernus mit Fritz Bremer: Wir sind weit miteinander gegangen. Eine Psychiatrie-Erfahrene und eine Psychotherapeutin im Gespräch. Paranus Verlag, Neumünster 2009, ISBN 978-3-940636-02-7
- Tagtraumzeit – Nachdenkzeit – Lächelzeit. Paranus Verlag, Neumünster 2010, ISBN 978-3-940636-07-2
- Svenja Bunt und Sibylle Prins: Ein gutes Leben und andere Probleme. Ein Ratgeber von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene. BALANCE Buch + Medien Verlag, Köln 2018, ISBN 978-3-86739-139-9
- Sibylle Prins, Renate Schernus (Hg.): Von einem Schmerz getroffen, fiel ich bis zu den Sternen. Aus den Tagebüchern von Sibylle Prins. Paranus im Psychiatrie Verlag, Köln 2025, ISBN 978-3-96605-325-9
Herausgeberschaften
- Vom Glück – Wege aus psychischen Krisen, Psychiatrie-Verlag, Bonn 2003, ISBN 978-3-88414-347-6
- Seitenwechsel – Psychiatrieerfahrene Professionelle erzählen, Paranus Verlag, Neumünster 2006, ISBN 978-3-926200-70-9
Weblinks
- Literatur von und über Sibylle Prins im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Homepage der Autorin existiert nicht mehr
- Sibylle Prins. In: fembio.org. Institut für Frauen-BiographieForschung.
- Homepage des Künstlerinnenforums Bielefeld-OWL e.V.
Einzelnachweise
- ↑ Sibylle Prins, Renate Schernus (Hrsg.): Von einem Schmerz getroffen, fiel ich bis zu den Sternen. Aus den Tagebüchern von Sibylle Prins. 1. Auflage. Paranus im Psychiatrie-Verlag, Köln 2025, ISBN 978-3-96605-325-9.
- ↑ Renate Schernus, Kunst des Indirekten, Hausärztin im Kiez, Psychiatrie und Gesellschaft. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ a b c d Sibylle Prins. In: fembio.org. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ Sibylle Prins, Renate Schernus (Hg.): Von einem Schmerz getroffen, fiel ich bis zu den Sternen (1.2025)
- ↑ Künstlerinnenforum bi-owl | Home. Abgerufen am 18. November 2025.
- ↑ TITEL. Psychiatrie-Verlag, Köln 15. Juli 2019.
- ↑ Sibylle Prins, Renate Schernus (Hg.): Von einem Schmerz getroffen, fiel ich bis zu den Sternen