Shilpa Gupta

Shilpa Gupta (Hindi शिल्पा गुप्ता; * 1976) ist eine indische Künstlerin, die über multimediale Installationen, Klangarbeiten, Texte und Performances zu Themen wie Zugehörigkeit, Grenzziehungen, Zensur, Religion, Meinungsfreiheit und Menschenrechten Stellung bezieht.[1] Ihre Arbeiten waren in führenden Häusern wie Tate Modern in London, dem Centre Pompidou in Paris und dem Mori-Kunstmuseum in Tokio zu sehen.[2] Im Jahr 2025 erhielt sie den mit 25.000 Euro dotierten Possehl-Preis für Internationale Kunst.[3] Aus diesem Anlass präsentiert die Kunsthalle St. Annen in Lübeck die Überblicksausstellung we last met in the mirror.[4]

Leben

Gupta wurde in Mumbai geboren und lebt und arbeitet dort.[1] Von 1992 bis 1997 studierte sie Bildhauerei an der Sir J. J. School of Fine Arts in Mumbai.[1] Schon als junge Kunststudentin interessierten sie schlichte Alltagsmaterialien, die sie in Installationen und Performances einsetzte.[2] Ein prägendes Erlebnis war die Begegnung mit Arbeiten des Konzeptkünstlers Joseph Kosuth in einem Kunstbuch, die ihr eine künstlerische Richtung jenseits akademischer Traditionen wiesen.[2] Anerkennung erhielt sie früh auf Biennalen, noch bevor ihr Werk im eigenen Land ähnlich stark Widerhall fand.[2]

Wirken

Guptas Praxis umfasst Klang-, Licht- und Textinstallationen, Zeichnung, Skulptur, interaktive Computer- und Performancestücke; die Arbeiten befassen sich oftmals mit Grenzziehungen durch Staaten und ihre gesellschaftlichen wie psychologischen Wirkungen.[1] Das Motiv der Grenze macht sie mit 1:14.9 – 1188.5 miles of fenced border – West, North-West, Data Update: Dec 31, 2007 (2011–2012) physisch erfahrbar, einem aus handgewickeltem Garn gefertigten Knäuel in der Länge der befestigten Anlagen an der indisch-pakistanischen Grenze.[1] In For, In Your Tongue, I Cannot Fit (2017–2018) hängen 100 Mikrofone über 100 Metallspitzen, die Seiten mit Versfragmenten durchbohren.[5] Die Installation gibt der verfolgten und inhaftierten Dichtergruppe aus verschiedenen Jahrhunderten eine Stimme, deren Worte in unterschiedlichen Sprachen gelesen, geflüstert und gesungen werden.[6] Die Barbican Art Gallery zeigte 2021 ihre erste große Londoner Einzelausstellung Sun at Night, in der diese Arbeit den dramaturgischen Höhepunkt bildete.[5] Mit Still They Know Not What I Dream (2021) erzeugt eine klappernde Buchstabenklapptafel poetisch-dramatische Textzeilen, die an Anzeigetafeln in Bahnhöfen erinnern.[2] Das Langzeitprojekt Untitled (Spoken Poem in a Bottle) sammelt seit 2018 in Fläschchen gesprochene Gedichte inhaftierter Künstler als stilles Monument der Anteilnahme.[2] Ihre Lichtinstallation I Live Under Your Sky Too (2004) wurde zunächst am Strand von Bandra in Mumbai gezeigt und entwirft in mehreren Sprachen eine Beschwörung von Gemeinschaft.[7] Kritische Texte haben Guptas Ansatz als leise, aus Alltagsmaterialien entwickelten Widerspruch gegen Unterdrückung und Überwachung beschrieben, welcher die Idee von „lines of control“ ästhetisch neu denkt.[8] Ihr Werk war und ist weltweit in führenden Institutionen präsent, darunter Tate Modern, Centre Pompidou und Mori Art Museum.[1] Im Zeitraum 2025/2026 bringt die Ausstellung we last met in the mirror in Lübeck rund 25 Arbeiten aus zwei Jahrzehnten zusammen.[4]

Commons: Shilpa Gupta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Possehl Prize for International Art 2025 – Shilpa Gupta. In: Possehl-Preise für Kunst. 27. September 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c d e f Die Künstlerin Shilpa Gupta in Lübeck: Vom Himmel, der nicht teilbar ist. In: taz. 5. Dezember 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  3. Shilpa Gupta erhält Possehl-Preis für Internationale Kunst 2025 und erste museale Einzelausstellung in Deutschland. In: Possehl-Stiftung. 2. Dezember 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025.
  4. a b Shilpa Gupta: we last met in the mirror. In: e-flux. 24. September 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  5. a b Shilpa Gupta – Sun at Night (Press Release). In: Barbican Art Gallery. 26. Juli 2021, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  6. Shilpa Gupta review – rousing reminder that free speech is worth fighting for. In: The Guardian. 7. Oktober 2021, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  7. Shilpa Gupta Writes Across Night Sky. In: ArtAsiaPacific. 22. Februar 2013, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
  8. How Shilpa Gupta Reinterprets Lines of Control. In: ArtReview Asia. 2. Juli 2025, abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).