Shig Murao

Shigeyoshi „Shig“ Murao (* 8. Dezember 1926 in Seattle, Washington; † 18. Oktober 1999 in Cupertino, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Buchhändler, Autor und Mitinhaber der City Lights Bookstore in San Francisco. Er wurde vor allem durch seine Rolle im Zusammenhang mit der Beschlagnahme und dem Gerichtsprozess um Allen Ginsbergs Gedichtband Howl and Other Poems im Jahr 1957 bekannt.[1]

Leben

Shigeyoshi Murao wurde am 8. Dezember 1926 in Seattle, Washington, geboren. Er war ein Nisei, das heißt ein in den USA geborener Sohn japanischer Einwanderer. Seine Eltern Shigekata Murao (1888–1969) und Ume Sata Murao (1899–1991) stammten aus Chiran, Präfektur Kagoshima, und ließen sich nach ihrer Heirat 1921 in Seattle nieder. Die Familie betrieb eine eigene Fleischerei in Japantown. Shigeyoshi Murao wuchs mit vier Geschwistern auf und besuchte öffentliche Schulen sowie eine japanische Sprachschule. Aufgrund häufiger Erkrankungen verbrachte er viel Zeit mit Lesen.[1]

Zweiter Weltkrieg und Militärdienst

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor 1941 wurde die Familie aufgrund der Executive Order 9066 zunächst in das Camp Harmony in Puyallup, Washington, und 1942 weiter in das Minidoka Internierungslager in Idaho verlegt. 1944 meldete sich Shigeyoshi Murao freiwillig zum Military Intelligence Service (MIS) der US-Armee. Er erhielt Sprachtraining in Minnesota und wurde 1945 nach Japan entsandt, wo er als Übersetzer im Rahmen der Besatzungsverwaltung tätig war. Nach weniger als einem Jahr kehrte er in die USA zurück. Seine Familie zog nach dem Krieg nach Chicago; Murao studierte kurzzeitig am Roosevelt College und übersiedelte später nach San Francisco.[1]

City Lights Bookstore

1950–1952 arbeitete Murao zunächst in der Bar Vesuvio’s gegenüber der später berühmten City Lights Bookstore. Deren Gründer Peter Martin bot ihm eine Anstellung im Laden an. 1955 wurde Shigeyoshi Murao nach Martins Weggang Manager und zahlte zudem 500 US-Dollar in das Unternehmen ein, womit er Mitinhaber wurde. Shigeyoshi Murao prägte über Jahrzehnte den Charakter des Geschäfts. Er war für verschiedene Bereiche zuständig, darunter Bestellungen, Personal, Veranstaltungen und der Verwaltung des Betriebs. Sein exzentrisches Erscheinungsbild und seine Nähe zur Literaturszene machten ihn zu einer zentralen Figur im Umfeld der Beat Generation.[1]

Der Howl-Prozess

1956 veröffentlichte City Lights den Gedichtband Howl and Other Poems von Allen Ginsberg. Nach der Beschlagnahmung einer britischen Lieferung des Buchs kauften undercover tätige Polizisten am 21. Mai 1957 ein Exemplar bei Shigeyoshi Murao. Wenige Tage später wurde er verhaftet und zusammen mit Lawrence Ferlinghetti wegen des Verkaufs und der Veröffentlichung angeblich obszöner Literatur angeklagt. Im Gerichtsverfahren ab August 1957 wurde Murao bald aus dem Verfahren entlassen, da die Staatsanwaltschaft nicht nachweisen konnte, dass er den Band gelesen hatte und somit „wissentlich“ verkauft hatte. Ferlinghetti wurde schließlich freigesprochen; der Richter erklärte Howl and Other Poems zum durch den Ersten Verfassungszusatz geschützten Werk mit literarischem Wert. Der Prozess erlangte nationale Bedeutung und trug zum Bekanntheitsgrad von Allen Ginsberg und dem Verlag City Lights bei.[1][2]

Shig’s Review

Nach seinem Ausscheiden aus City Lights hielt sich Murao regelmäßig im Caffe Trieste im Stadtteil North Beach auf. Als Teil seiner Therapie nach einem Schlaganfall beschäftigte er sich mit der japanischen Bambusflöte Shakuhachi und mit Shodō-Kalligrafie. Ein weiterer Schlaganfall im Jahr 1983 schränkte ihn erneut ein. In der Folge nahm er die bereits 1960 begonnene Herausgabe von Shig’s Review wieder auf, nun als Kleinauflage und in Form einer Zine-Publikation. Er stellte die Inhalte selbst zusammen, setzte sie typografisch um und ließ 20 bis 30 Exemplare davon herstellen. Viele Hefte versah er mit einem roten hanko-Stempel und teilweise mit einem „Shigspeer Press“-Stempel. Insgesamt veröffentlichte er etwa 80 Ausgaben. 1998 verletzte sich Murao bei einem Unfall, als er mit seinem elektrischen Rollstuhl an der Stanford Library eine Treppe für eine Rampe hielt und stürzte. Er verbrachte seine letzten Monate im Pleasant View Convalescent Home in Cupertino, Kalifornien. Dort starb er am 18. Oktober 1999.[2]

Literatur

  • Bill Morgan & Nancy J. Peters: Howl on Trial. City Lights Books, San Francisco 2006.
  • Gordon Ball: ‘Howl’ and other victories: A friend remembers City Lights’ Shig Murao. In: San Francisco Chronicle, 28. November 1999.

Einzelnachweise

  1. a b c d e Shigeyoshi "Shig" Murao | Densho Encyclopedia. Archiviert vom Original am 12. August 2025; abgerufen am 26. November 2025 (englisch).
  2. a b editor: Shig Murao: The Enigmatic Soul of City Lights and the San Francisco Beat Scene. In: ZYZZYVA. 3. Oktober 2011, abgerufen am 26. November 2025 (amerikanisches Englisch).