Siwerskyj Donez

Donez (Siwerskyj Donez)
Северский Донец, Сіверський Донець
Daten
Gewässerkennzahl RU05010400112107000010689
Lage Belgorod, Rostow (Russland Russland),
Charkiw, Donezk, Luhansk (Ukraine Ukraine)
Flusssystem Don
Abfluss über Don → Schwarzes Meer
Quelle 100 km nördlich von Belgorod
51° 0′ 26″ N, 37° 3′ 34″ O
Quellhöhe 200 m
Mündung bei Ust-Donezki in den DonKoordinaten: 47° 36′ 1″ N, 40° 53′ 48″ O
47° 36′ 1″ N, 40° 53′ 48″ O
Mündungshöhe 5,5 m
Höhenunterschied 194,5 m
Sohlgefälle 0,18 ‰
Länge 1053 km[1][2]
Einzugsgebiet 98.900 km²[1][2]
Abfluss[1]
Lage: 119 km oberhalb der Mündung
MQ
159 m³/s
Linke Nebenflüsse Wowtscha, Welykyj Burluk, Oskil, Ajdar, Jewsug, Bystraja, Kalitwa, Derkul, Scherebez, Krasna
Rechte Nebenflüsse Udy, Mscha, Kundrjutschja, Bolschaja Kamenka, Luhan, Kasennyj Torez, Bachmutka, Bereka
Durchflossene Stauseen Petschenihy-Stausee
Großstädte Belgorod, Lyssytschansk, Sjewjerodonezk
Mittelstädte Tschuhujiw, Isjum, Rubischne, Kamensk-Schachtinski
Kleinstädte Balaklija
Gemeinden Slowjanoserbsk, Stanyzja Luhanska
Schiffbarkeit etwa 315 km

Verlauf von Siwerskyj Donez (engl. Donets) und Don

Der Siwerskyj Donez (ukrainisch Сі́верський Доне́ць, russisch Се́верский Доне́ц Sewerskij Donez, meist nur Donez genannt) ist ein rechter, 1053 km langer Nebenfluss des Don im Südwesten Russlands und im Osten der Ukraine (Osteuropa). Sein Einzugsgebiet umfasst 98.900 km².

Name des Flusses

Der Fluss wurde nach dem Volksstamm der Sewerjanen (russisch Северя́не) benannt.

Der Fluss hat mehrere „inoffizielle“ Namen und Bezeichnungen: Im Russischen wird er auch als „Kleiner Don“ (Ма́лый Дон) bezeichnet. Gelegentlich wird die sprachlich und geographisch falsche deutsche Übersetzung „Nördlicher Donez“ (die Abkürzung сев./sew. fälschlich gedeutet als russ. север = „nördlich“) benutzt, um den Fluss vom Don abzugrenzen. Meist wird aber die Kurzform Donez benutzt.

Verlauf

Der Siwerskyj Donez entspringt am Südrand der Mittelrussischen Platte und weist auf seinen ersten hundert Flusskilometern bis Belgorod nur ein sehr geringes Gefälle auf. In der Ukraine angekommen, durchfließt er den 86 km² großen Petschenihy-Stausee, das Trinkwasserreservoir der Stadt Charkiw. Danach wendet sich der Fluss gen Osten und fließt nördlich des Donezrückens an mehreren ukrainischen Städten, darunter Lyssytschansk und Sjewjerodonezk, vorbei, bevor er wieder russisches Gebiet erreicht und auf einem etwa 30 Kilometer langen Abschnitt die russisch-ukrainische Grenze bildet. Als zumeist wasserarmer „Steppenfluss“ fließt der Siwerskyj Donez südlich von Ust-Donezki dem Don zu, der selbst nur rund 150 km weiter in das Asowsche Meer mündet.

Hydrologie

Der Fluss führt meistens Regen- und Schmelzwasser. Den höchsten Wasserstand erreicht er zwischen Februar und April. Im Jahresmittel fließen 159 m³/s Wasser ab. Etwa 315 km seines Flusslaufs sind schiffbar, doch ist er von Dezember bis Mitte März zugefroren.

Umgebung und Zuflüsse

Am rechten (südlichen) Ufer seines Mittellaufes liegt das Donezbecken, ein großes Steinkohlerevier und bedeutendes Industriegebiet. Wichtige Nebenflüsse sind Oskol, Ajdar, Derkul und Kalitwa.

Umweltbelastung

In den teils schon vor dem Russisch-Ukrainischen Krieg heruntergewirtschafteten Kohlebergwerken im Donezbecken wurde während des Krieges kaum mehr die selbst für aufgelassene Bergwerke erforderliche Wasserhaltung aufrechterhalten. Neben der Gefährdung des Trinkwassers durch die üblichen Bergwerksabwässer existierte bei Jenakijewe zusätzlich eine Kaverne, die am 16. September 1979 durch eine Nuklearexplosion erzeugt und von 1979 bis 2002 während des Weiterbetriebs der Mine und danach bis 2018 trocken gehalten wurde. Mit der Überflutung dieser Kammer nach dem Abschalten der Pumpen durch die Regierung der Volksrepublik Donezk bildete sich radioaktiv kontaminiertes Wasser.[3]

Historische Ereignisse

Im Mai 2022, drei Monate nach Beginn des Russischen Überfalls auf die Ukraine, versuchten etwa 1000 russische Soldaten, den Fluss mit ihren Fahrzeugen in Richtung der umkämpften Stadt Lyman zu überqueren. Die 17. Panzerbrigade der ukrainischen Armee entdeckte diese Truppenbewegung mit Hilfe von Drohnen und verhinderte die Überquerung. Bei einem Artillerieangriff auf eine Pontonbrücke bei Luhansk zerstörten die Ukrainer mindestens 50 russische Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, darunter mindestens sieben Kampfpanzer der Typen T-72 und T-80, 17 gepanzerte Truppentransporter, sieben amphibische Truppentransporter und fünf Spezialfahrzeuge.[4]

Zwischen Donezk/Luhansk und Charkiw liegende Gebiete wurden später von Russland besetzt, dessen Truppen im April und Mai 2022 kleinere Geländegewinne erzielten.[5] Im September 2022 wurden größere Gebiete um Isjum und Lyman wieder befreit.

Im Zuge der Kämpfe wurden viele Brücken und Dämme in der Region zerstört oder beschädigt. Anfang Dezember 2025 beschädigten russische Raketen die Straße über den Petschenihy-Stausee östlich von Charkiw schwer; sie wurde gesperrt. Sie ist eine wichtige Nachschubroute der ukrainischen Armee für die Frontabschnitte Wowtschansk, Welykyj Burluk und Kupjansk, wo die ukrainischen Verteidiger unter starkem Druck der Streitkräfte Russlands stehen. Auch eine Brücke über den Petschenihy-Stausee beim Dorf Staryj Saltiw wurde zerstört.[6]

Bilder

Commons: Siwerskyj Donez – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Artikel Siwerskyj Donez in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)http://vorlage_gse.test/1%3D100668~2a%3D~2b%3DSiwerskyj%20Donez
  2. a b Siwerskyj Donez im Staatlichen Gewässerverzeichnis der Russischen Föderation (russisch)
  3. Dimitri Durnew: „Людей не будет, степь останется.“ (Übersetzung: Es wird keine Menschen geben, eine Steppe wird bleiben). Спектр (Spektra), 17. Oktober 2019, abgerufen am 13. Mai 2022 (russisch).
  4. Russlands Desaster am Siwerskyj Donez. In: t-online. t-online, 12. Mai 2022, abgerufen am 13. Juli 2022 (deutsch).
  5. Chronologie des Ukraine-Konflikts. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, abgerufen am 13. Juli 2022 (deutsch).
  6. ORF: Treffer auf Staudamm unterbricht Nachschubroute, 8. Dezember 2025.