Serrabrancait

Serrabrancait
Kleine Serrabrancait-Kristalle in einer Druse aus Vernadit aus Alto Serra Branca, Pedra Lavrada, Paraiba, Brasilien (Größe der Stufe: 4,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1998-006[1]

IMA-Symbol

Sra[2]

Chemische Formel Mn[PO4] • H2O[3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate, Vanadate
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/C.07-005

8.CB.05
40.04.10.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch 2/m[4]
Raumgruppe C2/c[3]
Gitterparameter a = 6,91 Å; b = 7,47 Å; c = 7,36 Å
β = 112,3°[3]
Formeleinheiten Z = 4[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,17; berechnet: 3,16
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität uneben, spröde
Farbe dunkelbraun, grünlichschwarz
Strichfarbe olivgrün
Transparenz durchscheinend
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,750
nβ = 1,790
nγ = 1,800[5]
Doppelbrechung δ = 0,050[5]

Serrabrancait ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Mn[PO4] • H2O[3] und entwickelt nur kleine, isometrische Kristalle bis etwa 0,3 mm Größe von dunkelbrauner bis grünlichschwarzer Farbe und olivgrüner Strichfarbe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Serrabrancait 1998 in den Pegmatiten von Serra Branca im brasilianischen Bundesstaat Paraíba und beschrieben durch Thomas Witzke, Reinhard Wegner, Thomas Doering, Herbert Pöllmann und Walter Schuckmann († 1998), die das Mineral nach seiner Typlokalität benannten. Als eigenständiges Mineral anerkannt wurde Serrabrancait von der International Mineralogical Association (IMA) noch im selben Jahr unter der Nummer IMA1998-006. Die Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse und des anerkannten Namens erfolgte zwei Jahre später im American Mineralogist, Volume 85 (2000).

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Serrabrancait noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/C.07-005. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, ohne fremde Anionen“, wo Serrabrancait zusammen mit Fervanit, Kolovratit, Schubnelit und Warikahnit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/C.07 bildet.[6]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[7] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Serrabrancait in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; RO4 : H2O = 1 : 1“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.CB.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Serrabrancait die System- und Mineralnummer 40.04.10.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A3+XO4 × x(H2O)“ als einziges Mitglied in der „Phosphatanaloga der Kieserit (SO4)-gruppe (C2/c)“.

Bildung und Fundorte

Serrabrancait ist ein Sekundärmineral und bildet sich als Verwitterungsprodukt aus Triplit in phosphathaltigen Pegmatiten. Begleitminerale sind unter anderem Vernadit und Phosphosiderit.

Weltweit wurde Serrabrancait bisher (Stand: 2010) außer an seiner Typlokalität Serra Branca nur noch im Pegmatit von Buranga (Bezirk Gatumba) in der Westprovinz Ruandas nachgewiesen.[5]

Kristallstruktur

Serrabrancait kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 6,91 Å; b = 7,47 Å; c = 7,36 Å und β = 112,3° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Siehe auch

Literatur

  • Thomas Witzke, Reinhard Wegner, Thomas Doering, Herbert Pöllmann, Walter Schuckmann: Serrabrancaite, MnPO4·H2O, a new mineral from the Alto Serra Branca pegmatite, Pedra Lavrada, Paraiba, Brazil. In: American Mineralogist. Band 85, 2000, S. 847–849 (PDF).

Einzelnachweise

  1. Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
  2. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  3. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 474.
  4. Webmineral – Serrabrancaite (englisch)
  5. a b c Serrabrancaite bei mindat.org (engl.)
  6. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  7. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).