Serjeant Painter
Der Titel Serjeant Painter bezeichnete ein königliches Hofamt in England, das vom frühen 16. bis zum späten 18. Jahrhundert existierte. Die Inhaber dieser Position waren für malerische und dekorative Arbeiten im Dienst der Krone verantwortlich. Dazu zählten die Ausführung und Instandhaltung von Wand- und Tafelmalereien, Fahnen, Bannern, Dekorationen, Wappen sowie Anstrichen an Gebäuden, Schiffen oder Kutschen des Königs. Obwohl manche Aufgaben eher handwerklicher Natur waren, verband dieses Amt künstlerische und technische Tätigkeiten im Sinne mittelalterlicher Werkstatttraditionen. Zu den Inhabern dieses Amtes zählten einige der bedeutendsten Vertreter der englischen Malerei ihrer Zeit, darunter die bekannten Künstler William Hogarth, James Thornhill und Robert Streater.[1]
Geschichte
Die genaue Entstehung des Amtes lässt sich auf das Jahr 1511/12 datieren, als John Browne zum ersten bekannten Serjeant Painter ernannt wurde. Browne, der bereits seit 1514 im Dienst Heinrichs VIII. nachweisbar ist, gilt als Begründer der offiziellen Amtsreihe. Seine Tätigkeit umfasste unter anderem die Lieferung von Bannern und anderen dekorativen Arbeiten. Nach ihm folgten mehrere Amtsinhaber, deren Namen teilweise in königlichen Dokumenten, insbesondere in einem Patent vom 17. Mai 1679, überliefert sind. Laut dieser Urkunde, ausgestellt bei der Ernennung Robert Streaters des Jüngeren, wird eine Liste von zwölf Amtsinhabern aufgeführt. Darunter finden sich auch Fälle gemeinsamer Amtsführung, etwa bei John De Critz und Robert Peake, die das Amt ab 1605 gemeinsam innehatten. Die Amtsnachfolge erfolgte gelegentlich durch Kauf der „reversion“ (das Recht auf künftige Amtsübernahme) oder innerhalb von Familien. Zwei weitere Maler, Vincent Volpe und Anthony Toto, sind in dieser Liste zwar nicht verzeichnet, werden aber aufgrund anderer Quellen ebenfalls zu den Serjeant Painters gezählt. Volpe wirkte bereits während der Amtszeit John Brownes in ähnlicher Funktion.[1]
Die bisher bekannte Reihenfolge der Amtsinhaber lautet:
- John Browne (Ernennung 1511/12 – gestorben 1592)
- Vincent Volpe (tätig um 1520–1540)
- Andrew Wright
- Anthony Toto (im Amt ab 1543/44 bis ca. 1558)
- Nicholas Lizard (auch Lyzarde; im Amt ab 1556 bis 1571)
- William Heron (auch Herne; im Amt ab 1572)
- George Gower (Ernennung 1581, gestorben 1596; erster Serjeant Painter, von dem ein signiertes Gemälde erhalten ist)
- Leonard Fryer (im Amt 1596–1605; Stifter eines Silberpokals für die Painter-Stainers’ Company, 1601)
- John De Critz (ab 1605 gemeinsam mit Robert Peake; gestorben 1642)
- Robert Peake (gemeinsam mit De Critz ernannt 1610; tätig bis 1619)
- Robert Streater (im Amt ab 1660er Jahre; gestorben 1679)
- William Hogarth (1757 wurde Hogarth zum Serjeant Painter des Königs ernannt)[2]
- James Stewart (letzter nachweisbarer Amtsinhaber, belegt bis 1782)
Wann das Hofamt formell abgeschafft wurde, ist unbekannt. Nach 1782 existieren keine weiteren amtlichen Aufzeichnungen über Inhaber dieses Titels. Das Amt des Serjeant Painter ist in der englischen Kunst- und Verwaltungsgeschichte von Bedeutung, da es die enge Verbindung zwischen höfischer Repräsentation, Kunsthandwerk und Malerei in der frühen Neuzeit dokumentiert. Zugleich stellt es ein Bindeglied zwischen mittelalterlichen Werkstatttraditionen und der späteren Professionalisierung der Kunst im 18. Jahrhundert dar.[1]
Literatur
- Oliver Millar: The Tudor, Stuart and Early Georgian Pictures in the Collection of Her Majesty the Queen. London 1963
- Roy Strong: The English Icon: Elizabethan and Jacobean Portraiture. London 1969.
- Mary Edmond: Limners and Picturemakers. Art in England 1525–1649. The Volume of the Walpole Society, Vol. 47 (1978–1980), S. 60–242, The Walpole Society, 1980.
- Anya Lucas, Richard Johns, Sophie Stewart, Stephen Paine, William Palin (Vorwort): The Painted Hall: Sir James Thornhill's Masterpiece at Greenwich. Merrell Publishers Ltd., 2019.
- The Serjeant-Painters. The Burlington Magazine for Connoisseurs, Band 84, Nr. 493 (April 1944), S. 80–82 (3 Seiten). Herausgegeben von Burlington Magazine Publications, 1944.
- Karen Hearn: Painting in Tudor and Jacobean England 1530–1630. New York: Rizzoli, 1995.