Serielle Formationen
Serielle Formationen war der Titel der ersten deutschen Ausstellung internationaler minimalistischer Tendenzen. Paul Maenz und Peter Roehr kuratierten die Ausstellung für die Studiogalerie der Universität Frankfurt. Auswahlkriterium für die insgesamt 62 Arbeiten von 48 Künstlerinnen und Künstlern war die serielle Ordnung als visuelles Merkmal der Bilder und Objekte. Die Gemeinsamkeiten der ausgestellten Arbeiten lagen in der Erscheinung, nicht in ihrem Konzept.
Anlass und vertretene Kunstrichtungen
Im Katalog zur Ausstellung schreiben die beiden Kuratoren Paul Maenz und Peter Roehr über ihre Beweggründe, diese Ausstellung zu machen. Es waren Kommentare und Bemerkungen, die sie häufig und seit langem hörten und lasen, wie „das ist doch schon vor Jahren gemacht worden“, „das hat der und der als Problem schon gelöst“, „genau wie die Sachen von dem und dem“. Sie hielten diese Argumente für falsch und wollten mit der Ausstellung ihre Entgegnung beweisen. Was sie auf keinen Fall wollten, schreiben sie am Ende ihres Katalogvorworts, sei „einen Ismus zu kreieren oder Dinge in einen unpassenden Begriff zu zwängen“. Aus dem Ullstein Fremdwörterbuch zitieren sie dann: „Serie = Anzahl, Reihe, Gruppe gleicher oder ähnlicher Gegenstände, Ereignisse usw. Formation = Aufstellung, Gefüge.“
Die gezeigten Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler gehörten in das Umfeld der Kunstrichtungen Neue Tendenzen, Neuer Realismus, Pop Art, Op-Art und Minimal Art. Unter dem Begriff der Seriellen Formationen haben die Kuratoren verschiedene Bildordnungen wie Reihung, Ansammlung, Wiederholung, Kombination, Variation und Permutation zusammengefasst.
Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler
- Carl Andre (USA)
- Arman (F/USA)
- Thomas Bayrle (D)
- Ronald Bladen (CDN)
- Hans Breder (D/USA)
- Enrico Castellani (I)
- Christo und Jeanne-Claude (BG/USA & F/USA)
- Jan Dibbets (NL)
- May Fasnacht (D)
- Eberhard Fiebig (D)
- Dan Flavin (USA)
- Raimund Girke (D)
- Hermann Goepfert (D)
- Kuno Gonschior (D)
- Hans Haacke (D)
- Jan Henderikse (NL)
- Ewerdt Hilgemann (D)
- Bernhard Höke (D)
- Donald Judd (USA)
- Jiří Kolář (CZ)
- Yayoi Kusama (J)
- Walter Leblanc (BEL)
- Thomas Lenk (D)
- Sol LeWitt (USA)
- Konrad Lueg (D)
- Adolf Luther (D)
- Piero Manzoni (I)
- Agnes Martin (CDN/USA)
- Almir da Silva Mavignier (BR)
- Henk Peeters (NL)
- Larry Poons (J/USA)
- Charlotte Posenenske (D)
- Markus Raetz (CH)
- Bridget Riley (GB)
- Peter Roehr (D)
- Dieter Roth (CH)
- Felix Schlenker (D)
- Wolfgang Schmidt (D)
- Jan Schoonhoven (NL)
- Klaus Staudt (D)
- Michael Steiner (USA)
- Frank Stella (USA)
- Paul Talman (CH)
- Günther Uecker (D)
- Victor Vasarely (H)
- Herman de Vries (NL)
- Andy Warhol (USA)
- Gruppe X (D)
Katalog
Der Katalog Ausstellung: Serielle Formationen enthält, neben abgebildeten Werken und Kurzbiografien, auch zahlreiche Statements der Künstlerinnen und Künstler.[1]
Walter Leblanc: „Es handelt sich bei meinen Werken um rhythmisierte Oberflächen. Sie verändern ihr Äußeres, je nachdem sich der Blickwinkel des Betrachters verändert. Die zahlreichen bewegten Ansichten entstehen durch gleichzeitige Wechselwirkung zwischen Zuschauer und Werk. Was so entsteht, gehört in den Bereich einer rein visuellen Wahrnehmung (optical art) und möchte lieber den Eindruck eines ästhetischen Objekts als den eines Kunstwerks erwecken.“
Herman de Vries: „Die meisten meiner seriellen Arbeiten werden kombiniert aus Zufallsanordnungen. Das wirkt sehr variiert, ist aber nicht weniger rational. Vergleichbar der Natur, wo kausale Zusammenhänge mit nichtkausalen Zufallsfaktoren kombiniert sind. Und schließlich sind auch diese kausal zu deuten. So ist es auch mit meinen Arbeiten.“
Wolfgang Schmidt: „Seriell ist seserseriserieserielseriellseriellerieseriserseschmidt“
Rezeption
2017
2017 kuratierte Renate Wiehager für die Daimler Art Collection in Berlin eine Re-Inszenierung der historischen Ausstellung Serielle Formationen. Die Ausstellung zeigte Werke der Daimler Art Collection sowie Leihgaben aus deutschen und internationalen Sammlungen. Zur Ausstellung erschien ein umfangreicher Katalog Serielle Formationen 1967/2017. Darin enthalten ist als Reprint der historische Katalog der Frankfurter Ausstellung.
2018
Die Monografie Peter Roehr Field Pulsations, herausgegeben von Renate Wiehager, widmet der Ausstellung Serielle Formationen ein eigenes Kapitel. Erstmals wieder zugänglich gemacht wird darin auf sechs Seiten die historische Dokumentation der Ausstellung in s/w-Fotos, die viele Jahre verschollen war.
Literatur
- Renate Wiehager (Hrsg.): Serielle Formationen 1967/2017. Re-Inszenierung der ersten deutschen Ausstellung internationaler minimalistischer Tendenzen. snoeck Verlagsgesellschaft, Köln 2017, ISBN 978-3-86442-215-7.
- Renate Wiehager (Hrsg.): Peter Roehr Field Pulsations. Avant-Garde Artist of the 1960s. Daimler Art Collection, snoeck Verlagsgesellschaft, Köln 2018, ISBN 978-3-86442-229-4, S. 22–27.
Einzelnachweise
- ↑ Renate Wiehager (Hrsg.): Serielle Formationen 1967/2017. Re-Inszenierung der ersten deutschen Ausstellung internationaler minimalistischer Tendenzen. snoeck Verlagsgesellschaft, Köln 2017, ISBN 978-3-86442-215-7, S. (Reprint-Teile ohne Seitenangabe).